Mein Solferino: Rettungssanitäterin M. Kronberger
Berichten Sie uns von Ihrem Schlüsselerlebnis mit der Menschlichkeit und gewinnen Sie das Solferino-Buch des ZEIT-Journalisten Ulrich Ladurner.
Was hat Sie bewegt - als Rettungssanitäter, im Blutspendedienst, als Betreuungskraft, als Katastrophenhelfer oder einfach als Mensch, dem seine Mitmenschen am Herzen liegen.
Berichten Sie von Ihrem persönlichen Solferino - von einem Erlebnis, dass Sie zu einer menschlichen Handlung oder gar zu einer großen Idee inspiriert hat.
Oder schreiben Sie einfach über Ihren Alltag, über Ihre alltäglichen Begegnungen mit der Menschlichkeit.
Oder schicken Sie uns ein Foto von Ihrem bewegendsten Moment!
Ihre Beiträge werden hier auf www.roteskreuz.at veröffentlicht - die bewegendsten zehn mit einem Exemplar des Buches "Solferino - kleine Geschichte eines großen Schauplatzes" von Ulrich Ladurner belohnt.
Bitte mailen Sie Ihren Solferino-Beitrag an die Redaktion.
Maria Kronberger, Rettungssanitäterin aus Bischofshofen, über ihre Eindrücke von den 150 Jahr-Feierlichkeiten in Solferino:
Mein Leben lang werde ich das "Humanitarian village", in dem alle Solferino-Reisenden untergebracht waren, die Begegnungen und Erlebnisse dort, nicht mehr vergessen.
Ich fühle: „Wir sind eine weltumspannende Rotkreuz/ Rothalbmondfamilie, die sich in diesem Camp traf.“ In meiner ganz persönlichen Story bezeichne ich uns alle im folgenden einfach als „Rotkreuz/ Rothalbmond Campmenschen“, kurz „Campmenschen.“
Meine ganz persönliche „Erinnerung an Solferino“
„CAMPMENSCHEN“
-kommen nach Solferino
-schlafen gern in Zelten
-haben große Freude daran, wie viele andere RK/Rothalbmond Campmenschen da sind
-staunen über soviel Vielfalt und doch Einheit in jeder Beziehung
-tauschen RK/ Rothalbmond Souvenirs
-probieren und genießen sonnengereifte Datteln, von einem algerischen Campmenschen angeboten
-freuen sich dass israelische Campmenschen neben amerikanischen und arabischen ausstellen
-lauschen der romantischen Gitarre und den schönen Liedern gesungen von kroatischen Campmenschen
-finden die tiefblauen Uniformen der italienischen Campmenschen schön und elegant
-kriegen einen kleinen australischen Rotkreuzbären geschenkt, den man dort Traumabär nennt
-empfinden die rhythmischen Trommeln afrikanischer Campmenschen nachts als beruhigend, harmonisch und einfach nur schön und meinen zu hören „tutti fratelli—tutti fratelli“
-glauben, dass die Disney Plakate der amerikanischen Campmenschen nicht nur Kinder besonders ansprechen
-fragen sich, ob die Flip Flop eines algerischen Campmenschen aus Ziegenhaar gemacht sind
-denken bei einem „Redcross song“ kenyanischer Campmenschen, dass man daraus einen super deutschsprachigen Rotkreuzsong machen könnte, da die Melodie auch bei uns bekannt ist
-können kaum glauben, dass Campmenschen aus einer weit entfernten Südseeinsel da sind
-empfinden beim Tragen der Fackel beim großen gemeinsamen Umzug „Facciolata“ sicher alle dasselbe
„Tutti fratelli“ und „Es ist das schönste ein Rotkreuz/Rothalbmond Campmensch zu sein“
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Beitrag von Bertram Fötsch:
Schlüsselerlebnis Solferino
Die beeindruckende Menge an Menschen aus allen Ländern zusammen auf einem kleinen Fleckchen Erde. Alle haben ein gemeinsames Ziel: "Menschen zu helfen - Menschlichkeit zu zeigen ohne dabei auf den eigenen Vorteil zu achten".
