01.10.2009

Family News Nr. 03/09, September 2009

Ein Informations-Service des Suchdienstes des Österreichischen Roten Kreuzes (ÖRK)

Inhalt:

 

I. Suchdienst Österreich

  • Internationaler Tag der Verschwundenen medial präsent
  • Konferenz „Mental health care for asylum seekers in the EU“
  • IKRK-Training Hanni
  • Mitarbeiter-Treffen „Kompetenzzentrum Familienzusammenführung / Elongó“
  • Kontakt zur Familie in Afghanistan wiederhergestellt
  • Halbschwester gefunden

 

II. Suchdienst International:

  • Internationaler Tag der Verschwundenen: Gedenken im Kaukasus
  • IKRK ermöglicht Guantanamo-Häftlingen den Kontakt mit ihren Familien mittels Video-Telefonie
  • Peru: Hoffnung auf Identifizierung nach 25 Jahren
  • Korea: Familien aus Nord- und Südkorea: Nach 2 Jahren wieder Kontakt
  • Nepal: Studie zu Bedürfnissen von Familien vermisster Personen

 



I. Suchdienst Österreich


Internationaler Tag der Verschwundenen medial präsent

Am 30. August war der Internationale Tag der Verschwundenen – ein jährlicher Gedenktag, der das Schicksal von Menschen ins Gedächtnis rufen soll, deren Aufenthaltsort ihren Familienangehörigen nicht bekannt ist. Erfreulicherweise zeigte die Öffentlichkeitsarbeit des ÖRK Wirkung, sodass zahlreiche Medien (etwa ORF-Radio und Tiroler Tageszeitung) über den Internationalen Tag der Verschwundenen berichteten. Der Tag soll in erster Linie verdeutlichen, wie schwierig und unmenschlich es ist, nicht zu wissen, wo sich Familienmitglieder, die beispielsweise verschleppt wurden, aufhalten oder ob sie überhaupt noch leben. Das strich auch Johanna Goldmann, Leiterin des Suchdienstes, in einem Radio-Interview für Ö1 deutlich hervor: „Viele Betroffene erzählen, dass sie sich fühlen, als wäre ihr Leben im Moment des Verschwindens des Angehörigen eingefroren. Das schildern vor allem Frauen - etwa aus Bosnien, dass sie das Gefühl haben, ihr Leben gehe seit dem Zeitpunkt des Verschwindens ihres Mannes oder ihrer Söhne nicht mehr weiter.“

 



Konferenz „Mental Health Care for Asylum Seekers in the EU“

Eine hochkarätig besetzte, von MitarbeiterInnen des ÖRK organisierte Konferenz zum Thema „Mental Health Care for Asylum Seekers in the European Union – addressing the needs of specifically vulnerable groups” fand Anfang Juli in Wien statt. Die Konferenz ist Teil des gleichnamigen Projekts, das vom ÖRK in Kooperation mit Partnern aus Frankreich, Bulgarien, Belgien, UK und dem EU-Büro des Roten Kreuzes durchgeführt wurde. Die drei Konferenz-Tage boten zahlreiche Vorträge, Diskussionen und Workshops, die die Zielgruppen “Familien von vermissten Personen”, “Alte und gebrechliche Menschen” sowie “Überlebende von Folter” behandelten. Im Rahmen der Vorträge und Workshops wurden Service-Einrichtungen für diese Zielgruppen in den verschiedenen Ländern erörtert und darüber diskutiert. Einen wichtigen Punkt stellte das Kennenlernen der KonferenzteilnehmerInnen untereinander und der gegenseitige Wissensaustausch dar. Um diese Vernetzung zu forcieren, wurde ein Suchdienst-Spiel entworfen, bei dem auf einer Landkarte die Fotos sämtlicher Teilnehmer samt deren Herkunftsland und beruflichem Hintergrund angebracht wurden (siehe Foto). Wollten die KonferenzteilnehmerInnen mit einem KollegInnen in Kontakt treten, konnten sie beim Suchdienst-Stand eine Rotkreuz-Nachricht an die betreffende Person abgeben und sich so einen Treffpunkt ausmachen. Das Angebot wurde vom Großteil der KonferenzteilnehmerInnen genutzt.
Insgesamt nahmen an der Konferenz 78 Personen, aus 24 EU-Ländern teil. Auf Basis der Konferenz-Ergebnisse werden nun von den ProjektmitarbeiterInnen Empfehlungen, wie das Wohlbefinden der Zielgruppen verbessert werden kann, erarbeitet.

