Frauen und der Krieg in Syrien

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Am 8. März ist Weltfrauentag. Ursprung dieses internationalen Tages war der Kampf um die Gleichberechtigung in den Jahren um den ersten Weltkrieg. Unter den heutigen Kriegen und Konflikten leiden Frauen auf vielfältige Weise. Sie bangen um ihre Heimat, um das körperliche und geistige Wohl ihrer Kinder, um ihre Schulbildung und Gesundheitsversorgung und kämpfen für ihre Würde.

Drei Frauen, die vor dem Krieg in Syrien mit ihren Familien geflohen sind, berichten stellvertretend für Hunderttausende von ihrem schwierigen Alltag und ihren Träumen.

Kadija: Ein Zuhause, das Platz und Schutz bietet

February 2015 - Kadija, 44 years old, a Syrian refugee fled from Syria with her 4 kids, now living in a makeshift shelter in Erbil (Iraq). Her husband died in Syria. She is leading the family, but they are in desperate situation with huge needs.
Kadija lebt in einem Rohbau

Laut Zahlen des Irakischen Roten Halbmondes leben im kurdischen Erbil derzeit 82.000 Syrer. Die Flüchtlinge sind in der ganzen Stadt verteilt, aber es nicht schwer, sie zu finden: Sie leben in Garagen, Rohbauten und provisorischen Unterkünften. Ein paar wenige Familien hatten Glück und haben eine Mietwohnung gefunden.


Kadija ist 44 Jahre alt. Sie ist mit ihren vier Kindern aus Syrien geflohen, das jüngste ist 8, das älteste 13 Jahre alt. Ihr Mann starb in Syrien. Sie lebt jetzt mit ihrer Familie in einem Zelt in Erbil.

 

„Zuerst sind wir in die Türkei gegangen, aber nach einem Monat haben wir uns entschlossen, hierher nach Kurdistan zu kommen, weil die Sprache für uns verständlicher ist“, erzählt Kadija. „Während der Reise habe ich meine Schwester verloren, wir haben seither nichts von ihr gehört.“ Kadijas Familie lebt jetzt seit 18 Monaten im Camp.


Ihre Lage ist verzweifelt, aber sie bekommt Hilfe von den Einheimischen. „Wir überleben nur, weil unsere irakischen Nachbarn zwei- bis dreimal pro Woche für uns kochen. Manchmal bekomme ich Arbeit für einen Tag, aber das reicht nicht“, berichtet sie.


Viele Familien kommen auf der Suche nach Arbeit nach Erbil. Es liegt auf der Hand, dass die Großzügigkeit der Einwohner mehr Unterstützung vom Rest der Welt braucht. „Wir haben gar nichts“, sagt Kadija. „Jeden Tag muss ich einen Weg finden, damit meine Kinder überleben. Sie gehen nicht zur Schule und wir hätten im Notfall keine medizinische Versorgung. Es ist eine furchtbare Situation.“

Sara: Mit Arbeit die Würde bewahren

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Sara bitet Unterricht für Kinder

Sanliurfa ist eine von vielen türkischen Provinzen, die einen massiven Zulauf an syrischen Flüchtlingen haben. Im September 2014 kamen über 160.000 syrische Flüchtlinge aus der umkämpften nordsyrischen Grenzstadt Kobane. In Sanliurfa ist Arabisch die zweite Sprache. Die kulturellen und familiären Wurzeln in den Irak sind deshalb sehr stark.


Vor zwei Jahren kam Sara in die Türkei, als sich die Sicherheitsbedingungen in ihrer Heimatstadt zunehmend verschlechterten. „Viele von uns haben schreckliche Dinge gesehen“, erzählt Sara. „Wir sind erwachsen, aber es gibt so viele Kinder, die dringend psychologische Hilfe benötigen. Sie haben traumatische Situationen erlebt, die sie sich endlich von ihrer Kinderseele reden müssen“.

 

Sara beobachtet auch, dass viele Kinder zunehmend ihre Arabischkenntnisse verlieren und dadurch auch den Kontakt zu Syrien. Menschen erleben eine Sprachbarriere. So wie viele studierte Syrer spricht Sara Französisch und Englisch, doch Türkisch ist weniger verbreitet.


