Mensch beim Straßenkehren

Schlechte Bildung, schlechte Chancen

Schreibmaterial, Bücher, neue Kleidung – für Kinder aus armen Familien sind solche Anschaffungen keineswegs selbstverständlich. Ganz zu schweigen von Sportwochen oder Sprachkursen – dafür ist schlicht kein Geld vorhanden. Für die betroffenen Kinder bedeutet das oft verlorene Bildungsschancen.

 

Das österreichische Schulsystem trägt zudem zu einer frühzeitigen sozialen Auslese bei – die Teilnahme am Bildungssystem wird massiv von der sozialen Position und dem Einkommen der Eltern beeinflusst. So besuchen Kinder aus höheren Bildungs-, Berufs- und Einkommensschichten öfter Schulen, die zu einem höheren Bildungsabschluss führen. Kinder, deren Eltern über ein niedriges Einkommen verfügen, gehen mehr als doppelt so oft nach der Volksschule in eine Hauptschule. Für Kinder aus Familien, die von Armut betroffen sind, sind die Lern- und Erfahrungsmöglichkeiten eingeschränkt – auch ihre außerschulische Bildung und die Förderung ihrer Interessen kann seitens der Familie aufgrund der knappen Haushaltskasse – und oft auch aufgrund von Informationsmangel – nicht ausreichend unterstützt werden. Teure Nachhilfestunden sind für Familien mit niedrigem Einkommen nicht finanzierbar.

 

Grafik: Abhängigkeit des Schulbesuches vom Einkommen der Eltern.
Grafik: Besuch einer AHS oder BHS in Abhängigkeit vom Erwerbseinkommen der Eltern. Zum Vergrößern auf die Grafik klicken.

 

 

Sozialexperte Martin Schenk erkennt hier eine drohende Gefahr für das spätere Leben der Kinder:

„In Haushalten, die unter der Armutsgrenze leben, muss das vorhandene Einkommen für das Notwendigste ausgegeben werden: Wohnen, Heizen und Ernährung. Für Sozialkontakte, Bildung, gar Nachhilfestunden bleibt da nichts mehr übrig. Dann schlägt die angespannte finanzielle Situation in Armutshaushalten auch auf den Alltag der Kinder durch. Und auf ihre Zukunft.“

 

Auch Angebote in der Erwachsenen- bzw. Weiterbildung können von armen Menschen seltener in Anspruch genommen werden, denn diese kosten Zeit und Geld. Finanzielle Armut führt in den meisten Fällen somit auch zu Bildungsarmut.

 

Quellen:

  • www.armutskonferenz.at
  • Bacher, Johann: Mehr Bildungschancen für alle! Analysen, Hintergründe und Forderungen (2005)
  • Salentin, Kurt: Nicht nur zu wenig Geld. Armut, Scham und die Folgen. (2008)
  • Schenk, Martin: Armut kann Ihre Gesundheit gefährden. (2004)
  • Schenk, Martin: Kein Kind beschämen! (2006)
  • www.statistik.at

 

 

Factbook Armut Teil 4

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