04.01.2011

Vom Dorfbrunnen zur Gesundheitsstation

Sauberes Wasser, verbunden mit Maßnahmen zur Gesundheitsverbesserung, gehören zur Wiederaufbau-Arbeit des Österreichischen Roten Kreuzes in Haiti. Von Gabriela Hartig

Es ist Nachmittag und am Waschplatz von Sous-de-Baba herrscht reges Treiben. Frauen und Mädchen schrubben Wäsche in Lavoirs voll schäumender Seife, auf den Steinen hinter ihnen liegen Kleidungsstücke zum Trocknen in der Sonne. Eine Gruppe Männer steht an der betonierten Quellfassung, bis zu den Knien im Wasser. Sie waschen sich und plaudern. In dem überdachten Wasserbecken planschen Kinder.  Frauen kommen an die Wasserstelle, um Kübel mit Trinkwasser zu füllen, die sie dann kunstvoll auf dem Kopf balancieren und wegtragen.

 

Hygiene in Zeiten der Cholera


Das Dorfleben hier scheint auf den ersten Blick idyllisch. Tatsächlich liegt Sous-de-Baba nur wenige Kilometer vom Epizentrum des katastrophalen Erdbebens entfernt, das Haiti im vergangenen Jänner heimgesucht hat. Die meisten Menschen, die hierher kommen, haben damals ihre Häuser und ihr  gesamtes Hab und Gut verloren. Das Österreichische Rote Kreuz unterstützt die Erdbebenopfer tatkräftig beim Aufbau eines neuen Lebens.


„Der Waschplatz, den wir gebaut haben, ist mehr als ein Treffpunkt  für die Dorfbewohner“, erklärt der Tiroler Rotkreuz-Delegierte Michael Wolf. „Die Quellfassung sorgt dafür, dass das Quellwasser nicht durch Tiere oder Abfall verunreinigt wird und trinkbar bleibt. Rotkreuz-Hygienetrainerinnen kommen her, um den Menschen Gesundheitsinformationen zu bringen.“


 Das ist besonders in Zeiten der Cholera ein überlebenswichtiger Rotkreuz-Einsatz. Germaine ist eine der Hygiene-Trainerinnen, die vom ÖRK ausgebildet wurden. „Ich komme fast jeden Tag hierher“, sagt die junge Frau. „Die Menschen sind sehr verunsichert wegen all der schrecklichen Dinge, die sie über die Cholera hören. Die Cholera ist eine neue Krankheit in Haiti, die hat es bis jetzt nicht gegeben. Ich kläre die Leute über Ansteckungsmöglichkeiten auf und predige die Bedeutung der persönlichen Hygiene.“ 


Germaine und ihre Kolleginnen werden an diesem Nachmittag am Waschplatz aufmerksam angehört.  „Was könnt Ihr tun, um nicht krank zu werden?“, fragt sie die Umstehenden. „Händewaschen ist wichtig und auf’s Klo gehen und sauberes Wasser trinken“, ruft ein kleiner Junge wie aus der Pistole geschossen. 


Auf dem Hang hinter dem Waschplatz liegt das eigentliche Dorf. Dort baut das Österreichische Rote Kreuz gemeinsam mit deutschen Kollegen gerade in einem Pilotprojekt Häuser und sanitäre Einrichtungen. „Die Verbindung von Wiederaufbau mit hygienischen Konzepten zur Gesundheitsverbesserung ist eine Maßnahme, die den Menschen langfristig hilft“, ist der RK-Delegierte Michael Wolf überzeugt.