Blutspenden: Vom Sicherheitsfaktor unbezahlt und dem Würstel danach
Anlässlich des Weltblutspendetages beantwortet Eva Menichetti, medizinische Leiterin der Blutspendezentrale die häufigsten Fragen rund um die "Organspende light".
Der 14. Juni ist der Geburtstag des Blutgruppen-Entdeckers Karl Landsteiner. Deshalb wird an diesem Tag der Weltblutspendetag gefeiert. Aus diesem Anlass war Dr. Eva Menichetti, medizinische Leiterin der Blutspendezentrale für Wien, Niederösterreich und das Burgenland, Gast im MedChat. In diesem Online-Forum gab sie Antworten auf die häufigsten Fragen rund um das Blutspenden. Ein Auszug:
Was sind die Risiken bei einer Blutspende für mich? Mein Kreislauf ist zum Beispiel nicht immer stabil und ich habe einen relativ niedrigen Blutdruck, ich hätte Angst, dort gleich selbst umzukippen.
Eva Menichetti: Der Kollaps ist das häufigste Risiko, weiters ein Hämatom an der Einstichstelle, sehr selten eine Verletzung des Hautnervs, so dass es zu längeren Schmerzen kommt. Sollte man wirklich einen zu niedrigen Blutdruck haben, würde ich empfehlen, lieber nicht Blut zu spenden.
Wie sicher kann man sein, dass man im Notfall gesundes Blut bekommt?
Eva Menichetti: In Österreich und insgesamt Europa kann man sehr sicher sein gesundes Blut zu erhalten, es gibt viele Sicherheitsmaßnahmen und aufwändige Tests, die sicherstellen, dass gesunde Blutkomponenten zur Verfügung stehen. Ein wichtiger Sicherheitsfaktor ist die freiwillige und unbezahlte Blutspende.
Glauben Sie ernsthaft, dass alle diesen Fragebogen richtig ausfüllen? Ich hab mir den mal angesehen, Fragen nach Sex gegen Geld oder Drogen? (Vor der Blutspende muss ein Fragebogen zu Lebensgewohnheiten, Reisen, Erkrankungen etc. ausgefüllt werden. Anm.)
Eva Menichetti: Die Leute, die freiwillig und unbezahlt spenden, haben kein Motiv Fragen falsch zu beantworten. Sie kommen, weil sie helfen wollen. Natürlich kann man nie 100prozentig in die Menschen hineinschauen und parallel dazu wird das Blut getestet.
Wie lange dauert es, bis der Körper das Blut wieder ersetzt hat?
Eva Menichetti: Die Flüssigkeit (ein halber Liter, Anm.) ist nach einer halben Stunde wieder ersetzt, wenn man nach der Spende etwas trinkt, die weißen Blutkörperchen spätestens nach einem Tag, die Blutblättchen nach ein paar Tagen und die roten Blutkörperchen nach ca. 3 Wochen.
Stimmt es, dass jede Blutspende auf HIV untersucht wird?
Eva Menichetti: Ja natürlich, auch bei der hundertsten Spende, der Test wird mehrmals wiederholt und es werden verschiedene Methoden angewandt, die sich ergänzen. Trotzdem ist die Blutspende keine Methode, um den HIV-Status zu ermitteln. Aufgrund des diagnostischen Fensters (Zeitraum von der Ansteckung bis zum möglichen Nachweis im Blut) eignet sich die Blutspende nicht als HIV-Test. Im Falle eines positiven Befundes wird der Spender auf alle Fälle informiert.
Ich bin Plasmaspender, da ich dafür bezahlt bekomme. Warum werde ich nicht bezahlt fürs Blutspenden, damit wird ja auch Geld gemacht?
Eva Menichetti: In Österreich ist die freiwillige und unbezahlte Vollblutspende gesetzlich verankert. Für die Sicherheit von Blutkonserven ist das ein wichtiges Kriterium. So weisen internationale Studien Blutprodukte von unbezahlten Spendern als am sichersten aus.
Wie oft im Jahr kann ich spenden?
Eva Menichetti: Frauen können vier- bis fünfmal, Männer bis zu sechsmal spenden. Voraussetzung ist ein gesundes Blutbild, der Mindestabstand zwischen zwei Spenden beträgt acht Wochen.
Was ich immer schon mal wissen wollte: Warum bekommt man nachher Würschtl und was Süßes, hilft das dem Körper zu kompensieren?
Eva Menichetti: Das ist eine eingebürgerte Tradition, grundsätzlich soll man nach der Spende eine "Labung" zu sich nehmen. Es wurde versucht das Menü anders zu gestalten, doch das ist bei den Spendern auf wenig Gegenliebe gestoßen, am beliebtesten ist das Würstel.
Künstliches Blut gibt es nicht
Blut ist ein einzigartiger Saft, der uns am Leben hält. Das Blut erfüllt Grundfunktionen des menschlichen Körpers wie Atmung, Nährstofftransport, Wärmeausgleich, Reinigung von Schad- und Abfallstoffen und Produktion von Antikörpern zur Abwehr von Krankheitserregern.
Ein Österreicher, Dr. Karl Landsteiner, entdeckte 1900 die verschiedenen Blutgruppen. An seinem Geburtstag, dem 14. Juni, wird jährlich der Welt-Blutspende-Tag gefeiert.
In Österreichs Spitälern werden jedes Jahr etwa 450.000 Blutkonserven bei Operationen, Unfällen, schweren Erkrankungen und Geburten gebraucht. Die Blutspende ist die Basis für die so genannten Blutprodukte, die in den Krankenhäusern eingesetzt werden und die einzige Möglichkeit, Blutprodukte herzustellen. Denn der menschliche Körper ist der einzige Blutproduzent – im Gegensatz zu allen anderen Medikamenten kann Blut nicht künstlich im Labor erzeugt werden. Deshalb rettet jede Blutspende Leben!



