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„Für eine Aufgabe solcher Art kann man keine Lohnarbeiter brauchen. In der Tat werden bezahlte Helfer mit der Zeit roh, andere lassen sich durch Ekel abschrecken oder werden träge infolge Ermüdung. So braucht man also freiwillige Helferinnen und Helfer, die im Voraus ausgebildet, geschickt und mit ihrer Aufgabe vertraut sind ...“
(Henry Dunant, Gründer des Roten Kreuzes, in „Eine Erinnerung an Solferino“, 1862)

 

Drei Millionen Österreicherinnen und Österreicher leisten freiwillige Arbeit. Studien und Berichte der letzten Jahre geben Aufschluss über einige interessante statistische Merkmale im Bereich der Freiwilligentätigkeit – innerhalb Österreichs und international.

 

Freiwilligenarbeit in Österreich: Genderdifferenzen und Jugendliche

Frauen und Männer leisten unter sehr unterschiedlichen Voraussetzungen Freiwilligenarbeit, wodurch es zu teils starken Unterschieden kommt. Bis Anfang des 20. Jahrhunderts waren Frauen gesetzlich von der Partizipation am Vereinsleben ausgeschlossen. Heute macht vor allem die ungleiche Verteilung von bezahlter Erwerbsarbeit und unbezahlter Haus- und Familienarbeit die Differenzen zwischen Frauen und Männern aus.
Die Beteiligungsquote von Männern an Freiwilligenarbeit ist mit 47 % höher als jene von Frauen (41 %). Männer engagieren sich vor allem in der formellen Freiwilligenarbeit stärker: 33 % aller erwachsenen Männer und 23 % aller erwachsenen Frauen sind innerhalb einer Organisation freiwillig tätig. In der Freiwilligenarbeit besteht allerdings kein signifikanter Unterschied zwischen Frauen undMännern – Frauen beteiligen sich mit 28 % etwas mehr als Männer (27 %). leisten insgesamt etwas mehr Frauen (54 %) als Männer (46 %) freiwillige Arbeit, die meisten Freiwilligen engagieren sich im Gesundheitsbereich.

 

Freiwilliges Engagement ist in Österreich unter Jugendlichen stark verbreitet – die Beteiligungsquote von 45 % entspricht in etwa jener der Erwachsenen. Männliche Jugendliche sind etwas häufiger freiwillig tätig (48 %) als weibliche (41 %), bei den Burschen sinkt das Engagement jedoch etwas, wenn sie älter werden, bei den Mädchen steigt es. Jugendliche sind vorrangig aktiv im Bereich Kultur, gefolgt von Katastrophenhilfe, Sport und Religion.(Vgl.: „Freiwilligenbericht“, 2009)

Frewilligkeit im Österreichischen Roten Kreuz

Im ÖRK stehen 56.773 Freiwillige etwa 8.336 Hauptberuflichen gegenüber.


Laut dem Jahresbericht 2011 findet der Großteil der freiwilligen Arbeit im Rettungsdienst statt: Dort engagieren sich 32.365 freiwillige Mitarbeiter/innen. Im Bereich Pflege und Betreuung steigt die Anzahl der Freiwilligen seit 2008 kontinuierlich. 5.572 Mitarbeiterinnen sind dort tätig.  

 

Die Leistung der Rotkreuz-Freiwilligen lässt sich auch in Zahlen ausdrücken: Über 10,4 Millionen Arbeitsstunden haben die Freiwilligen im Roten Kreuz im Jahr 2011 geleistet. Bewertet man die freiwillige Zeitspende mit € 27,- pro Stunde, so ergibt sich eine Summe von über 281 Millionen Euro.


Videopodcast: ÖRK-Freiwillige über ihren Einsatz

Freiwilligenarbeit im Roten Kreuz auf internationaler Ebene

Die Internationale Rotkreuz- und Rothalbmond-Föderation (IFRC) bildet mit rund 100 Millionen Freiwilligen, Mitgliedern und Unterstützern in derzeit 187 national organisierten Gesellschaften das größte humanitäre Netzwerk der Welt.

 

Durchschnittlich leisten auf der ganzen Welt zwei von 1000 Menschen freiwillige Arbeit für die Rotkreuz- und Rothalbmond-Bewegung. Sie haben weltweit im Jahr 2009 Freiwilligenarbeit im Wert von rund 6 Milliarden US-Dollar erbracht – das sind etwa 90 US-Cent pro Person der Gesamtbevölkerung der Erde. Auf einen bezahlten Beschäftigten beim Roten Kreuz kommen durchschnittlich 20 freiwillige Mitarbeiter. Allein in Katastropheneinsätzen können durch die Freiwilligen rund 30 Millionen Betroffene erreicht werden.


Der Wert der Freiwilligenarbeit, die für die Rotkreuz-Bewegung geleistet wird, lässt sich aber nicht ausschließlich finanziell ermessen: hinzu kommt der enorme soziale Wert – für die Gemeinschaft, die Organisation und jeden einzelnen Freiwilligen selbst.
(Vgl.: „The value of volunteers“, IFRC 2011 – Link zum PDF)

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