Ein Grundsatz des Roten Kreuzes.

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Freiwilligkeit ist eine wichtige Säule unseres Sozialsystems. Freiwilligkeit ist der „Kitt“, der die Gesellschaft zusammenhält. Rund 45 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher über 15 Jahren engagieren sich innerhalb von verschiedenen Organisationen, Vereinen, Initiativen oder in der Nachbarschaftshilfe freiwillig und unentgeltlich – in ihrer Freizeit.

 

Freiwilligkeit stellt einen der sieben Grundsätze der internationalen Rotkreuz- und Rothalbmondbewegung dar, die der Schweizer Jurist Jean Pictet (1914-2002) im Jahr 1955 umfassend interpretierte und kommentierte. Der Experte für humanitäres Völkerrecht war Mitglied und später Vizepräsident des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz. Er umschrieb in seinem Kommentar die Unterschiedlichkeit der Begriffe Freiwilligkeit, Ehrenamt und Uneigennützigkeit.

„Der Freiwillige wird von seinem Verlangen zu helfen und seinem Mitgefühl getrieben“, Jean Pictet (Vgl.: Jean Pictet: Die Grundsätze des Roten Kreuzes, Kommentar. Genf/Bonn 1990)

 

„Freiwilligkeit“ bedeutet, Leistungen uneigennützig und ohne Gewinnstreben zu erbringen. In nahezu allen Lebensbereichen erbringen Menschen Freiwilligenarbeit. Sie wird zwar immer aus freien Stücken und ohne Zwang, aber nicht notwendigerweise unbezahlt verrichtet. Freiwilligenarbeit umfasst Tätigkeiten, die außerhalb des eigenen Haushalts stattfinden, wobei die Tat im Vordergrund steht, nicht der Profit. Die Vielfältigkeit der Tätigkeitsbereiche – u. a. soziale Dienste, Bildung, Katastrophenhilfe, Sport, Kultur, Politik – zeigt die große Bedeutung der Freiwilligenarbeit.

Formelle und informelle Freiwilligenarbeit

Bei der Freiwilligenarbeit wird zwischen formeller und informeller Leistung unterschieden. „Formelle Freiwilligenarbeit“ beinhaltet jene Aktivitäten, die im Rahmen einer Organisation, eines Vereines oder einer Institution erfolgen.
„Informelle Freiwilligenarbeit“, oft auch „Nachbarschaftshilfe“ genannt, erfolgt aus persönlicher Initiative ohne jeden institutionellen Rahmen im privaten Bereich und umfasst z.B. Haushalts- und Gartenarbeiten, das Erledigen von Einkäufen oder auch Kinderbetreuung. (Vgl.: Statistik Austria: Struktur und Volumen der Freiwilligenarbeit in Österreich, 2008).

 

Der Begriff „Ehrenamt“ bezeichnet Tätigkeiten, die stets unentgeltlich geleistet werden. Das Rote Kreuz ist zur Erfüllung seiner Aufgaben auf zwei Formen der Spende angewiesen: finanzielle (materielle) Spenden und Zeitspenden. Unter der Uneigennützigkeit des Roten Kreuzes versteht man, dass es kein Eigeninteresse hat, bzw. dass seine Interessen und die der Menschen, denen es hilft, zusammenfallen. Rotkreuzorganisationen richten ihre Entscheidungen und ihr Handeln nach dem humanitären Interesse der hilfs- oder schutzbedüftigen Personen aus.

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