31.01.2010

Haiti: Familienangehörige zusammen bringen

Katastrophenhilfe mit viel Gefühl: Das Rote Kreuz stellt den Kontakt zwischen Familienangehörigen her.

„Family link“ – also „Familien verbinden“ – heißt die Website, die das IKRK,  das Internationale Komitee vom Roten Kreuz, eingerichtet hat. Bis heute haben sich 25.200 Menschen dort registriert, Auslands-Haitianer, die auf ein Lebenszeichen ihrer Lieben in Haiti hoffen, ebenso wie in Haiti lebende, die sich im Chaos nach dem Beben aus den Augen verloren haben. Etwa 2.800 davon können aufatmen – sie haben Antwort, ein Lebenszeichen erhalten.

 

In Österreich leben 52 Menschen mit Geburtsort Haiti. In der Schweiz sind es etwa 500. Nicht zu wissen, ob der Bruder, die Schwerster, Eltern, Nichten, Neffen, Tanten und Onkeln noch am Leben sind, ist beinahe unerträglich. Über Satelliten-Telefone des Roten Kreuzes können Überlebende des Bebens in Haiti ihre Verwandten in Kanada, den USA, Europa oder Asien anrufen.
Es sind sehr berührende Szenen, die man erlebt: eine zarte Frau mittleren Alters, die alles verloren hat, ihren Mann, ihr Heim, all ihr Hab und Gut, ist zu uns gekommen und hat aus einem Plastiksackerl einen Zettel gezogen, ihn vorsichtig, beinahe ehrfürchtig glattgestrichen: die Telefonnummer ihres Sohnes stand darauf. Die Angst, dass er vielleicht nicht abheben könnte, war ihr anzusehen. Das Gespräch hat nur zwei Minuten gedauert, aber die Erleichterung, die ein solches Gespräch für beide bringt, kann man nicht beschreiben“, berichtet der Rotkreuz-Mitarbeiter Hannes Guger aus Haiti. Der gebürtige Burgenländer ist Suchdienst-Experte im Österreichischen Roten Kreuz. Seit 14 Tagen ist er in Haiti und hilft, den Kontakt von Familienangehörigen wiederherzustellen.

 

Besondere Priorität haben Kinder: Mädchen und Buben, die allein auf den Straßen unterwegs sind, werden von Rotkreuz-Mitarbeitern in ihre Obhut genommen. Gemeinsam mit anderen Organisationen wie UNICEF sucht man provisorische Unterkünfte und aktiviert das gesamte Netzwerk, um Eltern, Verwandte oder Nachbarn der Kinder ausfindig zu machen.

 

Rotkreuz-Mitarbeiter gehen durch Spitäler, Lager und die Straßen und registrieren die Überlebenden namentlich. Außerdem nehmen Rotkreuz-Posten Registrierungen entgegen. Wichtig sind Informationen wie alter, Herkunft oder der letzte Wohnort. Die gesammelten Informationen vergleichen wir mit Suchanzeigen aus Haiti und dem Ausland. Außerdem sind in der ganzen Stadt Rotkreuz-Teams mit Satellitentelefonen unterwegs. Unmittelbar nach der Katastrophe waren die Satellitentelefone die einzige Möglichkeit, mit Angehörigen in Kontakt zu treten“, schildert Guger seine Arbeit.

 

Bereits nach dem Hurrikan Katrina im August 2005, nach dem verheerenden Tsunami Ende Dezember 2004 in Südostasien oder dem Krieg im Irak 2003, sowie vielen anderen Katastrophen und bewaffneten Konflikten konnte das IKRK für viele tausend Menschen den Kontakt zu Familie und Freunden über die „family link“-Website wieder herstellen.

 

Allgemeine Information  auf der IKRK Website:
http://www.icrc.org/web/doc/siterfl0.nsf/htmlall/familylinks-haiti-eng

Verlinkung direkt zur Liste der Namen auf der Website des IKRK: http://www.familylinks.icrc.org/wfl/wfl_hti.nsf/bottin!openview&lang=eng&start=157

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