Das typische Minen-Opfer ist Zivilist, Kind, Mutter

Oder jeder, der im falschen Land zur falschen Zeit einen Fuß auf die Erde setzt. Am 1. März 1999 trat die Ottawa-Konvention in Kraft. Seither haben 158 Staaten das Verbot von Anti-Personen Minen unterzeichnet.

 

Österreich verbot die heimtückischen Waffen als eines der ersten Länder weltweit. Maßgeblich dafür war eine Kampagne, die das Österreichische Rote Kreuz 1996 startete.

 

Dr. Alberto Cairo ist der Rotkreuz-Delegierte, der die verheerenden Folgen dieser Waffen und ihr wahlloses Wüten unter der Zivilbevölkerung am besten kennt. Seit 1992 leitet er das orthopädische Rehabilitationsprogramm des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz in Afghanistan.

 

Der gebürtige Italiener hat tausende afghanische Lebensgeschichten kennen gelernt, die durch Landminen zu Schicksalen wurden. Und daraus seine Lehren gezogen: Das orthopädische Programm reicht über die medizinische Hilfe hinaus und kümmert sich auch um die soziale und wirtschaftliche Integration der Minen-Opfer. Heute leitet Alberto Cairo alle sieben orthopädischen Zentren, die das IKRK in Afghanistan betreibt.

 

Kabul, 1988. Fußprothesen am laufenden Band

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"1988 eröffnete das IKRK das erste orthopädische Zentrum für Kriegsamputierte in Kabul. Prothesen und Physiotherapie besaßen damals keine Priorität, die Programme wurden gestopt, als die Kämpfe wieder aufflammten, das Zentrum war für Wochen geschlossen. Aber der Anblick hunderter Menschen, die auf einem Bein durch die Straßen humpelten und die Einsicht, dass eine Prothese der Schlüssel zu einer Verbesserung ihres Lebens war, ließ uns umdenken. Seit 1994 ist das Ortho-Zentrum in Kabul immer geöffnet, die Arbeit wird nur unterbrochen, wenn es absolut notwendig ist (oft auch nur für ein paar Stunden), vier Mal sind wir umgezogen, haben die Werkstätte dank der Hingabe der afghanischen Arbeiter, die fast alle ehemalige Patienten sind und selbst eine Behinderung haben, in Rekordzeit ab- und wieder aufgebaut. Heute, zurückblickend auf diese Zeit, wundere ich mich, wie sie diese dramatischen Tage gemeistert haben. Ich war sehr berührt von ihrer unaufhaltbaren Zielstrebigkeit."

Herat, 2011. Ein neues Bein, ein neues Leben?

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"Die Orthopädischen Zentren des IKRK sind die Anlaufstelle für jene, die Gliedmaßen durch Landminen verloren haben. Anfangs befremdet und ängstlich, lernen sie bald wieder zu stehen und zu gehen. Im Laufe der Jahre habe ich bemerkt, dass mit einem Bein auch ein Stück vom Leben, vom Herzen und vom Geist verloren gehen. Und während man ein Plastik-Bein vergleichsweise einfach wieder bekommt - wer kann Dir die anderen Dinge wieder zurück geben?

Die meisten Amputierten sind Männer zwischen 20 und 35: Jene Jahre, in denen sie heiraten, Väter werden und arbeiten, um sich und ihre Familien zu versorgen. Plötzlich verlieren sie alles, vielleicht für immer. Sie sind abhängig von anderen, die Zukunft sehen sie schwarz. In Afghanistan gibt es keine Versicherungen, keine Gesundheitsversorgung, kein Sozialsystem. Sind das nicht gute Gründe zu verzweifeln? Viele behinderte Menschen erholen sich von der Depression, wenn sie einen Job bekommen oder einen Mikro-Kredit, mit dem sie ein Geschäft aufbauen können. Andere scheitern trotz unserer Bemühungen."

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