Beeindruckend zwischen anderen Kulturen zu stehen und freundliche Gesichter Gleichgesinnter zu sehen. Fahnen, Tafeln und Zeichen aus allen Ländern, die gekommen sind um nebeneinader in Frieden ein solches Fest zu feiern.
Welche andere Organisation schafft es, verschiedene Kulturen und Überzeugungen weltweit in einer Idee - einer Aufgabe zusammen zu bringen?
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Beitrag von einem ungenannten Autor
FREUNDE
Als 16jähriger verbrachte ich erstmals den Sommerurlaub in M., einem angenehmen Ort im schönen Österreich. Im Freibad, am Fußballplatz oder bei abendlichen Tanzveranstaltungen war ich bald in die örtliche Jugend integriert und schloss Freundschaften, aus denen später auch Bergkameradschaften wurden.
Ein gewisser Helmut gehörte damals auch zu den „Einheimischen“. Er konnte zwar beim Fußballspiel nicht mittun oder sich an Tanzereien beteiligen, aber er war immer dabei. Besser gesagt, er wurde gebracht, denn Helmut saß im Rollstuhl. Er war immer eher schweigsam, aber wenn Zoten gerissen oder derbe Geschichten die Runde machten, da konnte er schon herzlich mitlachen.
Bald jedoch war mir aufgefallen, dass bei großen Bergtouren zwei ganz bestimmte Burschen niemals gemeinsam teilnahmen. War der Willi dabei, dann fehlte der Xaver oder umgekehrt. Das wäre eigentlich nicht ungewöhnlich gewesen, denn sie hatten am elterlichen Hof oder im Betrieb mitzuarbeiten, dass es jedoch für die Gruppe selbstverständlich war, dass der jeweils andere bei Bergtouren fehlte, fand ich sonderbar.
Eines Tages fasste ich mir ein Herz – als Urlauber wird man auch unter Ju¬gend¬lichen nicht in dörfliche Geschehnisse und Hintergründe eingeweiht – und brachte meine Verwunderung zur Sprache. Unter einem Gipfelkreuz sitzend, wurden mir die Zusammenhänge erläutert.
Helmut, Xaver und Willi, dicke Freunde, waren vor Jahren mit einer Beiwagenmaschine ein wenig zu schnell unterwegs und erlitten einen Unfall. Wer ihn ver¬schuldet hätte, war von keinem der drei jemals in Erfahrung zu bringen, doch Helmut wurde dabei leider so schwer verletzt, dass er seither im Rollstuhl sitzen musste. Sein überstrenger, despotischer Vater weigerte sich aber, „einen Krüppel“ in der Familie zu dulden, verbannte den Bedauernswerten in das entlegenste Zimmer des elterlichen Anwesens und redete seither kein Wort mehr mit ihm.
Xaver und Willi hingegen fassten den Entschluss, den Freund nicht im Stich zu lassen und teilten ab sofort ihre Tage so ein, dass immer einer von beiden bei Helmut war, ihn betreute, ihn überallhin, war es mit dem Rollstuhl auch noch so kompliziert, mitnahm und dafür sorgte, dass Helmut nach wie vor „zur Runde“ gehörte.
Bei Bergtouren war es aber doch unmöglich, Helmut mit seinem, damals noch primitiven Rollstuhl ein Dabeisein zu ermöglichen. Er musste unten bleiben, folglich blieb daher entweder Sepp oder Xaver bei ihm.
Helmut starb Jahre später an Nierenversagen, und ich konnte in Erfahrung bringen, dass Xaver und Willi seine Betreuung bis zum letzten Tag durchgehalten haben. Es hat mich daher nicht gewundert, dass Helmuts Sarg nur von den beiden Freunden zum Grab getragen wurde.
