Kleiner Junge, der hinter Holztür hervorschaut.

 

Formen von Armut

 

Es existieren verschiedene Begriffe zur Definition und Beschreibung des Phänomens Armut. „Armut“ bezeichnet im Allgemeinen einen Zustand des Mangels und wird in Abhängigkeit historischer und geografischer Bedingungen unterschiedlich definiert. Im Rahmen wirtschaftlicher Armut wird zwischen „absoluter“ und „relativer“ Armut unterschieden.

„Absolute Armut“ bezeichnet – aus normativer Sicht – die Situation einer unzureichenden Sicherung des physischen Existenzminimums. Es wurde durch ein absolutes Armutskonzept, das bereits um 1900 vom Sozialforscher Seebohm Rowntree entwickelt worden war, versucht, jene Maßstäbe, die dieses Existenzminimum bestimmen, festzulegen. Indikatoren hierfür sind u. a. der tägliche Nahrungsbedarf, die Wohnsituation, benötigte Kleidung und Gesundheitsmaßnahmen. Eine längerfristige Unterschreitung der absoluten Armutsgrenze führt zum Tod – etwa durch Verhungern, Erfrieren oder Krankheiten. Da Armut aber nicht getrennt vom allgemeinen Lebensstandard der Bevölkerung eines Landes betrachtet werden kann und mit Maßstäben der absoluten Armut die Lage in entwickelten westlichen Industriestaaten nicht adäquat beschrieben werden kann, verwendet man in der Wirtschafts- und Sozialwissenschaft zumeist relative Armutsbegriffe.
„Relative Armut“ ist ein Phänomen der gesellschaftlichen und sozialen Ungleichheit. Der Begriff beschreibt Armut im Vergleich zum sozialen Umfeld eines Menschen und ist mit Einschränkungen in zentralen Lebensbereichen verbunden. Zu den Indikatoren zählen neben physischen Grundbedürfnissen auch soziale und psychische Bedürfnisse.

 

Bedürfnispyramide nach Maslow
Bedürfnispyramide nach Maslow

Die Bedürfnispyramide

Im Rahmen einer Definition des Phänomens Armut müssen die Bedürfnisse der Menschen festgelegt werden. Der amerikanische Psychologe Abraham H. Maslow entwickelte hierfür das Modell der „Bedürfnispyramide“, das eine fünfstufige Hierarchie menschlicher Bedürfnisse und entsprechender Motivationen darstellt. Grundlegend ist die Befriedigung physiologischer Bedürfnisse wie u. a. jene nach Nahrung, Gesundheit, Wärme und Wohnraum. Danach folgt die Erfüllung von Sicherheitsbedürfnissen (etwa Stabilität, Geborgenheit, Angstfreiheit). Die dritte Stufe bilden soziale Bedürfnisse (z. B. Liebe, Freundschaft, Familie, Zugehörigkeitsgefühl). Darauf folgen die Bedürfnisse nach Anerkennung und Wertschätzung, an fünfter und höchste Stelle stehen Selbstverwirklichung und Individualität.

 

Armutsgefährdung und soziale Ausgrenzung

Die Armutsgefährdungsgrenze liegt in der EU bei 60 % des Median-Pro-Kopf-Haushaltseinkommens, dem Durchschnittseinkommen der Einwohner/innen eines Landes bezogen auf den Zeitraum eines Jahres.

 

In Österreich betrug es im Jahr 2010 1.031 Euro für einen Einpersonenhaushalt. Wer weniger Geld zur Verfügung hat, gilt als armutsgefährdet. Oft wird an diesem Armutskonzept die Willkür der Ziehung der verschiedenen Armutsgrenzen kritisiert. Menschen, die in einer manifesten (oder sichtbaren) Armutslage leben, können sich die Erfüllung elementarer Grundbedürfnisse sowie die Anschaffung üblicher Konsumgüter nicht leisten und beziehen ein armutsgefährdetes Einkommen.


Der Begriff Armut wird heute verstärkt durch jenen der sozialen Ausgrenzung ersetzt bzw. ergänzt, denn Armutsgrenzen können alleine kaum die Bedeutungen und Auswirkungen von Armut darstellen. Da soziale Ausgrenzung finanzielle und soziale Faktoren – etwa die Wohnsituation oder die Partizipation am gesellschaftlichen Leben – kombiniert und einen dynamischen Prozess beschreibt, ist sie quantitativ weit schwieriger zu erfassen als „einfache“ Armutsindikatoren.

  

Quellen:

 

Factbook Armut Teil 1

 

 

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