13.09.2011 10:52

Japan: Erinnerungen und eine ungewisse Zukunft

Am 11. März 2011 richtete ein Erdbeben der Stärke 9.0 und der darauffolgende Tsunami entlang der japanischen Ostküste auf 700 Kilometern verheerende Verwüstungen an. Die Naturkatastrophe kostete 15.726 Menschen das Leben. Für die Überlebenden hat sich alles verändert - ein Bericht vom Leben nach der Katastrophe.

Die, die sich retten konnten, mussten zum Teil ihre Häuser verlassen. 8.000 leben noch immer in Evakuierungszentren, viele haben Fertighäuser für den Übergang erhalten bis sie ihre eigenen Häuser wieder aufbauen und beziehen können. Aber nicht alle werden ihr altes Zuhause wiedersehen.

 

Frau Yamada zündet ein Räucherstäbchen an und steckt es in eine Schale vor dem Foto ihres verstorbenen Mannes und seiner Ahnentafel – einer japanischen Tradition der Verstorbenen zu gedenken.

 

Schon in dieser einfachen Geste lässt sich die Trauer der 76-Jährigen erkennen, die erst im vergangenen Dezember Witwe wurde. Nach dem Verlust ihres Mannes musste sie im März 2011 dann ihr Zuhause aufgeben, denn die japanische Regierung hat ein Gebiet von 20 Kilometern um das Kernkraftwerk von Fukushima zur Sperrzone erklärt. Das Haus von Frau Yamada und ihrer Familie in Namie liegt innerhalb der Sperrzone.

 

Blumen für das Grab

"Ich war froh, als wir unseres alten Hauses Anfang August kurz besuchen konnten. So konnte ich das Foto und die Ahnentafel holen und frische Blumen an sein Grab bringen", sagt sie.

 

Frau Yamada ist mit ihrer Familie in ein Übergangshaus am Rande der Stadt Yabuki gezogen. Etwa 60 Kilometer ist die Atomanlage von Fukushima von ihrem Fertighaus entfernt. Auf dem niedrigen Tisch in einem der kleinen Wohnräume, steht ein Bild ihres Ehemannes und eine Schüssel mit Obst. Auf dem Boden steht eine Seladon-Vase mit frischen Blumen. An der Wand kleben mehrere Aquarelle von Früchten und Blumen. Die Familie versucht sich in dem Übergangshaus ein Zuhause zu schaffen.

 

Frau Yamadas Tochter Ayako und ihr 23-jährige Enkel Takaaki, der zur Zeit der Katastrophe im Kernkraftwerk von Fukushima arbeitete, berichten über ihr Leben nach der Katastrophe: "Ich habe bei mir noch keine Strahlenwerte messen lassen, aber einige meiner Kollegen haben sich untersuchen lassen und die Ergebnisse waren nicht so schlecht. Daher bin ich nicht wirklich besorgt." sagt er. Seine Mutter macht sich schon ein bisschen mehr Sorgen.

 

Auf die Frage, ob sie denkt,  dass sie je wieder in ihr Haus in der Sperrzone zurückkehren könnte, sagt sie: "Einerseits will ich, aber andererseits weiß ich, dass wir nicht zurückkehren können.“


Enkel Takaaki sorgt sich im Moment vor allem darum eine neue Arbeit zu finden. Die Familie lebt seit Ende Mai in Yabuki und bis jetzt hat er keine Arbeit. "Ich bin nicht wählerisch. Jede Arbeit wäre für mich denkbar, solange sie nur etwas Einkommen bringt."

 

Das Rote Kreuz hilft


Die Familie hat Geldzuschüsse von der lokalen Verwaltung erhalten, die vom Japanischen Roten Kreuz zur Verfügung gestellt worden sind. Das vorübergehende Zuhause der Familie Yamada ist mit einer Erstausstattung von Haushaltsgeräten versorgt worden, die einen Kühlschrank, eine Waschmaschine, ein Fernsehgerät, einen Heißwasserspender, einen Reiskocher und eine Mikrowelle umfassen. Diese Geräte sind mit Spenden auch aus Österreich vom Japanischen Roten Kreuz finanziert worden.

 

Soweit es die Umstände zulassen, hat es die Familie bequem. Dennoch stehen sie vor einer ungewissen Zukunft. Sie wissen nicht, wo sie hingehen, wenn sie nicht nach Hause zurückzukehren können. Frau Yamada will darüber noch gar nicht nachdenken. "Wir werden darüber nachdenken, wenn es soweit ist. ", sagt sie.