01.12.2011

Armutszeugnis: 52.000 Minderjährige frieren in Österreich

Die Lage verschärft sich durch steigende Energiekosten, heißt es in einer Aussendung der Amutskonferenz.

Wien (OTS) - Auch heuer müssen viele Menschen in ihren Wohnungen
frieren. Insgesamt können es sich 237.000 Menschen, also drei Prozent
der österreichischen Bevölkerung, nicht leisten, ihre Wohnung im
Winter warm zu halten. Davon sind 52.000 Kinder und Jugendliche unter 19
Jahren betroffen. 

 

Die Lage verschärft sich: Haushaltsenergie verteuerte sich um 12 Prozent gegenüber dem Vorjahr, Brennholz um 4,5 Prozent, Fernwärme um 9,9 Prozent, Gas um 13,1 Prozent und Heizöl um 21,4 Prozent.
 
"Im Durchschnitt geben Haushalte mit einem Monatseinkommen unter
900 Euro 36 Prozent ihres Gesamtbudgets für Wohn- und Heizkosten
aus", so Sozialexperte Martin Schenk. "Je weiter das Einkommen sinkt,
desto höher ist dieser Anteil. Die großen Brocken "Wohnen" und
"Energie" drücken schwer auf einkommensarme Haushalte."

 

64% der armutsgefährdeten Personen haben einen Wohnkostenanteil am
Haushaltseinkommen von mehr als einem Viertel. Besonders betroffen sind Alleinerziehende. Bei Personen, die während des ganzen Jahres
keine Arbeit fanden, macht dieser Anteil sogar 49% aus.

 

Energiearmutsfalle

 

Ein Viertel der gesamten jährlichen Finanzhilfe aus den Soforthilfetöpfen der
Hilfsorganisationen geht in die Unterstützungen im Energiebereich,
berichtet die Armutskonferenz, deren Mitgliedsorganisationen über
500.000 Menschen im Jahr unterstützen und betreuen. Das Österreichische Rote Kreuz ist seit heuer ebenfalls Mitglied der Armutskonferenz.
 
Arme Haushalte zahlen zwischen 30 und 40 Prozent mehr für die
Energie als vergleichbare "normale" Haushalte. Grund dafür ist nicht,
dass Armutsbetroffene höhere Tarife hätten. Bei Armutshaushalten
kommen aber häufiger Zusatzkosten wie Mahnspesen oder die Kosten für
das Ab- und Einschalten von Strom beziehungsweise Gas hinzu. Und
gerade Gas kann sehr teuer kommen. In Summe zahlt ein sozial
benachteiligter Haushalt mit einem monatlichen Stromverbrauch von
3.500 kWh bis zu 200 Euro mehr als ein "normaler". 

 

Heizkostenzuschuss

 In diesem Zusammenhang begrüßt die Armutskonferenz  den
Verordnungsentwurf der E-Control zur Vereinheitlichung des
Wildwuchses bei den Tarifen. Die Verordnung, deren Begutachtung heute
endet, sieht zumindest einen pauschalierten Höchstbetrag von 25 Euro
vor. Die österreichweit unterschiedlichsten Ab- und Einschaltgebühren
sind eine grüße Belastung für Menschen, die es schwer haben, ihre
Energiekosten zu berappen. 
 
Einkommensschwache sitzen in der Energiearmutsfalle, da das untere
Einkommensfünftel kein Kapital hat, um notwendige Investitionen zu
tätigen. Wichtig wäre es, Betroffene beim Umstieg auf nachhaltige und
auf Dauer günstigere Energieformen sowie bei Maßnahmen für einen
geringen Energieverbrauch und leistbaren öffentlichen Verkehr zu
unterstützen.

 

 Kurzfristig heißt das, den Heizkostenzuschuss in eine
echte Grundsicherung zu integrieren, österreichweit zu
vereinheitlichen und mit Investitionen in Energiesparmaßnahmen zu
verbinden. Es geht dabei weiters um den Austausch von Ölheizungen,
der Installierung von thermischen Solaranlagen, den Anschluss an
Fernwärmenetze und Hilfe bei Wärmedämmungsmaßnahmen.

 

Weiters braucht es Ratenzahlungen auch bei bestehender Schuldenlast, monatliche statt quartalsweiser Vorschreibungen  Es wäre auch so etwas wie eine Energie-Grundsicherung vorstellbar. Ein Mindestmaß an Wärme muss für
jeden gesichert sein. Ein Mindestmaß an Energie ist frei.  Und nicht
zuletzt müssten Wärmedämmung und Sanierungsmaßnahmen in allen Sozial-
und Gemeindebauten erfolgen, kombiniert mit energieunabhängigen
Sozialbauten beziehungsweise Siedlungen.
 

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