Family News Nr. 02/08, Juli 2008
Ein Informations-Service des Suchdienstes des Österreichischen Roten Kreuzes (ÖRK)
Inhalt:
I. Suchdienst Österreich:
- Wenn der Suchende zum Gefundenen wird…
- „Die gefrorene Zeit“
- 15. Mai - Internationaler Tag der Familie
II. Suchdienst International:
- UK: Studie über somalische Flüchtlingscommunity
- Sudan/Tschad: Sechs Kinder mit ihren Eltern wieder vereint
- Myanmar: zehntausende Vermisste durch Zyklon Nargis
- China: Erdbebenkatastrophe fordert hunderttausende Opfer
III. Diverses:
- 25. Mai – Internationaler Tag der vermissten Kinder
I. Suchdienst Österreich
Wenn der Suchende zum Gefundenen wird…
1996 erreichte den Suchdienst des ÖRK eine Suchanfrage aus Bosnien-Herzegowina. Herr I. suchte nach seiner Gattin und seinem Sohn, von denen er aufgrund der Kriegsereignisse im ehemaligen Jugoslawien getrennt worden war. Leider blieb diese Suche ergebnislos.
10 Jahre später, im Dezember 2006, wandte sich ein 16-jähriger Junge namens Almedin an den Suchdienst des ÖRK, weil er nach seiner Mutter suchte. Er war mit ihr 1996 aus Sarajevo nach Wien geflohen und wurde von einem Wiener Ehepaar adoptiert, da seine Mutter sich aus gesundheitlichen Gründen nicht um ihn kümmern konnte. Im Mai 2007 telefonierte Almedin das erste Mal mit seiner leiblichen Mutter, die in den Niederlanden ausfindig gemacht werden konnte. Im Laufe der Zeit erfuhr er von ihr seine wahre Geschichte und begann schließlich im Februar 2008 auch nach seinem leiblichen Vater zu suchen. Der Kreis schloss sich und die Person, die 18 Jahre zuvor die Suche nach ihrer Familie initiiert hatte, wurde nun selbst zum Gesuchten, und Gefundenen. Herr I. lebte immer noch unter seiner alten Adresse, die er vor 18 Jahren dem Suchdienst bekannt gegeben hatte.
Herr I. war tief berührt und sehr glücklich darüber, dass ihn sein Sohn nach all den Jahren suchte. Im Sommer wird es wahrscheinlich ein Wiedersehen geben…
„Die gefrorene Zeit“
2005 führten speziell geschulte MitarbeiterInnen einiger Rotkreuz-Landesverbände in verschiedenen Bundesländern Ante Mortem Daten (AMD)-Interviews mit Personen durch, die nach wie vor Angehörige aus den Balkankriegen vermissen.
Die Schriftstellerin Anna Kim interessierte sich generell für diese Thematik, war bei einigen Interviews dabei und bereiste die Herkunftsländer der Betroffenen, um auch vor Ort zu recherchieren.
Ihr Buch "Die gefrorene Zeit", in dem sie sich mit dem Thema auseinandersetzt, wird im September 2008 erscheinen. Ein Auszug aus ihrem Werk erschien Ende April in der Tageszeitung Die Presse. Leseprobe unter: http://diepresse.com/home/spectrum/literatur/379729/index.do
Informationen über das Rotkreuz-Projekt „Der Balkan weint noch immer“:
http://www.roteskreuz.at/suchdienst/suchdienst-im-detail/ante-mortem-daten/
Internationaler Tag der Familie
Am 15. Mai .2008, dem „Internationalen Tag der Familie“, luden der Suchdienst des ÖRK und der Diakonie Flüchtlingsdienst im Zuge des Gemeinschaftsprojektes Elongó zum „Fest der Familien“ ins Schikaneder. Mit diesem Projekt soll Flüchtlingsfamilien, denen im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten ein gemeinsames Leben in Österreich ermöglicht wird, bei Bedarf ein freiwilliger Buddy zur Seite gestellt, der bei den ersten Schritten in Österreich unterstützen und die Integration erleichtern soll.
Gezeigt wurden vier Kurzfilme mit Familienportraits aus verschiedenen Ländern. Danach feierten die Gäste noch zur Musik von DJ Luis Figueroa (The Loud Minority).
II. Suchdienst International
UK: Studie über somalische Flüchtlingscomunity
Da sich für den Suchdienst des Britischen Roten Kreuzes der Zugang zur somalischen Community in England sehr schwer gestaltete, wurde Ende 2007 eine Studie in Auftrag gegeben, in deren Rahmen 120 Somalis befragt wurden. Die Studie ergab, dass lediglich 8% der Befragten den Suchdienst kannten. Viele waren der Englischen Sprache nicht mächtig und konnten weder lesen noch schreiben, weshalb sie Informationen v.a. dem Radio und spezifischen Fernsehsendungen entnehmen. Sie vertrauen insbesondere in die Moschee, den Imam und in
Organisationen der somalischen Community.