 



Ausbildung zum Suchdienst Spezialisten für den Einsatz in Katastrophen

Im Zuge von Katastrophen werden meist auch Familienmitglieder voneinander getrennt. Oft liegt der Fokus der Hilfskräfte in der ersten Phase auf dem Erhalt der notwendigen Grundbedürfnisse, wie der Bereitstellung von Wasser, Nahrung und Unterkunft. Der Tatsache, dass das Wissen um das Schicksal der Lieben ebenfalls eine enorme Erleichterung in den ersten Tagen einer Katastrophe für die Betroffenen darstellt, trägt die Rot-Kreuz Bewegung nun Rechnung. Ein Spezialisten Pool von 60 Personen wird in den nächsten Monaten vom IKRK ausgebildet werden, um bei Bedarf im Rahmen von internationalen Katastrophen in den Einsatz zu gehen. Im Juni wurden bereits 15 Suchdienstmitarbeiter und IKRK Delegierte in Genf ausgebildet, darunter auch die Leiterin des österreichischen Suchdienst, Johanna Goldmann. Im November findet das nächste Training in Kenia statt, an dem Johannes Guger, Leiter des Bereiches Außenbeziehungen, teilnehmen wird.

 



Kontakt zur Familie in Afghanistan wieder hergestellt

Im April dieses Jahres erhielt der Suchdienst des ÖRK von Mohammed Z. einen Suchantrag. Er suchte nach seiner Frau und seinen drei Kindern. Mohammed Z. ist afghanischer Asylwerber, der in einer Flüchtlingsunterkunft in Tirol untergebracht ist. Im Februar floh er aus seiner Heimat in der Region Paktja, wo er von den Taliban verfolgt wurde. Seine Familie musste er in seinem Dorf bei seinen Eltern zurücklassen. Dorthin hatte er seit seiner Flucht keinen Kontakt, weshalb er sich an den Suchdienst des ÖRK wandte. Nach einer langen Zeit des Wartens kam Anfang September die erfreuliche Nachricht aus Kabul: Das IKRK hat seine Frau und die Kinder ausfindig gemacht, sie leben nun in einem anderen Dorf. Seine Frau schrieb ihm in einer Rotkreuz-Nachricht, dass es ihr und den Kindern gut gehe, sie schickte auch Fotos. Sollte das Asylverfahren von Mohammed Z. positiv enden, könnte er im Rahmen der Familienzusammenführung seine Familie nach Österreich nachholen.



Halbschwester gefunden

Zu einem positiven Ende gelangte der Fall der Salzburgerin Monika S., die den Suchdienst des ÖRK bei der Suche nach ihrer Halbschwester um Unterstützung bat, da ihre eigenen Bemühungen sie zu finden bisher erfolglos waren. Die gesuchte Schwester kam kurz nach ihrer Geburt zu einer Pflegefamilie, nachdem der Mutter die Vormundschaft entzogen worden war. Monika S. wurde drei Jahre danach geboren.
Die Mutter der beiden ist schon vor längerer Zeit verstorben. Sie lebte in der Region Salzburg, laut einer Vermutung der Antragstellerin könnte die Gesuchte in der Stadt Salzburg leben. Deshalb fragte das Team des Suchdienstes beim Standesamt der Stadt Salzburg an, ob die gesuchte Schwester in deren Datenbank vermerkt ist. Tatsächlich konnte auf diesem Weg die gesuchte Halbschwester von Monika S. ausgeforscht werden. „Ich bedanke mich beim Suchdienst-Team für die Hilfe bei der Suche, ich bin schon sehr aufgeregt, meine Halbschwester endlich kennenzulernen“, freute sich Monika S.



