Aleppo: Das Leid der Zivilbevölkerung

Syrien, Feb. 2016: Sicherer Zugang für einige humanitäre Fälle durch die humanitäre Passage in Boustan al Qasar - Aleppo

Safe access to some humanitarian cases through the humanitarian passage in Boustan al Qasar - Aleppo
Eine alte Frau verlässt ihre zerstörte Heimat.
©Abdul Kader Fayad /SARC

"Die Situation in Aleppo ist dramatisch - so dramatisch, dass man sich das bei uns gar nicht vorstellen kann. Aleppo ist eine belagerte Stadt, in der von Häuserblock zu Häuserblock gekämpft wird", sagt Gerald Schöpfer, Präsident des Österreichischen Roten Kreuzes. Marianne Gasser, die die Delegation des IKRK in Aleppo, bekräftigt seine Aussage: "Die Situation in Aleppo ist verheerend. Jeden Tag werden Dutzende Zivilisten getötet oder von Granaten, Raketen oder Mörsern verletzt. Die Bombardierung ist konstant. Die Gewalt bedroht das Leben von Hunderttausenden Menschen, die noch in der Stadt verblieben sind". Dazu kommt die Gefahr für die Helfer. Seit Beginn des Syrienkonflikts sind 61 lokale Helfer in Syrien und zehn im Jemen während ihres Einsatzes ums Leben gekommen.

Es gibt keinen Ort an dem die Menschen in Sicherheit sind, Bomben und Schüsse sind rund um die Uhr hörbar. Der Weg zum Einkaufen oder zum Krankenhaus endet für viele im Tod. Besonders Kinder und ältere Menschen müssen enorme Ängste ertragen. "Syrien befindet sich im sechsten Kriegsjahr. Es gibt Kinder in Aleppo, die nichts anderes außer Krieg kennen. Inzwischen gibt es keine sicheren Orte mehr, Zivilisten werden überall angegriffen und als Schutzschild gebraucht", sagt Schöpfer. In manchen Gegenden leben die Menschen in Ruinen und halbzerstörten Häusern unter sehr unsicheren und ungesunden Zuständen. Sie wissen einfach nicht wohin. In den Straßen Leid, wohin man schaut: Menschen, die mit sich selber sprechen; Traumatisierte; Kinder in totaler Hoffnungslosigkeit,...


Zwei Millionen Menschen ohne medizinische Grundversorgung

In Aleppo kann von einer funktionierenden Versorgung nicht mehr die Rede sein. Medizinische Einrichtungen und ihr Personal werden beschossen oder sie sind durch die heftigen Kämpfe dazu gezwungen zu schließen. Verletzte Menschen bleiben ohne Hoffnung auf Behandlung zurück. Viele sterben, da medizinische Hilfe nicht schnell genug eintrifft oder sie gar nicht erreicht. Ebenfalls unzureichend ist die Versorgung mit Wasser und Energie. Die Hauptwasserversorgung in Aleppo hängt an zwei Wasserpumpstatoinen. In den letzten Tagen wurde der Energieversorger zum größten Teil zerstört, die Pumpen funtionieren nicht mehr. Die alternative Versorgung durch Generatoren kommt ebenfalls nicht in Frage, da diese auf Treibstoff laufen, der nicht zu bekommen ist. Die Menschen sind auf Wasser aus Bohrungen angewiesen, in einigen Gegenden trinken die Bewohner aus Verzweiflung verseuchtes Wasser aus Brunnen, was zu Krankheiten wie Brechdurchfall oder Cholera führt.

Gewalt und Hunger

Geht der Krieg in dieser Intensität weiter, werden die Menschen noch schwerer an Lebensmittel kommen. Der Zugang zu Hilfslieferungen ist durch Straßenblockaden abgeschnitten, die Preise steigen. Gas zum Kochen ist praktisch nicht mehr erhältlich und Treibstoff für die Wasserpumpen und andere Geräte ist Mangelware. Zehntausende sind aus der Stadt geflüchtet, die schweren Kämpfe in den südlichen ländlichen Gegenden von Aleppo haben Tausende mehr zur Flucht gezwungen. Familien müssen auf der Straße oder auf öffentlichen Plätzen schlafen und sind der Gewalt schutzlos ausgeliefert. Das Internationale Rote Kreuz konnte in den vergangenen Tagen mit Hilfe nach Süd- und Südwest-Aleppo kommen, darunter:

  • Nothilfe für vertriebene Menschen
  • Dosenessen und Planen für über 5.000 Menschen
  • Verteilung von 49.000 Essensportionen pro Tag in Gemeinschaftsküchen (in der Stadt und in umliegenden Gegenden)
  • Verteilung von über 10.000 Brotlaiben pro Tag
  • Trinkwasser über Tanks für ca. 70.000 Menschen pro Tag
  • 33 Wassertanks an 14 Standorten aufgebaut, die rund 5.800 Menschen versorgen


Das Rote Kreuz appelliert erneut an alle Parteien im Sinne der Zivilisten humanitäre Organisationen ihre Arbeit tun zu lassen:

  1. Es muss tägliche mindestens dreistündige Feuerpausen geben um zu den Menschen zu kommen
  2. Humanitäre Organisationen müssen ihre Arbeit tun können und die Menschen im Osten der Stadt zu versorgen
  3. Alle Parteien müssen damit aufhören die Gesetze, die in bewaffneten Konflikten gelten, zu ignorieren. Der Preis für die Menschen ist viel zu hoch

Aleppo - Verbrechen an der Menschlichkeit

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