Pakistan: 1000 Kilometer Verwüstung
Das Wasser geht langsam zurück, die Verzweiflung und die Zerstörung bleiben. Ein Bericht des Rotkreuz-Mitarbeiters Patrick Fuller aus dem Norden Pakistans.
Über 1.000 Kilometer ist die Spur der Verwüstung lang, die sich durch Pakistan zieht. Über 12 Millionen Menschen sind von den Überflutungen betroffen.
Die Stadt Nowshera liegt in einer der am schlimmsten heimgesuchten Provinzen im Nordwesten des Landes. Jamroz Khan und seine zwei Söhne versuchen nach dem Rückzug des Wassers aus dem stinkenden Matsch noch irgendwelche brauchbaren Gegenstände zu ziehen. Jamroz hatte Glück, dass er sein Leben retten konnte.
"Ich floh, als das Wasser hüfthoch war, aber es stieg so schnell, dass auch die Polizeiboote, die Menschen evakuierten, nicht mehr gegen die Strömung ankamen", sagt er. Sein Sohn Ali hatte weniger Glück. Er musste auf dem Hausdach zwei Tage lang auf Hilfe warten.
Eine ähnliche Geschichte wie Jamroz können fast 450.000 Familien in Nowshera erzählen. Fast alle Häuser sind zerstört oder unbewohnbar, Getreide und Nahrungsmittelvorräte unbrauchbar. "Das war unsere Lebensgrundlage, auch meine Felder sind zerstört, alle Ersparnisse sind weg."
In der Nähe verteilt der Pakistanische Rote Halbmond Lebensmittel. Jamroz erhält eine Monatsration an Weizen, Öl, Linsen und Salz. Die Verteilung wird penibel kontrolliert. Die Menschen werden einzeln aufgerufen und registriert.
"Die Menschen hier sind verzweifelt - das ist die erste Hilfe, die sie bekommen. Wir müssen vorsichtig sein, um alles unter Kontrolle zu halten", erklärt Syed Ali Hassan vom Roten Halbmond.
Auch die Hilfsorganisation steht vor großen Herausforderungen, denn auch die Lagerhäuser des Roten Halbomondes wurden von den Fluten überrollt. Tausende Zelte, Decken und Küchensets stehen unter Wasser.
In den Überresten eines Hauses haben Dr. Rafiullah vom Roten Halbmond und seine acht Kollegen ein mobiles medizinisches Camp errichtet. Der Strom der Patienten reißt nicht ab. Die meisten leiden unter Hautinfektionen, Bronchitis oder Durchfall.
"Über die Hälfte der Fälle haben Hautinfektionen", erklärt Dr. Rafiullah. "Wir arbeiten hier seit einer Woche, täglich kommen zwischen 100 und 200 Patienten. Heute musste wieder ein Dorf evakuiert werden. Überall hier das selbe Bild: die Bedürnisse sind enorm."
Auf dem Weg Richtung Süden reiht sich Ruinendorf an Ruinendorf. Nach dem Rückzug der Fluten hat heftiger Regen tausende Menschen betroffen, die in provisorischen Unterkünften nur notdürftig geschützt waren. Tagsüber suchen die Menschen in den Überresten ihrer Häuser nach Brauchbaren, Kaufleute reinigen vorsichtig jede Flasche Shampoo oder Fanta, die sie aus dem Schlamm retten können. Der Geruch nach Abfall ist überwältigend.
Das Österreichische Rote Kreuz bittet um Spenden:
PSK: 2.345.000, BLZ 60.000
Kennwort: Überflutungen Asien
Online spenden unter: spende.roteskreuz.at
Spenden SMS 0664 660 0020
Weitere Themen
- Pakistan: Facebook-Aktion soll Aufmerksamkeit generieren
- Pakistan: Weitere Hilfsgüter des Österreichischen Roten Kreuzes werden verteilt
- Pakistan: Fluten bedrohen das ganze Land
- Pakistan: Fotos der Hilfe
- Podcast: Österreichischer Rotkreuz-Delegierter in Pakistan
- Pakistan: Schon mehr als zwei Millionen Menschen betroffen
- Pakistan: Die schlimmsten Überflutungen seit 1929
- Pakistan: Ganze Dörfer von den Fluten weggespült
- Fotogalerie Überschwemmungen in Pakistan
- Überflutungen in Pakistan: Hunderte Tote und über eine Million Betroffene
Linkliste
Übersicht zur Hilfe in Pakistan
SMS-Spende: 0664 660 0020

