26.01.2012

Syrien: Tödliche Schüsse auf Generalsekretär des Roten Halbmonds

Unbekannte schossen auf das Fahrzeug von Dr Abd-al-Razzaq Jbeiro, Generalsekretär des Syrisch-Arabischen Roten Halbmondes. Das Auto war deutlich mit dem Roten Halbmond gekennzeichnet.

Foto aus der IKRK-Kampagne "Health Care in Danger"

“Nicht schießen!” – dafür steht das rote Kreuz auf weißem Hintergrund in allen Konfliktregionen dieser Erde. Denn das Rote Kreuz, in islamischen Ländern der Rote Halbmond und international auch der Rote Kristall sind im Völkerrecht verankerte Schutzzeichen, die von den Konfliktparteien zu respektieren sind.

 

Schüsse auf Roten Halbmond

 

In Konfliktgebieten ist das Zeichen der einzige Schutz, den Mitarbeiter der Rotkreuz-Bewegung vor bewaffneten Angriffen haben. Hilfsorganisationen arbeiten in unmittelbarer Nähe zu Opfern und Bedürftigen und damit meistens inmitten der Feindseligkeiten. Ihr einziger Schutz sind die Embleme der neutralen Hilfe, wie das Rote Kreuz.

 

In Syrien hatte gestern die Missachtung des Zeichens ein Todesopfer zur Folge. 

 

Dr Abd-al-Razzaq Jbeiro, der Generalsekretär des Syrisch-Arabischen Roten Halbmondes, starb, als Unbekannte auf sein deutlich mit dem Roten Halbmond gekennzeichnetes Auto geschossen haben. Er war auf dem Schnellstraße zwischen Damaskus und Idleb unterwegs nach Hause. 

 

Schutzschild in Konflikten


Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) hat im Vorjahr die Kampagne „Health Care in Danger“ gestartet. Ziel ist, es auf den lebenswichtigen Schutz medizinischer Einrichtungen und des Personals hinzuweisen. „Das ist eine Frage von Leben und Tod“, sagt Paul-Henri Arni vom IKRK. „Die meisten Menschen sterben nicht, weil sie Opfer von Bomben oder Schießereien werden. Sie sterben, weil Spitäler zu Zielscheiben werden, weil die Rettungskräfte an ihrer Arbeit gehindert werden und nicht rechtzeitig zu den Opfern kommen oder weil die allgemeine Situation zu gefährlich für Rettungseinsätze ist.“


Laut einer IKRK- Studie können  zehntausende Menschenleben gerettet werden, wenn die medizinische Versorgung von Konfliktparteien besser respektiert würde.  

Der Hintergrund

 

Das Zeichen des roten Kreuzes auf weißem Grund ist innerhalb Österreichs als „Logo“ des Österreichischen Roten Kreuzes (ÖRK) und ebenso international als Zeichen anderer nationaler Rotkreuzgesellschaften wohl bekannt. Daneben ist es auch internationales Schutzzeichen, das Sanitätern und Verwundeten im bewaffneten Konflikt Immunität verleihen soll. 

 

Aufgrund dieser Funktionen genießt das Rotkreuzzeichen in Österreich besonderen Schutz durch ein eigenes Gesetz: das Bundesgesetz über die Anerkennung des Österreichischen Roten Kreuzes und den Schutz des Zeichens des Roten Kreuzes (RKG). Das RKG ist ein relativ junges Gesetz. Es trat 2008 in Kraft.

 

Seit dem Jahr 1864 ist das Zeichen des roten Kreuzes auf weißem Grund Symbol für die Schutz-Garantie. Es verbildlicht damit die von Henry Dunant während der Schlacht von Solferino ins Leben gerufene und wenige Jahre später erstmals völkerrechtlich umgesetzte Idee, verwundete und kranke Mitglieder der Streitkräfte vor unnötigem Leid zu bewahren und unabhängige, unparteiische Hilfe zu ermöglichen. 

 

Zudem ist das rote Kreuz auf weißem Grund – neben dem Roten Halbmond und dem mit dem III. Zusatzprotokoll zu den Genfer Konventionen eingeführten Roten Kristall – auch das Zeichen der Rotkreuz- und Rothalbmondbewegung, die sich aus dem Internationalen Komitee vom Roten Kreuz, den nationalen Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften und der internationalen Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften zusammensetzt. 

 

Als solches symbolisiert es unter anderem deren sieben Grundsätze – Menschlichkeit, Unparteilichkeit, Neutralität, Unabhängigkeit, Freiwilligkeit, Einheit und Universalität. Das Rotkreuzzeichen ist also ein Symbol, dem sowohl in Kriegs als auch in Friedenszeiten besondere Bedeutung zukommt. Das humanitäre Völkerrecht trägt dieser Tatsache Rechnung, indem es konkrete Bestimmungen vorsieht, die Verwendung und Schutz des Zeichens regeln.

Icon Drucken