II. Suchdienst International


Internationaler Tag der Verschwundenen: Gedenken im Kaukasus

Anlässlich des Internationalen Tages der Verschwundenen versammelten sich in fünf aserbaidschanischen Städten die Angehörigen von Personen, die seit dem Konflikt in Berg-Karabach verschwunden sind. 15 Jahre nachdem das Waffenstillstandsabkommen unterschrieben wurde, ist das Schicksal von 4.500 Verschwundenen nach wie vor ungeklärt. Das IKRK, die aserbaidschanische nationale Rotkreuz-Gesellschaft und weitere lokale Organisationen regten zu dem Treffen an, um gemeinsam den Verschwundenen zu gedenken. Um zu zeigen, dass jede dieser verschwundenen Personen ein individuelles Leben, Familie, Beruf und Hobbies hatte, wurden die Angehörigen gebeten, einen Gegenstand mitzubringen, den sie mit der verschwundenen Person assoziieren. Ebenso anlässlich des Internationalen Tages der Verschwundenen wurde Ende August in Grosny, der Hauptstadt Tschetscheniens, eine vom IKRK organisierte Foto-Ausstellung eröffnet, die sich mit der Problematik verschwundener Personen auseinandersetzt. Die Ausstellung soll ins Gedächtnis rufen, dass im Nordkaukasus Tausende mit der Last leben müssen, nichts über das Schicksal ihrer verschwundenen Angehörigen zu wissen.
Quelle: ICRC - News release 09/168

 



IKRK ermöglicht Guantanamo-Häftlingen den Kontakt mit ihren Familien mittels Video-Telefonie

Dank eines humanitären Programms, das vom IKRK und dem US-amerikanischen Militär initiiert wurde, konnten Mitte September 2009 Häftlinge des berüchtigten US-Gefangenenlagers Guantanamo erstmals mittels einer Video-Konferenz mit ihren Familien telefonieren. Jedes Telefonat darf eine Stunde dauern und ist beschränkt auf Familienmitglieder.
Das IKRK besucht seit April 2002 regelmäßig Guantanamo und hilft den Inhaftierten, mit ihren Familien Kontakt zu halten. So wurden seit 2002 nicht weniger als 49.153 Rotkreuz-Nachrichten ausgetauscht. Seit April 2008 besteht, dank eines vom IKRK mitgetragenen Programms, die Möglichkeit, dass Häftlinge einige Male pro Jahr mit ihren Familien telefonieren. Nun wurde durch die Video-Verbindung die Kommunikationsmöglichkeit zwischen den Gefangenen und deren Familien weiter verbessert. „Eine ähnliche Möglichkeit der Video-Telefonie gibt es bereits seit 2008 in Bagram, Afghanistan. Obwohl die Video-Verbindung selbstverständlich persönliche Besuche nicht ersetzen kann, ist sie eine neue Form der Kommunikation zwischen Häftlingen und ihren Familien“, erklärt Jens-Martin Mehler, der für Guantanamo verantwortliche IKRK-Delegierte.
Quelle:: ICRC News Release No. 09/188



Peru: Hoffnung auf Identifizierung nach 25 Jahren

Der Guerrilla-Krieg in Peru während der 1980er Jahre forderte zahlreiche Todesopfer und ließ zahlreiche Familien Verschleppter zurück, die fortan damit leben mussten, nichts über das Schicksal ihrer Angehörigen zu wissen. Viele dieser Angehörigen verschwanden in einem der zahlreichen Massengräber. Ein solches Massengrab mit 50 Opfern des Konflikts wurde im Dorf Pucayacu gefunden. Die Exhumierungen ließen die Angehörigen von 61 Personen, die im Jahr 1984 in diesem Dorf verschwunden waren hoffen, über das Schicksal ihrer vermissten Familienmitglieder Näheres zu erfahren. Mittels DNA-Analysen werden die gefundenen Körper identifiziert. „Als sie meinen Vater holten, war ich mit meinen Brüdern und meiner Mutter alleine. Meine Mutter lebte zwar, aber seitdem mein Vater verschwunden war ging es ihr schlecht, sie kam nie darüber hinweg. Daher bin ich nun hier, um den Körper meines Vaters zu finden und ihn dann begraben zu können“, sagt eine der Betroffenen.
Quelle: http://www.icrc.org/web/eng/siteeng0.nsf/html/peru-feature-250309




