Interkulturelle Vielfalt für Pflege und Betreuung nutzen
Start des Integrationsprojektes "migrants care", das Menschen mit Migrationsgeschichte den Einstieg in das Berufsfeld Pflege und Betreuung erleichtern soll.
"Die Pflege- und Betreuungssituation in Österreich wird sich in den nächsten Jahren massiv verändern: Die Anzahl der Pflege- und Hilfsbedürftigen steigt, die Familienstrukturen verändern sich, Fachkräfte werden zur Mangelware. Wenn Pflege und Betreuung auch in Zukunft im Sozialstaat Österreich gewährleistet bleiben soll, dürfen Strukturreformen im Bildungssektor und Arbeitsmarkt nicht mehr weiter aufgeschoben werden", zieht Erich Fenninger, Geschäftsführer der Volkshilfe Österreich und Vorsitzender der
"Bundesarbeitsgemeinschaft Freie Wohlfahrt" (BAG), Bilanz über die Pflegesituation in Österreich im Rahmen der heutigen Pressekonferenz
mit Integrationsstaatssekretär Sebastian Kurz.
Vorgestellt wurde das neue BAG Integrationsprojekt "migrants care", das Menschen mit Migrationsgeschichte durch Beratung, Information
und Deutschkurse den Einstieg in die Pflege und Betreuung erleichtern soll.
"Bereits letztes Jahr hat der nationale Expertenrat das Problem erkannt und vorgeschlagen, Menschen mit Migrationshintergrund vermehrt in qualifizierte Pflege- und Gesundheitsberufe zu bringen", sagt Integrationsstaatsekretär Sebastian Kurz. "Das Projekt "migrants care" wird einen wichtigen Beitrag zur beruflichen Höherqualifizierung von Migrantinnen und Migranten leisten."
"Unsere Erfahrung zeigt, dass Migranten großes Interesse haben, im
Pflege- und Betreuungsbereich beruflich Fuß zu fassen. Viele scheitern aber an den verlangten Deutschkenntnissen", berichtet Esmir Kavazovic vom Pflegemanagement des Wiener Hilfswerks, wo eine Beratungsstelle für "migrants care" eingerichtet wurde.
"Ziel des Projekts ist es, Menschen nicht-deutscher Muttersprache einerseits über die Möglichkeiten der Dienstleistungsberufe in Pflege und Betreuung zu informieren und persönlich zu beraten. Andererseits bieten wir gezielt Vorqualifizierungskurse, in denen Deutsch gelehrt wird und Berufsfeldinformation und Praxiserfahrung im Fokus stehen."
Reformen dringend notwendig
Die Bevölkerung in Österreich wird immer älter. Prognosen gehen davon aus, dass bis 2020 rund 60 Prozent mehr Einsatzstunden in der mobilen Pflege bzw. 25 Prozent mehr stationäre Plätze benötigt werden.
"Um Berufe in Pflege und Betreuung attraktiver zu machen, bedarf es einen Mix aus verschiedenen Maßnahmen", fasst Monika Wild, Leiterin des Bereiches Gesundheits- und Soziale Dienste vom Österreichischen Roten Kreuz, zusammen.
"Es müssen ausreichend Finanzmittel vorhanden sein, die Ausbildung muss durchlässiger, die Arbeitsbedingungen müssen verbessert und Umschulungsmaßnahmen müssen besser unterstützt werden."
"migrants care" startete am 1. Juni und endet am 31. Dezember 2012. Das Projekt schließt an das erfolgreich durchgeführte Projekt "diversity@care" an, das von 2005 bis 2007 von der BAG umgesetztwurde. "migrants care" wird durch das Staatssekretariat für Integration finanziert. 2013 wird ein Folgeprojekt umgesetzt werden.
Fremdsprachige Folder
Es wurden bereits mehrere jeweils zweisprachige Folder enwickelt, die hier zum Download bereit stehen:



