12.05.2009

Warst du jemals fremd?

Wie ist es, in einem Land völlig fremd zu sein? Aus einer anderen Kultur zu kommen? Wie kommt man mit der Sprache zurecht? Wann wird das neue Land wirklich zur Heimat?

Wiener Schülerinnen stellen die Philippinen vor.

Diese und ähnliche Fragen stellten sich in der Kooperativen Mittelschule St. Marien im sechsten Wiener Gemeindebezirk bei einem Gespräch mit Eulamie Esclamada, Migrationsbeauftragte im Österreichischen Roten Kreuz und gebürtige Philippinin.

 

Marlene, Toni, Medina, Dicle, Dominic, Lukus und die übrigen 24 Kinder im Alter zwischen 10 und 14 Jahren haben sich gut vorbereitet: In kurzen Referaten tragen sie vor, was sie bereits über die Philippinen herausgefunden haben, von den geographischen und geschichtlichen Eckdaten, über Sprache und Kultur bis hin zu den aktuellen Musik-Charts.

 

Eulamie Esclamada erzählt wie sie vor 14 Jahren nach Österreich kam: als Au Pair-Mädchen begann sie in Innsbruck zu arbeiten, danach begann sie ein Studium in Politikwissenschaften.

 

Drei schweigsame Monate

 

„Voraussetzung war natürlich, dass ich Deutsch sprach, also besuchte ich einen Deutschkurs. Drei Monate lang habe ich geschwiegen, und dann hab ich irgendwann einfach darauf losgeredet“, erinnert sie sich heute.

 

Nach ihrem Studium arbeitete Eulamie für die Tiroler Landesregierung. „Viele Kolleginnen und Kollegen haben allein aufgrund des Namens gerätselt, woher ich komme. Sie lagen aber meistens falsch. Ich war da schon die Exotin“, erzählt sie. Von Innsbruck aus zog es sie nach Wien und begann in der Migrationsabteilung im Österreichischen Roten Kreuz zu arbeiten. Wien ist für Eulamie heute ihre Heimat.

 

Familientreffen einmal im Jahr

 

„Und wie oft siehst du deine Familie?“ fragt ein Mädchen verwundert und „Haben dich deine Eltern hier schon besucht?“ Eulamie sieht ihre Familie meist einmal im Jahr, das ist natürlich nicht viel, aber man kann auch Mails schreiben oder übers Internet telefonieren, so klappt das mit dem Kontakt gut.

 

Projektleiter in der Schule ist Michael Kopetzky. „Ich habe in meiner Klasse Kinder aus 11 verschiedenen Länder, es fällt zwar nicht auf, weil wir alle dieselbe Sprache sprechen, trotzdem halte ich die Auseinandersetzung mit dem Herkunftsland für wichtig. Nur so kann das neue Land auch wirklich die neue Heimat werden“, meint der Pädagoge.

 

Im Rahmen des projektXchange hat Eulamie Esclamada auch die BHAK in der Pernerstorfergasse 10 im zehnten Bezirk in Wien besucht. Sie diskutierte dort mit 20 Schülerinnen und Schülern im Alter von 17 Jahren. Interkulturelle Kompetenzen, Auseinandersetzung mit der eigenen Identität bzw. den eigenen Wurzeln waren dort Thema der Gesprächsrunde.

 

projektXchange

 

Das Projekt projektXchange möchte in punkto Migration, Integration, "Ausländer" durch persönliches Kennenlernen des jeweils anderen, "Fremden", Vorurteile, Ängste und Konflikte abbauen und gegenseitiges Verständnis, Miteinander und Austausch fördern.

 

Das projektXchange arbeitet auf drei Ebenen: 1. gehen Botschafter der Integration in Schulen und tauschen mit Schülern ihre Erfahrung aus, 2. lernen SchülerInnen unter dem Motto "das Fremde ums Eck" ihre fremden Nachbarn kennen - die Moschee, die Flüchtlingspension, den Jugendklub, den Kebab-Stand und vielen mehr, 3. zeigen Jugendliche soziales Engagement, indem sie sich bei Organisationen wie dem Roten Kreuz oder anderen Hilfsorganisationen engagieren.

 

Weitere Informationen: http://www.projektxchange.at

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