27.07.2010

Trophäe der Menschlichkeit

Die Blutspende ist ein positives Erlebnis, das Leben rettet und die eigene Gesundheit fördert.

Rotkreuz-Zeitung Coverseite

Der Fernsehmoderator Wolfram Pirchner trägt ihn auf Plakaten, Ex-Torjäger Toni Polster bekommt ihn regelmäßig angelegt, und die Sängerin und Schauspielerin Tini Kainrath krempelt für ihn die Ärmel hoch: Der Verband des erfolgreichen Blutspenders ist eine Trophäe der Menschlichkeit. Zum stolzen Kreis der Blutspender kann jeder gesunde erwachsene Mensch gehören – es gibt keine Altersbeschränkung nach oben.

Blutspender können sich als Lebensretter fühlen. Andi Jannach zum Beispiel würde ohne Blutkonserven heute nicht mehr leben. Der 52-jährige Angestellte stürzte aus sechs Metern Höhe auf eine Betonplatte. Rippenbrüche und schwerste innere Verletzungen waren die Folge. Der Kärntner benötigte unzählige Blut­konserven. „Ich bin seit über 20 Jahren Blutspender, aber nach meinem Unfall wurde mir so richtig bewusst, wie wichtig ein funktionierendes Blutspendewesen ist“, sagt er.

Kritische Zeit

500.000 Blutkonserven werden jedes Jahr in Österreichs Spitälern gebraucht – das entspricht einer Konserve pro Minute. 90 Prozent der Konserven werden von den Rotkreuz-Blutspendediensten in ganz Österreich abgenommen. Der Löwenanteil der Konserven, 84 Prozent, wird bei Operationen und Erkrankungen eingesetzt, die auch viele ältere Menschen betreffen. Kaum ein orthopädischer Eingriff an Gelenken, eine Herz- oder Krebsoperation, die ohne Blutkonserve auskommt. Rund zwölf Prozent der Blutkonserven werden nach Unfällen gebraucht. Vier Prozent kommen bei Geburten zum Einsatz.

 

Die Sommermonate sind eine kritische Zeit für die Blutversorgung. Viele Blutspender sind auf Urlaub, aber gerade während der Ferienzeit kommt es vermehrt zu Unfällen auf Österreichs Straßen, und der Blutbedarf steigt. „Wir können nur bedingt auf Vorrat produzieren“, erklärt Eva Menichetti, die ärztliche Leiterin der Blutspendezentrale für Wien, Niederösterreich und Burgenland. „Eine Blutkonserve ist 42 Tage haltbar – damit kommen wir nicht über den Sommer.“  Auf künstlich hergestelltes Blut auszuweichen ist bei Engpässen nicht möglich, das gibt es nämlich nicht. „Blutspenden sind nicht ersetzbar“, erklärt Dr. Menichetti.
Dennoch spenden leider nur 3,6 Prozent aller Österreicher ihr Blut. In Wien sind es sogar nur zwei Prozent. Deshalb ist die Blutspendezentrale in Wien bemüht, mit neuen Ideen wie dem Projekt Youngblood zum Beispiel junge Menschen zum Blutspenden zu motivieren.

Eigennutzen

Dabei hat das Blutspenden beim Roten Kreuz dem Spender einiges zu bieten: das gute Gefühl, einem anderen Menschen geholfen zu haben, sichere Blutprodukte, einen Gesundheitscheck und vor allem das positive Erlebnis Blutspende. Die Sicherheit ist dem Roten Kreuz besonders wichtig und steht in direktem Zusammenhang mit der freiwilligen, unbezahlten Blutspende. „Internationale Vergleiche belegen, dass das Blut unbezahlter Spender sicherer ist“, so Eva Menichetti. „Besonders in ärmeren Ländern besteht die Gefahr, dass eine bezahlte Blutspende als Einkommensquelle genutzt wird. Nicht ganz richtige Angaben zum eigenen Gesundheitszustand sind eine Folge davon.“  

 

Beim Österreichischen Roten Kreuz durchläuft das gespendete Blut viele Tests, die verhindern, dass mit Krankheitsviren kontaminiertes Blut in Umlauf gerät und Menschen gefährdet. Gleichzeitig vermittelt die genaue Untersuchung seines Blutes dem Spender ein Bild von der eigenen Gesundheit. Kostenlos erhält er Informationen über Blutgruppe und Hämoglobinwert, Blutfaktoren, Erreger von Aids, Hepatitis und Syphilis.

 

Und nicht zuletzt soll das Blutspenden in freundlicher und angenehmer Atmosphäre Spaß machen. Aktionen wie Prominenten-Blutspenden, Gewinnspiele und Blutspenderehrungen machen den „Aderlass“ zu einem gesellschaftlichen Ereignis. „Bei uns ist der Blutspender König!“, sagt die Blutspendewerberin Maria Kral-Glanzer. 

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