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Arm trotz Arbeit - ein trauriges Phänomen, das vor allem Frauen betrifft: 14 Prozent der erwerbstätigen Frauen in Österreich leben mit einem Einkommen unter 785 Euro im Monat. Sie zählen damit zu den "Working Poor", deren Einkommen unter der Armutsgrenze liegt. Mit ihnen drohen ihre Kinder in akute Armut abzurutschen. Auch viele Migranten laufen Gefahr trotz Arbeit zu verarmen.

 

 

„Working Poor“

Arbeit, insbesondere Erwebsarbeit, nimmt in unserer Gesellschaft einen hohen Stellenwert ein: das Einkommen dient der Existenzsicherung, und nicht zuletzt ist der Arbeitsplatz ein wichtiger Ort sozialer Partizipation.


Arbeitslose – vor allem Langzeitarbeitslose – sowie Menschen mit wenig Bildung und geringen Qualifikationen (d. h. mit relativ schlechten Chancen auf dem Arbeitsmarkt) sind in einem hohen Ausmaß von Armut und sozialer Ausgrenzung betroffen oder armutsgefährdet.


Doch viele Menschen sind erwerbstätig – oft sogar vollzeitbeschäftigt – und können dennoch nicht von ihrem Gehalt leben, da dieses unter der Armutsgrenze liegt – sie sind „Working Poor“.

 

Bei den von ihnen ausgeübten Tätigkeiten handelt es sich um Niedriglohnbeschäftigungen bzw. atypische Beschäftigungsverhältnisse wie geringfügige oder Teilzeit-Arbeit. Meist gibt es in den betroffenen Familien nur eine Alleinverdiener.

 

Mehrkindfamilien und Familien mit Migrationshintergrund sind besonders gefährdet. Zahlreiche Faktoren wie unregelmäßige und unsichere Arbeitszeiten, kaum arbeitsrechtliche Ansprüche und Schutzbestimmungen sowie großer Druck belasten diese Menschen neben ihrem geringen und oft ungewissen Einkommen in psychischer und physischer Hinsicht noch zusätzlich stark.


Ob jemand arm ist, hängt also nicht nur davon ab, ob er oder sie eine bezahlte Arbeit hat. Dass das Phänomen der „Working Poor“ in Österreich definitiv existiert, belegen Ergebnisse der EU-SILC 2010: Rund 206.000 Personen bleiben trotz Erwerbstätigkeit armutsgefährdet. Gegenüber dem Jahr 2004 ist eine Reduktion der Zahl der Betroffenen um ein Viertel festzustellen. Leider ist das kein Hinweis auf eine Besserung, denn als Hauptgrund gibt die Statistik Austria die vermehrte Abwanderung von „working poor“ in die Arbeitslosigkeit an. 

 

Armut ist weiblich

568 000 Frauen (13 %) in Österreich sind von Einkommensarmut betroffen, etwa die Hälfte davon ist akut arm.
Dafür gibt es mehrere Gründe: Frauen sind im Vergleich zu Männern häufiger in prekären Beschäftigungsformen tätig bzw. arbeiten in Teilzeit. Daraus resultieren nicht nur ein geringes Einkommen, sondern auch sehr begrenzte Ansprüche bezüglich der Arbeitslosen- und Pensionsversicherung. Hinzu kommt die generelle, oft gravierende Einkommensdiskriminierung. Außerdem übernehmen Frauen nach wie vor den größten Teil der unbezahlten Arbeit, etwa Haushalt, Kindererziehung oder Pflege, was wiederum nicht selten in ein Abhängigkeitsverhältnis zum Ehemann führt. Für Alleinerzieherinnen in prekären Arbeitsverhältnissen ist die Lage ganz besonders schwierig.

 

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Schwerer Start: Armut ist vererbbar.

Kindheit ohne Chancen

In Österreich leben rund 43 600 Kinder und Jugendliche unter Sozialhilfebedingungen und damit schon früh unter schlechten Grundvoraussetzungen: ihr Gesundheitszustand sowie ihre Ernährung sind mangelhaft, sie leiden häufig unter beengten, gesundheitsschädigenden Wohnsituationen.

 

Den sie umgebenden Mangelzustand erleben diese Kinder und Jugendlichen oft als beschämend und traumatisch. Sie können sich kaum Konsumprodukte leisten und Schulausflüge oder Reisen zu finanzieren ist für ihre Familien unmöglich. Nicht selten sind Diskriminierung und Ausgrenzung im Schul- und Freizeitbereich die Folge. Die Bildungschancen – und damit die Zukunftschancen – von Kindern und Jugendlichen aus armen Familien sind außerdem stark eingeschränkt, da aufgrund des österreichischen Schul- und Bildungssystems das Einkommen der Eltern den Bildungsweg ihrer Kinder wesentlich mitbestimmt und es auf diese Weise zu einer frühzeitigen sozialen Auslese kommt. Das Risiko in Armut lebender Kinder, später von Armut betroffene Erwachsene zu werden ist enorm hoch – Armut ist leider „vererbbar“.

 

Armut und Migration

Migranten und Menschen mit Migrationshintergrund sind aufgrund mehrerer Faktoren vergleichsweise häufig von Armut betroffen. Sie verrichten durch einen nur begrenzten Zugang zum Arbeitsmarkt überdurchschnittlich oft schlecht bezahlte Arbeit, ihre Wohnsituation ist mangelhaft, sie werden zudem in unterschiedlichen Lebensbereichen mit Rassismus und Diskriminierung konfrontiert. Dazu kommen ein häufig niedrigeres Bildungsniveau und die fehlende Anerkennung von im Herkunftsland absolvierten Ausbildungen. Ihre Kinder sind nicht zuletzt durch eingeschränkte Bildungschancen höchst gefährdet, ebenfalls in eine Armutsspirale zu geraten. Eine politische Strategie, die Migranten eine gleichberechtigte Partizipation am gesellschaftlichen Leben wie den in Österreich geborenen Menschen ermöglicht, fehlt.

 

Quellen

  • www.armutskonferenz.at
  • Statistik Austria
  • Armutsnetzwerk Oberösterreich: Fair statt prekär (Leseheft 4, 2008)
  • Schenk, Martin: Arbeit schützt vor Armut nicht! (2004)
  • Schenk, Martin: Zukunft trotz(t) Herkunft (2004)
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