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Beitrag von Petra Irendeli:
VÖLKERVERBINDENDER VÖLKERBALL
"mein sohn kam letzte woche von der schule und hat mir folgendes erzählt.(er geht in die 1. klasse volksschule)
im turnunterricht war völkerball angesagt. 2 kinder sollten ihre mannschaft wählen.
da sagt eines der wählenden kinder: "die samantha nehmen wir nicht, weil die kommt aus china und hat schlitzaugen und gelbe haut. mit sowas spiel ich nicht".
mein sohn war bereits in die mannschaft des "netten" wählers aufgenommen. als er das gehört hat, sagte er zu dem buben. "und du bist blöd und mit dir spiele ICH nicht. vielleicht solltest du daran denken, dass die kinder in china dein aussehen auch seltsam finden. jeder mensch schaut anders aus. deshalb ist er trotzdem ein mensch". die anderen kinder haben das dann mitbekommen und sich allesamt geweigert, in die mannschaft des jungen zu gehören, sodass er am schluss allein war......
als mein sohn mir das erzählt hat, war ich schon ein wenig gerührt. ich bin sehr stolz darauf, meinem sohn die richtigen werte beigebracht zu haben, und wie man sieht, es fruchtet auch!!"
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Beitrag von Martha Wirtenberger
EIN AUSLÖSER FÜR MEINE MOTIVATION
Während des Bosnien-Krieges (1992-1995) war es nicht möglich, Urlaub in dieser Region zu verbringen – und dabei war gerade diese Region jedes Jahr ein fixes Ziel für unsere Familie. Wir wurden dort immer sehr herzlich aufgenommen von engen Freunde der Familie, die zuvor einige Jahre in Österreich gelebt hatten.
Jetzt war der Krieg ausgebrochen … und unsere Freunde waren geflüchtet - nach Österreich, Deutschland und in die Schweiz.
Der Krieg rückte für mich damals sehr nahe, bis in meine eigene Wohnung, denn ich teilte mir die Wohnung in Tirol mit unseren Freunden, die nach Österreich geflüchtet waren. Ich erinnere mich an diese Hilflosigkeit, die Bilder im Fernsehen und das Unverständnis und die Fassungslosigkeit, dass religiöse Unterschiede eine solche Gewalt entfachen können.
Mein Vater beschloss, etwas zu tun. Wir bepackten unser Auto mit alten Fahrrädern, mit Kaffee, Kleidung, Stofftieren und Lebensmitteln sowie Hygieneartikeln. Damals ging ich zur Schule (ich war 15 Jahre alt), aber in den Osterferien konnte ich mit meinem Papa gemeinsam nach Kroatien fahren, um die Güter zu verteilen. Ich erinnere mich nicht sehr gut an die Fahrt, nur daran, dass wir in einem voll beladenen Auto saßen.
Unser Ziel war ein Hotel in Opatija, an der kroatischen Küste. Als wir ankamen, sah ich bereits große LKWs vor dem Hotel stehen, mit den Schriftzügen: “Caritas“ und „Nachbar in Not“ – zu diesem Zeitpunkt Wörter, die mir nicht viel sagten.
Das Hotel kannte ich von einem Urlaub in den Jahren zuvor, jetzt war es ein Flüchtlingslager.
Ich erinnere mich vor allem an die bedrückende Stimmung vor Ort, und an traurige Gesichter – z.B. vor allem die traurigen Frauen haben einen tiefen Eindruck bei mir hinterlassen.
Papa und ich luden alle Sachen aus dem Auto und brachten sie ins Hotel. Vor allem die Hygieneartikel und Lebensmittel wurden sehr dringend gebraucht, und die Frauen waren sehr dankbar dafür.
Es war mir wichtig, zu helfen. Wie gerne hätte ich mit den Menschen gesprochen - aber da ich die Sprache nicht beherrschte, konnte ich mich mit den Frauen nicht austauschen. Niemand war da, der mit den Menschen sprach – es kamen Hilfsgüter ins Hotel, es wurden Menschen vom Hotel (das wie gesagt in ein Flüchtlingslager umfunktioniert war) zu anderen Unterkünften gebracht, aber das Reden/der Austausch fand nicht statt.
Insgesamt waren wir 3 Tage vor Ort, und fuhren dann noch etwas weiter südlich, um bei einem Bekannten die restlichen Utensilien zu lagern (der sie dann verteilte).
Ich glaube rückblickend, dass mich diese Erfahrung sehr darin bestärkt hat, mich für Entwicklungszusammenarbeit - vor allem für den psychosozialen Bereich, zu interessieren - und freue mich immer dann besonders, wenn ich Entwicklung selbst sehen, beobachten und einen Beitrag dazu leisten kann.
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