18.06.2014 09:57

Flucht aus Überzeugung

Rund um die Welt müssen tausende Menschen vor Gewalt, Krieg und lebensbedrohlichen Umständen fliehen. Hinter jeder Flucht steckt ein Schicksal wie das von Manochehr Shahabi.

Flucht aus Überzeugung

Manochehr Shahabi ist 1987 aus dem Iran geflohen. Nachdem er mit 19 für drei Jahre ins Gefängnis gesteckt wurde. Sein Vergehen: anders zu denken als die strengen Islamisten, die ab 1981 das Land unter ihre Kontrolle brachten. „Anders Denkende wurden physisch vernichtet“, erzählt er. „Intellektuelle wurden reihenweise hingerichtet.“


Die ständige Bedrohung, in der der junge Mann leben musste, hat ihn schließlich zur Flucht veranlasst. Seine Heimatstadt Urmia liegt im Nordwesten des Iran, in der Nähe der türkischen Grenze, die er schließlich mit einem gefälschten Pass überquerte. In der Türkei erkannte ihn das Flüchtlingshochkommissariat der UNO als politischen Flüchtling an.


„In Wien gab es damals ein Unterstützungskomitee für politische Flüchtlinge, dem auf verschlungenen Wegen mein Lebenslauf unter gekommen ist und die mich schließlich mit Unterstützung des Innenministeriums nach Österreich geholt haben“, erinnert er sich. 


In Österreich hat der junge Iraner Schutz gefunden. Am Anfang war die sprachliche Barriere groß. „Nicht kommunizieren zu können, verwandelt einen. Man fühlt sich als gäbe es in einem noch einen anderen fremden Mensch“, erinnert er sich. Mit Hilfe des Unterstützungskomitees lernte er aber schnell deutsch und studierte Pharmazie und Malerei.


Nach Jahren in der pharmazeutischen Forschung, in denen ihn immer auch die Malerei begleitet hat, widmet Manochehr heute seine Erfahrungen benachteiligten Menschen. Als Vorsitzender von UKI (Unterstützungskomitee zur Integration von MigrantInnen) unterstützt er Zuwanderer dabei, das Erlebte hinter sich zu lassen und in Österreich ein neues Leben zu beginnen. „Deutschkurse nützen nicht viel, wenn man psychisches Leid erfahren und nicht verarbeitet hat. Die sozialpädagogische Betreuung ist sehr wichtig, erst wenn der Kopf frei ist kann das Lernen Früchte tragen.“


An eine Rückkehr in den Iran denkt Manochehr nicht. „Meine Ausreise ist lange her, die Gründe warum ich das Land verlassen habe, sind noch da.“

 

Manochehr Shahabi besucht auch als projekt-X-change Botschafter Schulen.

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