08.06.2009

Migration News Nr. 26/09, Juni 2009

Österreichisches Rotes Kreuz (ÖRK) Generalsekretariat/Abteilung Recht und Migration migration.roteskreuz.at

 

Inhalt:

 

News - National

 

1. Österreich Schlusslicht bei hoch qualifizierten Migranten
Experten raten Zuwanderung nach Ausbildungskriterien zu forcieren

 

News – EU

 

2. Einer von drei Muslimen wird in der EU
Diskriminierung der Muslime erfolgt am Häufigsten am Arbeitsmarkt

 

Aktivitäten des Generalsekretariats

 

3. Expertengespräch zum Thema Gesundheit und Soziales
Migrationsbeauftragte des Generalsekretariats Mitglied der Expertengruppe

 

4. Informationstag über die EU-SOLID-Fonds
Innenministerium wird Projekte künftig strenger überwachen

 

5. Fachtagung „Zuwanderer als Feinbild“
Zweitägiges Symposium beschäftigt sich mir Vorurteilen und Klischees

 


 

News - National

 

1. Österreich Schlusslicht bei hochqualifizierten Migranten
Experten raten Zuwanderung nach Ausbildungskriterien zu forcieren

Der Forschungs- und Technologiebericht 2009 ortet beim Qualifikationsniveau von Migranten in Österreich "Spezifische Probleme". In der Gruppe der Hochqualifizierten Arbeitskräfte ist Österreich das Land mit "mit dem geringsten Anteil" von Akademikern die im Ausland geboren wurden.

 

Österreich liegt mit 11,3 Prozent nach Polen an letzter Stelle. Gleichzeitig gibt es aber mit 11,5 Prozent überdurchschnittlich viele Auslandsstudierende. "Österreich kann als Land bezeichnet werden, in dem zwar viele Ausländer studieren, aber nur wenige hoch qualifizierte Migranten leben, so die Autoren des im Auftrag des Wissenschafts-, Infrastruktur- und Wirtschaftsministeriums erstellten Berichts.

 

Es zeigt sich, dass im Vergleich zur österreichischen Bevölkerung die im Ausland geborene Bevölkerung hierzulande nach wie vor stark an den beiden Extremen der Bildungsverteilung angesiedelt ist. Es gibt  nur unterdurchschnittliche Anteile im mittleren Qualifikationssegment.

 

Trotz erster Bemühungen der Migrationspolitik, hoch qualifizierte Arbeitskräfte anzuziehen, sind im Ausland geborene Hochqualifizierte deutlich öfter als ihre im Inland geborenen Kollegen beschäftigungslos. Mit 47 Prozent stecken ausländische Akademiker zudem häufiger in Jobs, die unter ihrem Qualifikationsniveau liegen, als es bei österreichischen Akademikern der Fall ist.

 

Mittels migrationspolitischer Interventionen kann man den Standort Österreich für hoch qualifizierte Arbeitskräfte attraktiver machen indem man die Zuwanderung nach Ausbildungskriterien stärker forciert. Zudem müsse die Anerkennung von im Ausland erworbenen Bildungsabschlüssen erleichtert werden berichten die Autoren der Studie.

 


 

2. Einer von drei Muslimen wird in der EU diskriminiert
Diskriminierung der Muslime erfolgt am häufigsten am Arbeitsmarkt

Eine Erhebung der EU-Grundrechtsagentur in 14 EU-Mitgliedsstaaten ergab, dass einer von drei Muslimen in der EU angibt, im vergangenen Jahr zumindest einmal Opfer von Diskriminierung gewesen zu sein.

 

Durchschnittlich wird jeweils über acht Vorfälle in den vergangenen zwölf Monaten berichtet. Der  davon überwiegende Teil spielte sich am Arbeitsplatz oder bei der Jobsuche ab.

 

Besonders gefährdet wer muslimisch und dunkler Hautfarbe ist. Die Diskriminierungsrate unter Subsahara-Afrikanern liegt bei 43 Prozent, bei Türken hingegen bei 24 Prozent. Religionstypische Bekleidung, wie etwa das Tragen eines Kopftuchs, scheint sich trotz Vermutungen kaum negativ auf die Diskriminierungserfahrungen der Muslime auswirken.

 

Die fehlende Rechtskenntnis schadet den meisten Betroffenen. In Österreich ist sich gerade mal ein Viertel der muslimischen Türken dessen bewusst, dass Diskriminierung aufgrund der Religion gesetzlich verboten ist und nur 26 Prozent wissen, dass Religion kein Jobhindernis sein darf. In den Niederlanden hingegen kennen 44 Prozent der Muslime nordafrikanischer Herkunft und 58 Prozent der türkischen Muslime das Antidiskriminierungsgesetz und ihre Rechte.

 

So ist es wenig wunderlich, dass sich 80 Prozent jener Muslime, die in den vergangenen zwölf Monaten mindestens einmal diskriminiert wurden, nirgends darüber beschwert haben. Oft wissen die Betroffenen zwar um ihre Rechte schweigen aber trotzdem, wenn sie sich ungerecht behandelt fühlen.

