16.11.2009 Von: Bettina Klinger*

Medizin für Menschen im Schatten

AMBER-MED bietet anonyme und unbürokratische medizinische Hilfe für Menschen, die eigentlich gar nicht existieren.

An diesem Montag sitzen insgesamt 20 Personen im Warteraum von AMBER-MED in Wien-Inzersdorf. Darunter sind Frauen, Kinder und zwei Männer. Ein schlanker Mann mit dunklen Haaren stützt das Gesicht auf seine Hände, sein Blick ist leer.

 

In der Spielecke fahren zwei Kinder wortlos mit einem Spielzeugauto die Straßen des Fahrbahnteppichs ab. Eine Frau hat ihr Kopftuch tief in die Stirn gezogen, sie sitzt in einer Ecke und wartet. Die Stimmung ist gedrückt und angespannt. Niemand spricht.

 

Sie alle brauchen dringend ärztliche Hilfe, wollen unerkannt bleiben. Sich ohne Papiere an eine externe Hilfe in einem fremden Land wenden zu müssen, ist mit Angst besetzt. Angst aufzufallen, Angst vor Mangel an Verständigung, Angst vor der Behandlung, Angst entdeckt oder abgeschoben zu werden.

 

Die Schicksale dieser Menschen sind vielfältig, ihre Krankheitssymptome ebenso. Seit mehr als fünf Jahren finden bei AMBER-MED Menschen ohne Versicherungsschutz ambulante medizinische Versorgung, soziale Beratung und Medikamentenhilfe. AMBER-MED ist ein Gemeinschaftsprojekt von Rotem Kreuz und Diakonie.

 

25 ehrenamtliche Ärzte, Therapeuten, Dolmetscher sowie drei hauptamtlich Tätige und ein Zivildienstleistender versorgen und beraten die Patienten im Rotkreuz-Katastrophenhilfszentrum in Wien-Inzersdorf.

 

Sprache schafft Vertrauen

 

Bei Eintreffen der Hilfesuchenden wird zu allererst nach ihrer Sprache und nicht nach ihrem Namen, ihrer Versicherung, Ausweis oder Impfpass gefragt. Hier soll Vertrauen geschaffen werden und das gelingt am besten über die Muttersprache.

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