Sara ist beunruhigt, dass viele Kinder die Schule nicht mehr besuchen. Deshalb begann sie für einige Organisationen als Freiwillige einen Unterricht anzubieten. Aber auch die Freiwilligentätigkeit hat ihre Herausforderungen: Es ist nicht einfach, den Menschen die richtige Hilfe zu geben.

 

„Zum Beispiel, geben einige Organisationen Flüchtlingen Kleidung, kümmern sich aber nicht darum, ob ihnen die Größe passt. Andere wiederum geben uns Sachen, die wir eigentlich gar nicht benötigen.“ Eine gute Lösung, so Sara, ist es eng mit der syrischen Gemeinde zu arbeiten. Gemeindemitglieder halfen ihr auch eine Unterkunft zu finden, als sie in die Türkei kam. „Besser als eine Spende ist die Möglichkeit zu arbeiten, um unsere Würde zu bewahren“.


Vor zwei Jahren kam Siba mit ihrer Familie nach Urfa. „Als wir das erste Mal hierher kamen, war es, weil die Dinge in Syrien nicht so gut standen“, sagt Siba. „Wir hatten keine Arbeit und konnten die Sprache nicht. Für uns war es sehr schwierig, zu bleiben. Daher sind wir nach Deyr-el Zor zurückgekehrt.“

 

Wenig später wurde die Bürgerkriegssituation in Syrien viel schlimmer, Siba und ihre Familie kamen nach Urfa zurück, doch diesmal mit einem Plan: Sie wollten ihr Leben in der Türkei wiederaufbauen, die Sprache lernen, eine Arbeit finden und für lange Zeit bleiben. Diesmal stand für die Kinder an erster Stelle, die Sprache zu lernen. „Ich musste meiner Familie helfen, deshalb habe ich an der Harran Universität Sprachunterricht in Türkisch genommen. Nach sieben Monaten startete ich mit einem Job bei Vodaphone und später als Übersetzerin in einem Spital,“ so Siba.

Sabah: Leere Tage im Flüchtlingscamp

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Sabah ist mit fünf Söhnen in den Irak geflohen.

 

Wieder nach Syrien zurück zu kehren ist der gemeinsame Traum tausender Flüchtinge in den Nachbarländern. Sabah ist 53 Jahre alt und lebt mit ihren fünf Söhnen in einem Flüchtlingscamp im Irak. Die Jungen sind zwischen elf und 25 Jahre alt.

 

„Im Winter ist hier alles nass und feucht, im Sommer ist es brütend heiß. Wir leben zu sechst in diesem kleinen Zelt. Unser Alltag ist nicht so gut“, sagt Sabah. Vor zweieinhalb Jahren ist die Syrerin im Camp angekommen. Ohne ihren Mann, der in Syrien einer Krankheit erlag und ohne ihren ältesten Sohn, der im Bürgerkrieg gestorben ist. Sein Bild hat einen Ehrenplatz im Zelt. „Wir sind vor dem Krieg davon gelaufen“, meint sie.

 

Fünf Tage war sie mit ihren Kindern unterwegs, um in den Irak zu gelangen. Als sie die Grenze überquerten, wurden sie in einem temporärem Camp mit Essen und Wasser versorgt, bevor sie ihre Reise nach Darashakran fortsetzten.

 

Das Leben im Flüchtlingscamp ist zwar sicher, aber trotzdem nicht einfach. Es gibt nichts zu tun, das Camp liegt eine halbe Stunde Fahrtzeit von der nächsten großen Stadt Erbil entfernt und es ist sehr schwierig ein Einkommen zu schaffen.

 

„Wir sind komplett von der Unterstützung der Hilfsorganisationen abhängig“, klagt Sabah. Sie kümmert sich um ihre Familie und würde jede Arbeit annehmen, um sie selbst versorgen zu können. „Gesundheit, Essen, Bildung und Arbeit sind meine größten Sorgen. Wir möchten gerne über unsere Zukunft bestimmen und nicht für immer in diesem Camp mit nichts als leeren, unerfüllten Tagen bleiben.“ Sabahs Gedanken reisen immer nach Hause. „Wir werden zurück gehen, sobald das möglich ist.“

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