 

In Österreich geben zehn Prozent der befragten Türken an, in den vergangenen zwölf Monaten in den diverstesten Lebensbereichen diskriminiert worden zu sein. Das ist deutlich weniger als der EU-Durchschnitt von 24 Prozent. Beim FRA warnt man allerdings vor voreiligen Schlüssen: Die österreichischen Türken seien überwiegend unterdurchschnittlich gut ausgebildet. Diskriminierung als solche wahrzunehmen, setze jedoch ein gewisses Bildungsniveau voraus. Zudem steige die Sensibilität für Diskriminierung mit dem Integrationsgrad der Menschen.

 


 

Aktivitäten des Generalsekretatiats

 

3. Expertengespräch zum Thema Gesundheit und Soziales

Migrationsbeauftragte des Generalsekretariats Mitglied der Expertengruppe

Am 7. Mai traf sich im Rahmen der Arbeiten für den Nationalen Aktionsplan Integration die Expertengruppe zum Thema Gesundheit und Soziales.

 
Die Expertinnen und Experten, darunter auch Dr. Eulamie Esclamada, die Migrationsbeauftragte des Österreichischen Roten Kreuzes, diskutierten die Auswirkungen der  sozio-kulturellen Situation von Menschen auf deren Gesundheitszustand und betonten dabei den engen Zusammenhang der beiden Elemente.

 

Im Falle von Migrant/innen bedarf es einer Differenzierung, denn die unterschiedlichen Gruppen sind durch unterschiedliches Gesundheitsverhalten gekennzeichnet. Grund dafür sind unter anderem das Bildungsniveau und Umfeld. Beispielsweise ist der Gesundheitszustand von Angehörigen der sogenannten zweiten Generation tendenziell schlechter, da diese stärker unter lebensstilbedingten Zivilisationskrankheiten leiden.

 

Die Expertinnen und Experten gingen in ihren Gesprächen auch auf die Bedeutung der entssprechenden Deutschkenntnisse und der Aufklärung für die Gesundheit ein. Damit den Migrantinnen der gleiche Zugang zum Gesundheitssystem zu gewährleistet ist, muss man neben den Sprachkenntnissen auch „health literacy“-Programme, also das Wissen um das Gesundheitssystem fördern, denn in zahlreichen Herkunftsländern von Migrantinnen spielt etwa der Präventionsgedanke keine Rolle.

 

Weitere Auskünfte: Dr. Eulamie Esclamada

 


 

4. Informationstag über die EU-SOLID-Fonds

Innenministerium wird Projekte künftig strenger überwachen

 

Der jährliche Informationstag zu den EU-Solid-Fonds fand heuer am 18. Mai im BMI statt.  Bei den EU- SOLID-Fonds handelt es sich um den Europäischer Flüchtlingsfonds, Europäischer Rückkehrfonds, den Außengrenzenfonds und den Europäischer Integrationsfonds des Generellen Programms  Solidarität und Steuerung der Migrationsströme.

 

Experten des BM.I und des ÖIF berichteten über den aktuellen Stand der Umsetzung und die aktuellen Themen und Schwerpunkte in den einzelnen Fonds. Weiters wurden Hinweise für die Projekteinreichung gegeben und individuelle Fragen dazu beantwortet.

 

Die Zuständigen wiesen darauf hin, dass künftig die Überwachung der Projekte unter strengeren und genaueren Auflagen erfolgen wird. Neue, zielgerichtete Auflagen sollen ebenfalls eine bessere Projektdurchführung gewährleisten.

 

Weitere Auskünfte: Dr. Eulamie Esclamada

 


 

5. Fachtagung „Zuwanderer als Feindbild“
Zweitägiges Symposium beschäftigt sich mit Vorurteilen und Klischees

 

Die Veranstaltung des Sir Peter Ustinov fand in Zusammenarbeit mit der Kommission für Migrations- und Integrationsforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften am 18. und 19. Mai statt.

 

Die zweitägige Fachtagung zur  Erforschung und Bekämpfung von Vorurteilen widmete sich dem Thema „Zuwanderer als Feindbild“. Mit Unterstützung der Kulturabteilung der Stadt Wien MA7/Wissenschafts- und Forschungsförderung, den Wiener Vorlesungen, welche ihren Schwerpunkt im Mai im Bereich Migration hatten und  der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, wurden namhafte Referenten aus den Bereichen Politik, Medien, Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur aus Deutschland, Österreich und Schweiz geladen und zahlreiche Diskussionen geführt.

 

Bei der Podiumsdiskussion zum Thema „Medien und Zivilgesellschaft“ zählte ebenfalls Dr. Werner Kerschbaum, der Stv. Generalsekretär des Österreichischen Roten Kreuzes, ebenfalls zu den geladenen Referenten.
 
Weitere Auskünfte: Deniz Zorlu

 


 

Die nächsten Migration News erhalten Sie im Monat Juli 2009.

 

Die Migration News werden von der Abteilung Recht und Migration des ÖRK herausgegeben und informieren über Rotkreuz-Aktivitäten im Bereich Migration im In- und Ausland, über relevante Entwicklungen auf nationaler, europäischer und internationaler Ebene sowie über aktuelle Veranstaltungen und Kampagnen.

 

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Detailinformationen zu unserer Arbeit finden Sie unter:
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Rückfragen:
Österreichisches Rotes Kreuz
Abteilung für Recht und Migration
Deniz ZORLU
Tel.: ++43/1/58900-184
Fax.: ++43/1/58900-119
deniz.zorlu@roteskreuz.at
http://www.roteskreuz.at

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