Warum es höchste Zeit ist, Atomwaffen abzuschaffen

Generalsekretär Werner Kerschbaum bei der Konferenz über die Humanitären Auswirkungen von Nuklearwaffen in der Wiener Hofburg 2014.

Das Rote Kreuz unterstützt den historischen Beschluss der Vereinten Nationen, Verhandlungen über ein Verbot aller Nuklearwaffen aufzunehmen.

 

Massenvernichtungswaffen sind nicht mit dem humanitären Völkerrecht vereinbar. Besonders der Einsatz von Atomwaffen würde militärische und zivile Einrichtungen gleichermaßen zerstören und durch die nukleare Strahlung auch die Helfer zu Opfern machen. Deshalb begrüßt das Rote Kreuz die Resolution eines Unterkomitees der UNO-Vollversammlung, über ein Verbot von Atomwaffen zu verhandeln. Das soll auf zwei Konferenzen im März und im Juni 2017 geschehen. Der formale Beschluss steht noch aus, eine Mehrheit in der Vollversammlung ist aber gesichert. Österreich, Brasilien, Irland, Mexiko, Nigeria und Südafrika hatten den Antrag eingebracht. 123 Mitgliedsstaaten votierten dafür, 38 dagegen und 16 enthielten sich der Stimme.

 

"Wir haben eine Verantwortung gegenüber unseren Kindern und Enkelkindern", sagt Rotkreuz-Generalsekretär Werner Kerschbaum. Er hofft auf einen Erfolg der Initiative. "Unsere Vision ist das Ende des Atomzeitalters. Eine atomare Explosion würde alle Hilfskräfte und Kapazitäten heillos überfordern. Das ist ein inakzeptables Risiko. Nuklearwaffen sind eine der größten Bedrohungen für die Menschheit - auch wenn sich viele dieser Bedrohung nicht bewusst sind".

 

Weltweit sind rund 2000 Stück Atomwaffen in ständiger Alarmbereitschaft und können binnen weniger Minuten abgefeuert werden. Ihre Zerstörungskraft reicht aus, um die Erde mehrfach zu vernichten. Die enorme Hitze, die starke Druckwelle, die Strahlung, eintretende Klimaveränderungen und Ernteausfälle würden Millionen Menschen das Leben kosten und weite Landstriche unbewohnbar machen. "Studien belegen, dass selbst ein relativ kleiner, regional begrenzter Nuklearkrieg zwischen zwei Ländern Auswirkungen hätte, die die ganze Welt betreffen", sagt Kerschbaum. Zu den Verwüstungen kämen noch Flüchtlingsströme ungeahnten Ausmaßes hinzu. "Wir alle wären direkt oder indirekt von einem Nuklearkrieg betroffen - auch Österreich."

 

Die Rotkreuz- und Rothalbmondbewegung fordert alle Staaten der Welt auf, sicherzustellen, dass diese Atomwaffen nie wieder zum Einsatz kommen. Das kann nur durch ein verbindliches internationales Verbot und deren Zerstörung erreicht werden. Auf Widerstand stieß die UN-Resolution bei jenen Staaten, die Atomwaffen besitzen. Die USA, Russland, Frankreich und Großbritannien stimmten mit Nein. China enthielt sich ebenso der Stimme wie die Atommächte Indien und Pakistan. Die Kritiker argumentieren, dass Verhandlungen über die atomare Abrüstung in dem bereits bestehenden Rahmen der Gespräche über den Atomwaffensperrvertrag stattfinden sollten.

socialshareprivacy info icon