Korea: Familien in Nord- und Südkorea: Nach 2 Jahren wieder Kontakt

Der politische Stillstand der vergangenen zwei Jahre zwischen Nord- und Südkorea wirkte sich auch auf ein von den Rotkreuz-Gesellschaften der beiden Länder mitgetragenes Programm für Familienzusammenführungen aus. Im Rahmen dieses Programms war es Personen auf beiden Seiten der Grenze gestattet, ihre Familien, von denen sie seit Jahrzehnten getrennt leben, für kurze Zeit zu treffen. Aufgrund der Spannungen zwischen der Regierung in Seoul und dem kommunistischen Regime in Pjöngjang gab es seit zwei Jahren keine solchen Familientreffen. Nach langwierigen Gesprächen zwischen nordkoreanischen und südkoreanischen Vertretern der Rotkreuz-Gesellschaften, ist nun eine Wiederannäherung erkennbar.
Wie schon bei früheren Treffen sollen auch künftig wieder jeweils 100 Menschen ihre Angehörigen aus dem jeweils anderen Staat beim Kumgang-Gebirge an der nordkoreanischen Ostküste sehen dürfen. Das nächste solche Treffen ist für Anfang Oktober geplant.
Quelle: ORF



Nepal: Studie zu Bedürfnissen von Familien vermisster Personen

Von 1996 bis 2006 herrschte in Nepal ein bewaffneter Konflikt im Zuge dessen viele Menschen spurlos verschwanden und seither von ihren Angehörigen vermisst werden. Etwa 15.000 Personen starben in dem Konflikt zwischen maoistischen Rebellen und Regierungstruppen, 1.300 gelten als vermisst. Die meisten dieser Personen verschwanden nachdem sie von nepalesischen Sicherheitskräften verhaftet worden waren. Bislang wurde auf die Situation und Probleme der Angehörigen von vermissten Personen, deren Leben geprägt ist von Hoffnung auf ein Lebenszeichen der verschwundenen Person, kaum eingegangen. Diese Tatsache nahm das IKRK zum Anlass, eine umfassende Studie zu den Bedürfnissen von nepalesischen Familien, die jemand vermissen, durchzuführen. Die Studie wurde Ende Juni unter dem Titel „Families of missing persons in Nepal: a study of their needs“ veröffentlicht. Sie zeigt, dass die Bedürfnisse sehr vielschichtig sind, abhängig von familiären Umständen, Bildung und ökonomischer Situation. Dennoch zeigte sich, dass für den Großteil der befragten Personen enorm wichtig ist, finanzielle Unterstützung zu bekommen. Angesichts der Tatsache, dass häufig die Vermissten auch die Brotverdiener innerhalb der Familie waren, eine naheliegende Forderung. Es manifestierte sich weiters, dass die meisten Familien nicht daran glauben, dass ihre verschwundenen Familienmitglieder tot sein könnten, für sie gibt es darüber erst Gewissheit, wenn sie den toten Körper der vermissten Person sehen. Das IKRK ortete in der Studie außerdem fehlende psychologische Unterstützung für die Familien, die mit der Ungewissheit über das Schicksal ihrer Angehörigen leben müssen.
Quelle: http://www.icrc.org/Web/Eng/siteeng0.nsf/html/nepal-missing-persons-report-300609



 
Die nächsten Family News erhalten Sie im Dezember 2009
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Detailinformationen zu unserer Arbeit finden Sie unter: http://suchdienst.roteskreuz.at

Rückfragen:

Österreichisches Rotes Kreuz
Internationale Beziehungen und Suchdienst
Tel.: +43/1/58900-125
Fax.: +43/1/58900-349
E-Mail: tracing@roteskreuz.at

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