Falsch ist nur, gar nichts zu tun

Mehr als 70 Prozent aller Unfälle passieren in der Freizeit und zu Hause. Meist sind es die eigenen Kinder, Eltern oder Freunde, die Erste Hilfe brauchen. "Erste Hilfe ist nicht schwer und kann Leben retten“, so Rotkreuz-Chefarzt Dr. Wolfgang Schreiber.

 

„Das Einzige, was man in der Ersten Hilfe falsch machen kann, ist nichts zu tun. Jede Maßnahme, die ein Ersthelfer unternimmt, erhöht die Überlebenschancen des Patienten.“, versichert Dr. Schreiber.

 

Studien zeigen, dass die meisten Menschen aus Unsicherheit nicht helfen, wenn sich in ihrer Umgebung ein Unfall ereignet. Einige Unsicherheiten gründen auf Irrtümern, die sich hartnäckig in den Köpfen festgesetzt haben. Drei davon klärt der Rotkreuz-Chefarzt im Folgenden auf.

 

 

Irrtum: Starke Blutungen werden durch Abbinden gestoppt

Erste Hilfe bei starker Blutung.

Selbst wenn eine Wunde sehr stark blutet und Blut im Schwall austritt, ist eine Abbindung nicht die einfachste Methode der Blutstillung. Im Gegenteil, bei  unsachgemäßer Anwendung können Nerven und Gewebe verletzt werden. Einfach und effizient ist hingegen ein sogenannter Fingerdruck! "Jede sichtbare Blutung kann durch genügend Druck auf die Wunde gestillt werden“, versichert Wolfgang Schreiber. „Diese Maßnahme kann an jedem Körperteil durchgeführt werden.“

 

So geht’s:

 

Im Idealfall mit Einweghandschuhen und Wundauflage gerüstet, drückt der Ersthelfer die Wundauflage so fest auf die Wunde, dass die Blutung aufhört. „Bei starkem Blutverlust ist die Blutstillung die wichtigste Maßnahme für Ersthelfer, denn rascher und hoher Blutverlust kann zum Kreislaufstilltand führen.“

Irrtum: Helme dürfen nicht abgenommen werden

helmabnahme

Verunglückte Motorradfahrer oder Skifahrer mit Helm stellen die Ersthelfer immer vor die verunsichernde Frage: "Helm abnehmen oder nicht?". Die meisten Menschen befürchten, durch die Abnahme des Helms den Patienten weiteren Schaden, etwa Wirbelsäulenverletzungen zuzufügen.

 

"Ein Sturzhelm schützt den Kopf vor Verletzungen, er  birgt aber auch die Gefahr des Erstickens, wenn ein Motorradfahrer das Bewusstsein verliert!", sagt Chefarzt Dr. Wolfgang Schreiber vom Österreichischen Roten Kreuz. "Ist der Verletzte ohne Bewusstsein, so muss der Helm zur Kontrolle der Atmung abgenommen werden."

 

So geht`s:
 
Richten Sie den Kopf vorsichtig gerade und stabilisieren sie den Kopf des Verletzten zwischen Ihren Knien. Dann den Kinnriemen und das Visier öffnen. Ergreifen Sie den Helm seitlich, ziehen Sie ihn etwas auseinander und schieben Sie ihn vorsichtig nach hinten, so dass sie die Nasenspitze sehen können. Dann greifen Sie mit einer Hand an den oberen Helmrand und ziehen den Helm vorsichtig vom Kopf.

 

Mit der anderen Hand stützten sie den Kopf im Nacken. Ziehen Sie den Helm gleichmäßig herunter und legen Sie den Kopf vorsichtig auf den Boden.

 

Die richtige Helmabnahme zeigt dieses Erste-Hilfe-Video

Irrtum: Verlegte Atemwege befreit man mit einem Luftröhrenschnitt

eh heimlich griff

Weder Erwachsene noch Kinder, die einen Gegenstand verschluckt haben und um Luft ringen, befreit man durch einen Luftröhrenschnitt von ihrer Qual. „Auch in solch dramatischen Fällen kommen Ersthelfer ohne chirurgische Maßnahmen aus“, erklärt Rotkreuz-Chefarzt Schreiber.

 

So geht’s:

 

Kann der Betroffene sprechen und antworten, so ist es völlig ausreichend, ihn zum Husten anzuregen! Guter Zuspruch und frische Luft erleichtern die Atmung!

 

Absolut lebensbedrohlich wird die Situation, wenn eine schwere Verlegung der Atemwege vorliegt, das heißt, der Betroffene kann nicht mehr sprechen und ringt Luft!


Der Helfer schlägt sofort fest mit der flachen Hand zwischen die Schulterblätter, während er den verletzten mit der anderen Hand am Brustkorb abstützt. Das kann einen Hustenreiz auslösen. Durch das Husten wird das Verschluckte aus der Luftröhre befördert.

 

Tritt nach fünf festen Schlägen keine Besserung auf, so werden bei Erwachsenen und Kindern (älter als ein Jahr) fünf Kompressionen des Oberbauches durchgeführt. Dazu stellt sich der Helfer hinter die Person und legt beide Arme um den Oberbauch. Die geballte Faust liegt zwischen Nabel und Brustkorb, die Faust mit der anderen Hand umklammern und beide Hände kräftig nach innen und oben ziehen. Führen Sie abwechselnd 5 Rückenschläge und 5 Oberbauchkompressionen durch!

 

Ist die betroffene Person ohne Bewusstsein, oder verliert sie das Bewusstsein: Sofort mit 30 Herzdruckmassagen beginnen! Durch den Druck während der Herzdruckmassage wird möglicherweise der Fremdkörper aus den Atemwegen herausgedrückt. Vor der den Beatmungen soll in diesem Fall jedesmal nachgesehen werden, ob sich der Fremdkörper (zb. Speisereste) bereits im Mund befinden.

 

Hat sich ein Säugling (bis 1 Jahr) verschluckt, dann legen Sie ihn bäuchlings mit dem Kopf nach unten über ihren Unterarm und führen Sie laufend Schläge mit ihrem Handballen zwischen die Schulterblätter durch, um den Hustenreiz zu fördern.

 

Hat ein Kind ein Spielzeug oder einen Teil davon verschluckt, so muss unbedingt ein Krankenhaus aufgesucht werden. Es hilft dem Arzt, wenn er einen `Doppelgänger` des verschluckten Teils erhält. Er kann dann besser weitere Gefahren erkennen und darauf reagieren, so Rotkreuz-Arzt Dr. Schreiber.

 

 

 

 

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