Japan: Das Glück des Neubeginns
Freiwillige Rotkreuz-Helfer begleiten Familien, die durch den Tsunami in Japan alles verloren haben, von den Notunterkünften in Übergangshäuser.
Toshie Nakajo, 60, wischt sich die Tränen aus den Augen. Sie hat gerade die Schlüssel zu ihrem neuen Zuhause bekommen. Es steht auf dem Sportplatz von Asahi, einer Stadt in der Präfektur Chiba an der Ostküste Japans und ist eines von rund 72.000 Fertighäusern, die die japanische Regierung für die Tsunami-Opfer baut.
Das Rote Keuz stattet die Häuser und somit auch Frau Nakajos Heim mit Haushaltsgeräten wie Waschmaschine, Kühlschrank oder Reiskocher aus. Kikuko Tanaka und Toshiko Unakami, zwei freiwillige Rotkreuz-Helferinnen, gehen der Familie bei der Übersiedlung aus der Notunterkunft, in der sie die vergangenen zwei Monate verbracht hat, zur Hand.
"Ich bin dem Roten Kreuz für seine Hilfe und Unterstützung unendlich dankbar", sagt Frau Nakajo. "Wir haben uns solche Sorgen darüber gemacht, womit wir das Haus ausstatten sollen. Denn wir haben alles verloren."
Unter ihre Tränen mischt sich Freude. Aber auch Traurigkeit und Erleichterung. Sie erinnert sich an den 11. März als sie und ihre Familie dem Tod entkamen. Nach dem Erdbeben trafen drei Tsunami-Wellen in Ashai auf das Festland.
Frau Nakajo war mit ihrer Schwiegermutter und ihrer Schwägerin zu Hause. "Bei der ersten Welle stand das Wasser im Haus kniehoch. Nach einer Weile ging es wieder zurück. Danach sahen wir die zweite Welle draußen am Meer. Sie kam an einer anderen Stelle an Land," erzählt sie. Die drei Frauen dachten, die Gefahr wäre damit überstanden.
Sie bekamen den Schock ihres Lebens, als etwa eine Stunde später eine Wasserwand ihre Eingangstür durchbrach und das Haus sich mit Wasser zu füllen begann.
Eine Seite des Hauses wurde von den Fluten weggerissen, die drei Frauen wurden mit dem Rest des Hauses landeinwärts gespült. "Es war furchtbar", sagt Frau Nakajo und bedeckt ihre Augen mit einem Taschentuch. "Wir konnten alles sehen, was draußen rund um uns passierte. Ein riesiger Haufen Schutt kam auf uns zugetrieben - der hätte uns erdrückt. Zum Glück wurde der Schutt von einem Schiffskontainer abgedrängt. Wir hatten wirklich viel Glück." Die drei Frauen wurden schließlich von einer Rettungsmannschaft geborgen.
Ihr Mann hatte auch großes Glück, er überlebte und traf seine Frau im Evakuierungszentrum wieder. "Ich wurde von der Welle ins Wasser gezogen und konnte mich an der Tür des Fischgeschäfts festklammern. Das hat mein Leben gerettet", erzählt Herr Nakajo. "Ich dachte, ich müsste sterben. Ich dachte immer, solche Katastrophen passieren anderen, aber niemals mir. Ich bin sehr dankbar für die Hilfe des Roten Kreuzes und alles, was für uns getan wurde. Ich bin nur mit meinem Leben davon gekommen. Wir haben alles verloren."
Frau Tanaka ist seit elf jahren Rotkreuz-Freiwillige. Seit dem 12. März helfen sie und die 68-jährige Frau Unakami in Evakuierungszentren und Schulen bei der Versorgung der obdachlosen Tsunami-Opfer mit. "Die härteste Arbeit für uns waren drei Kanister mit Wasser in den 3. Stock zu tragen, um die Toiletten dort zu putzen", erzählt die 70-jährige Frau Tanaka. "Es gab kein fließendes Wasser und wir mussten die Kanister die Stiegen hinauf tragen."
Sie sagt, dass die Menschen in den Evakuierungszentren glücklich und froh über die Rotkreuz-Helfer sind. "Sie haben auf uns gewartet," sagt sie. "Wenn sie uns an unserer Rotkreuz-Schürze erkannten, sagten sie, sie wären sehr erleichtert uns zu sehen. Das macht uns glücklich. Wir hoffen, dass wir ein bisschen eine Hilfe für diese Menschen sein können."

