09.11.2009

Kampf gegen Windmühlen

Am Ende gesellschaftlicher Verfehlungen steht die Not. Petra Griessner berichtet aus dem Alltag der individuellen Spontanhilfe beim Roten Kreuz.
Kampf gegen Windmühlen

„Ich heiße Susanne und bin 45 Jahre alt. Ich habe vier Kinder. Mein Vater hatte einen Schlaganfall, seit dem Tod meiner Mutter vor zwei Jahren, pflege ich ihn. Mein Exmann hat mich geschlagen und die Scheidung wird seit drei Jahren vor Gericht ausgefochten. Er zahlt nicht für die Kinder. Ich kann meine Stromrechnung von 873,25 Euro nicht bezahlen. Wenn ich nicht in einer Woche zahle, schalten sie den Strom ab, dann geht gar nichts mehr. Bitte Helfen Sie mir. Mit freundlichen Grüßen, Susanne“

 

So oder ähnlich klingen viele E-Mails, die Menschen in Not an die Spontanhilfe des Österreichschen Roten Kreuzes schicken. Derzeit leben in Österreich rund 460.000 Menschen in manifester Armut, darunter mehr als 100.000 Kinder und Jugendliche. Rund 800 persönliche Beratungsgespräche führen allein die drei Mitarbeiter der Spontanhilfe im Generalsekretariat des Roten Kreuzes im Vierten Wiener Gemeindebezirk. Noch einmal so viele Anfragen werden telefonisch behandelt.

 

Wie sehen die Menschen aus, die täglich mit Leid, Elend und Verzweiflung konfrontiert sind und dabei ein Budget von rund 120.000 Euro aus Spenden für das gesamte Jahr zur Verfügung haben?

 

Wieslaw Krynski (53) und Imre Siska (31) arbeiten in der Spontanhilfe des Roten Kreuzes. Johannes Abensperg-Traun (67) arbeitet auch hier, freiwillig, acht Stunden pro Woche, wenn Not am Mann ist, auch mehr. Unbezahlte Heizkosten, offene Rechnungen für einen Platz im  Kindergarten, teure Medikamente und Ausbildungskosten sind häufige Probleme, mit denen die drei Wiener zu tun haben.
Immer öfter kommen Menschen, die von einem Tag auf den anderen zuerst den Job, dann die Familie und schließlich die Wohnung verlieren und durch die Maschen des sozialen Netzes fallen. Es fällt ihnen oft schwer zuzugeben, dass sie mittellos sind. Die meisten suchen Hilfe, wenn es schon fast zu spät ist und bereits die Delogierung veranlasst wurde.

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