52% der Befragten haben den Kontakt zu ihren Angehörigen verloren. Die Mehrheit davon bevorzugt Freundschafts- und Familiennetzwerke bzw. Clanstrukturen, um Familienmitglieder wieder zu finden. Alle, die über den Verbleib ihrer Verwandten Bescheid wussten, gaben an, dass sich die Aufrechterhaltung des Kontaktes als
überaus schwierig erweist. V.a. Frauen und jüngere Befragte standen alternativen Quellen zur Suche nach Familienangehörigen – etwa dem Suchdienst - eher aufgeschlossen gegenüber.
Sudan/Tschad: Sechs Kinder mit ihren Eltern wieder vereint
Aufgrund der Konflikte im Sudan und im Tschad werden immer wieder Kinder von ihren Angehörigen getrennt. Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) ist bemüht unbegleitete Kinder zu registrieren und, wenn möglich, den Kontakt zu ihren Familien herzustellen.
So wurden erst im April 2008 sechs sudanesische Kinder, die sich unbegleitet im Tschad aufhielten, mit ihren Familien wiedervereint. Ein IKRK-Flugzeug brachte sie von Abeche (Tschad) nach Junainah (Sudan), wo die Eltern bereits auf sie warteten.
Quelle: ICRC News Release No. 08/63
Myanmar: zehntausende Vermisste durch Zyklon Nargis
Am 03. Mai 2008 verwüstete der Zyklon Nargis die südliche Küstenregion Myanmars und die Hauptstadt Yangoon. Der Großteil der Häuser an der südlichen Küste wurde zerstört, 56.000 Personen gelten als vermisst, 78.000 Todesopfer wurden gezählt. Die ohnehin bereits sehr beschränkten Kommunikationsmöglichkeiten in der Region wurden vollständig zerstört.
Die IKRK-Delegation in Yangoon verfügt über ein erfahrenes Suchdienst Team, das versuchte, die ersten Bedürfnisse der Familien zu erheben. In erster Linie wurden „safe and well“ - Nachrichten von den Überlenden gesammelt, die als erstes Lebenszeichen an Familienangehörige übermittelt werden können.
Ein IKRK Forensiker wird die Behörden bei der korrekten Handhabung der sterblichen Überreste unterstützen.
Das IKRK in Myanmar ist seit 1986 primär im Bereich der Rehabilitation von Minenopfern tätig und unterstützt die Nationale Rotkreuz-Gesellschaft beim Aufbau von Strukturen. Weiters war es mit Gefangenenbesuchen und Besuchen von Arbeitslagern betraut, was aber 2006 von den lokalen Behörden untersagt wurde.
Quelle: letztes ICRC update vom 05.06.2008
China: Erdbebenkatastrophe fordert hunderttausende Opfer
Am 12.. Mai 2008 erschütterte ein schweres Erdbeben die chinesische Provinz Sichuan. Es wurden über 50.000 Tote gezählt, 100.000de Menschen verloren ihr Zuhause. Die massiven Zerstörungen erschwerten die ersten Hilfsmaßnahmen enorm. Dennoch versorgte das Chinesische Rote Kreuz mit internationaler Unterstützung die betroffene Region mit Hilfsgütern und schickte mobile Rotkreuz-Kliniken ins Katastrophengebiet.
Nachdem viele ArbeiterInnen in China aus der Region Sichuan stammen und sich große Sorgen um das Schicksal ihrer dort lebenden Angehörigen machten, wurden erste Kommunikationsmöglichkeiten, primär über Sattelitentelefone und Rotkreuz-Nachrichten, geschaffen, um den Kontakt zwischen den Angehörigen wieder herzustellen.
Quelle: letztes ICRC update vom 20.05..2008
III. Diverses
25. Mai – Internationaler Tag der vermissten Kinder
Seit über 20 Jahren wird weltweit am 25. Mai der vermissten Kinder gedacht. Ziel ist es, die Bevölkerung zu informieren, ein Zeichen der Solidarität mit betroffenen Eltern zu setzen, Präventionsstrategien zu identifizieren und die Zusammenarbeit mit allen in solchen Fällen involvierten Stellen zu stärken.
Die "Europäische Vereinigung für vermisste und sexuell missbrauchte Kinder" (www.childfocus.org), bestehend aus zahlreichen europäische Kinderhilfsorganisationen und Kinderhotlines, bietet Eltern, die nach ihren Kinder suchen, eine adäquate Plattform. In Österreich können sich Betroffene unter der Telefonnummer 147 an „Rat auf Draht“ wenden.
Die nächsten Family News erhalten Sie Anfang Oktober 2008
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Detailinformationen zu unserer Arbeit finden Sie unter: http://suchdienst.roteskreuz.at
Rückfragen:
Österreichisches Rotes Kreuz
Internationale Beziehungen und Suchdienst
Tel.: +43/1/58900-125
Fax.: +43/1/58900-349
E-Mail: tracing@roteskreuz.at
