Neuigkeiten aus dem UK
Forschung aktuell 9/2002
Im Heft vom 20. Juli erschien ein Review von F. Regan u. C. Taylor: Recent developments: Blood transfusion medicine (BMJ 2002: 325: 143-7). Entsprechend den strengen Richtlinien des BMJ wird bei der Autorin C. Taylor auf die Verbindung zur pharmazeutischen Firma Ortho-Biotech, einem Hersteller von Erythropoetin, hingewiesen, weil sich dadurch Interessenkonflikte ergeben könnten. Die publizierten Daten basieren auf dem jährlichen Report des Serious Hazards of Transfusion (SHOT; http://www.shotuk.org) sowie auf den Guidelines des Britischen Komitees für Standards in der Hämatologie (www.bcshguidelines.com/) und den Ergebnissen des Meetings „Better Blood Transfusion“ der Chief Medical Officer.
Vermeidbare fatale Transfusionsirrtümer werden im SHOT-Report mit 335 pro 5,5 Mio. transfundierte Erythrozyteneinheiten angegeben. Nahezu 70 % der vermeidbaren Fehler entfallen auf die Gabe nicht korrekter Blutkomponenten. ABO-Unverträglichkeit lag in 97 Fällen vor und führte zu 4 Todesfällen. Bei 29 weiteren Patienten wurden schwere Komplikationen gemeldet. Alle Ereignisse, auch die „Near Misses“ sollen in Zukunft zentral in der National Patient Safety Agency erfasst werden. Neben Pilotprojekten wie der Einführung neuer Technologien (elektronisch ablesbares Barcodesystem) sind v. a. zusätzliche Mittel für die permanente Schulung der Transfusionsteams unbedingt erforderlich. Selbstverständlich wird wie auch bei uns im UK über Methoden zur Einsparung von Bluttransfusionen nachgedacht.
Keine Angaben können auch im UK derzeit zum Risiko einer Übertragung der neuen Variante der Creutzfeld-Jakob-Erkrankung (BSE) auf Menschen durch Blutprodukte gemacht werden. Es besteht bekanntlich seit 1999 ein Ausfuhrverbot für UK-Plasma. Die Leukozytendepletion wird auch im UK als Präventivmaßnahme durchgeführt. Kinder, die nach dem 1. 1. 1996 geboren sind, erhalten seit 5/2002 Methylenblau-behandeltes FFP, wenn der Spender aus dem UK stammt. Spender, die in den Jahren 1980–1996 Transfusionen erhalten haben, werden nach rezenten Überlegungen möglicherweise in Zukunft als Blutspender nicht mehr akzeptiert, was einen Ausfall von etwa 10 % bei Blutkonserven ausmachen wird. Bisher sind nach wie vor nur tierexperimentelle Studien bekannt, wonach die Übertragung von BSE auf ein Schaf durch die Bluttransfusion von einem erkrankten Tier ausgelöst werden konnte (www.thelancet.com) 356:999-1000.
Transmission of BSE by blood transfusion in sheep Houston F, Foster J, Chong A, Hunter N, Bostock C Vgl. Nature vom 15. 8. 2002):Protein-misfolding diseases: Getting out of shape www.nature.com/nature 418: 729 Christopher M. Dobson doi: 10.1038/418729a
Allerdings unterstreichen neue Daten die Manifestation der nunmehr als Proteinfaltungsstörungen zusammengefassten Alzheimer-, Amyloidose- und CJD-Erkrankungen im höheren Alter, sodass unbedingt eine weitere Wachsamkeit nötig ist. (Vgl. Nature vom 15. 8. 2002). Trotz des aufgrund der bisherigen Datenlage geringen Risikos werden auch innerhalb der EU genaue Kontrollen durchgeführt (www.ehn-org.net). Die Frage der Auswirkungen eines in Zukunft möglicherweise verfügbaren BSE-Tests birgt neben der möglichen weiteren Verknappung bei Blutprodukten auch ein ungelöstes ethisches Problem, wenn nämlich den sich gesund fühlenden potenziellen Blutspendern mitgeteilt werden muss, dass sie möglicherweise in späteren Jahren an vCJD erkranken könnten. Strikte Überwachung und weniger verabreichte Transfusionen sind auch in Zukunft unabdingbar, wie im Editorial von P. P. Mortimer vom 24. 8. 2002 (www.bmj.com) betont wird.
