"Humanitäre Hilfe bekämpft Symptome"

Max Santner

Am 19. August ist der Welttag der humanitären Hilfe. Max Santner, Leiter der internationalen Zusammenarbeit im Österreichischen Roten Kreuz, über die Aufgaben und Grenzen humanitärer Hilfe.

 

Viele Konflikte, viele Flüchtlinge, viel Elend: Der Ruf nach humanitärer Hilfe erschallt an vielen Orten der Welt. Was kann humanitäre Hilfe ausrichten?

 

Max Santner: Humanitäre Hilfe kann keine Konflikte lösen, das wäre zu viel verlangt. Humanitäre Hilfe kann nur die Symptome von Not und Leid bekämpfen, indem sie zum Beispiel Hungernden zu essen gibt oder Flüchtlingen ein Quartier schafft. Dieses eingeschränkte Arbeitsfeld erscheint angesichts der aktuellen Situation, in der so viele Flüchtlinge wie noch nie unterwegs sind, beinahe zynisch, ist aber die Realität.

 

Kann humanitäre Hilfe einen Beitrag leisten, um die Ursachen der Not zu eliminieren?

 

Max Santner: Humanitäre Hilfe kann das eben nur eingeschränkt leisten, dagegen versuchen wir durch entwicklungspolitische Maßnahmen Ursachen von Unterentwicklung wie strukturelle Armut oder Hunger zu bekämpfen. Die Gründe, die zu Konflikten führen, sind oft sehr komplex. Meistens kommt ein ganzes Bündel von Ursachen zusammen, das dann in einem Konflikt eskaliert. Eine Ursache, die immer häufiger beteiligt ist, ist zum Beispiel der „Kampf um Ressourcen“,um Wasser oder Land.

 

Wie wichtig sind finanzielle Ressourcen im Kampf gegen das Elend?

 

Max Santner: Um humanitär in größerem Umfang tätig zu sein, braucht es Geld. Geld ist vorhanden, es wird nur leider für andere Dinge verwendet: Weltweit wird in etwa das 100 Fache der verfügbaren Hilfsgelder für Waffen ausgegeben. Wenn wir uns die Situation in Österreich anschauen, dann sind die zur Verfügung stehenden Mittel auch verhältnismäßig gering. Der Auslandskatastrophenfonds soll nun erfreulicher Weise von fünf auf 20 Millionen aufgestockt werden.

 

Genügend Geld wäre also das Allheilmittel gegen Not und Leid?

 

Max Santner: Um ordentliche Arbeit zu leisten braucht man Geld UND Solidarität, bzw. politischen Willen. Humanitäre Hilfe basiert auf  Prinzipien: Menschlichkeit, Unparteilichkeit, Unabhängigkeit und Neutralität. Weiters gilt es internationale Standards einzuhalten und es gibt so etwas wie ein Recht auf Humanitäre Hilfe. Das ist keine Mitleidsveranstaltung, das sind keine Almosen, notleidende Menschen haben ein Recht auf Hilfe!

 

In welchen Situationen bei Ihrer Arbeit für das Rote Kreuz leiden Sie selbst?

 

Max Santner: Humanitäre Arbeit fordert ein hohes Maß an Empathie und Professionalität. Wenn beide zusammen kommen, ist die Arbeit nicht belastend, sondern erfüllend

Burundi - Tansania
Erdbeben Nepal RKNepal
Erdbeben Nepal
Asien/Nepal, 1. Mai 2015: Dhading ist nahe dem Epizentrum, wo Rotkreuz-Mitarbeiterin Andrea Reisinger gestern ein Spital besucht hat.
Bild: Freiwillige des Nepalesischen Roten Kreuzes verladen HilfsgŸter in einen Hubschrauber, welche in die Gebirgsregionen geflogen werden.
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Ukraine; Kyivs'ka oblast; 05 September 2014, Hunderttausende sind auf der Flucht vor den Unruhen in der Ost-Ukraine und sind bei Familien oder in Notunterkünften untergebracht. Das Rote Kreuz versorgt sie unter anderem mit Hygienpaketen. Sie werden ang
Ukraine; Kyivs'ka oblast; 05 September 2014, Hunderttausende sind auf der Flucht vor den Unruhen in der Ost-Ukraine und sind bei Familien oder in Notunterkünften untergebracht. Das Rote Kreuz versorgt sie unter anderem mit Hygienpaketen. Sie werden angekauft oder von Firmen zur Verfügung gestellt. Auch in den Supermärkten kann man Produkte kaufen und gleich spenden. Rotkreuz-Mitarbeiter mit Produkten für ein Hygienepaket: Zahnbürsten, Shampoo, Zahnpasa, Seifen, Waschmittel

Non-food items such as these hygiene items have been donated by companies to this local branch of Ukrainian Red Cross Society in Kyivs'ka Oblast. In addition, the public can donate things that displaced people will need at local supermarkets.

Those displaced by the fighting in eastern Ukraine now number in the hundreds of thousands. Many are displaced internally, either hosted by families or in temporary accomodation.

Humanitäre Hilfe aus Österreich

Helfer des Österreichischen Roten Kreuzes sind zurzeit zum Beispiel bei diesen Krisen im Einsatz:

 

Österreich: Das Rote Kreuz versorgt in fast allen Bundesländern Flüchtlinge in Unterkünften. Die Aktivitäten reichen vom Betrieb einzelner Unterkünfte bis zur Versorgung mit Lebensmitteln und psychosozialer Betreuung.

 

Tansania: Nach Unruhen in Burundi sind mittlerweile etwa 140.000 Menschen geflohen. Das Nachbarland Tansania hat 85.000 Flüchtlinge aufgenommen. Österreichische Wasser- und Sanitärexperten sind im Nyaruguzu-Camp im Einsatz. Die Hauptaufgaben des Teams bestehen in der (Wieder-)herstellung von Abwassersystemen und dem Latrinenbau. 

 

Ukraine: Das Österreichische Rote Kreuz unterstützt etwa 500 bedürftige Familien in der ostukrainischen Region Luhansk mit Lebensmittelpaketen und Gutscheinen für den Einkauf. Familien mit Kleinkindern und Babys erhalten Hygienepakete.

 

Syrien-Konflikt: Das ÖRK unterstützt die laufenden Hilfsmaßnahmen in Syrien und den Nachbarländern hauptsächlich mit der Lieferung von Nahrungsmittel- und Hygienepaketen. In Syrien erhalten 3,5 Mio. Menschen Hilfe vom Rotkreuz-Netzwerk. Flüchtlinge im Libanon wurden im Winter zusätzlich mit Heizmaterial unterstützt.

 

Nepal: Nach dem verheerenden Erdbeben hat das Österreichische Rote Kreuz sieben erfahrene Katastrophenhelfer nach Katmandu entsendet. Sie sind Experten im Bereich Wasser, Wiederaufbau und Hilfslogistik.

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