Vom 13. bis 16. April fand eine Konferenz mit 52 teilnehmenden Rotkreuz und Rothalbmondgesellschaften in der Wiener Hofburg statt. Ziel der 250 Delegierten war es, gemeinsame Lösungen für die humanitären Herausforderungen der nächsten Jahre und Jahrzehnte zu erarbeiten. Wie hilft das Rote Kreuz in Krisenzeiten, in denen weniger Einnahmen immer mehr Bedarf gegenüberstehen? Die Wirtschaftskrise und ihre Auswirkungen auf die humanitäre Arbeit, die alternde Gesellschaft und multikulturelle Interaktion in Zeiten wachsender Migration diskutierten hochrangige Rotkreuz-Vertreter bei einem Roundtable-Gespräch anlässlich der Konferenz. Das Rote Kreuz als weltumspannende Organisation bekommt in der täglichen Arbeit die Auswirkungen der Wirtschaftskrise zu spüren. Bengt Westerberg, Generalsekretär des schwedischen Roten Kreuzes und Vizepräsident der Internationalen Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften nennt Beispiele: OT Westerberg 1 ÜS: Das sind zwei verschiedene Aspekte: Wir haben Erfahrungen gemacht mit Menschen die von der Krise direkt betroffen sind: Einige der nationalen Rotkreuzgesellschaften versuchen diesen Menschen zu helfen. Ein Beispiel dafür ist das spanische Rote Kreuz, das rund 500.000 Menschen täglich mit Nahrung versorgt. In Kirgisische Rote Kreuz ist ebenfalls im Einsatz. Der Staat von Krigisistan ist stark abhängig von den Zuwendungen der Bürger aus dem Ausland. Jetzt findet kaum jemand einen Job im Ausland, so dass diese Menschen zurückkehren und auch in Kirgisistan keine Arbeit finden. Das Rote Kreuz hat die Situation erkannt und davor gewarnt. Es wird versucht diesen Leuten zu helfen. Aber für das Kirgisische Rote Kreuz ist es genauso wie für andere nationale Rotkreuzgesellschaften schwierig Geldmittel in Zeiten der Krise aufzubringen. Die Wirtschaftskrise ist und bleibt also eine Herausforderung für die Rotkreuz- und Rothalbmond-Bewegung und ihre Mitarbeiter, die versuchen in dieser Situation zu helfen. Die Folgen der Wirtschaftskrise werden uns höchstwahrscheinlich in den kommenden Jahren vor große Herausforderungen stellen. Die Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften weltweit stehen jedoch weiteren Situationen gegenüber. Eine davon ist die zunehmende Überalterung der Bevölkerung. Sind derzeit rund 36 Prozent der EU-Bürger älter als 50 Jahre, so wird diese Gruppe in den nächsten 25 Jahren auf die Hälfte der Gesamtbevölkerung ansteigen. Für die Arbeit des Roten Kreuzes ergeben sich damit viele neue Aufgaben aber auch Chancen, erklärt Wolfgang Kopetzky, Generalsekretär des Österreichischen Roten Kreuzes. OT Kopetzky 1 ÜS: Aber daraus ergibt sich auch eine Chance für Organisationen wie das Rote Kreuz, denn wir arbeiten daran, auch älteren Mitgliedern der Gesellschaft die Möglichkeit zu geben hier mitzuarbeiten. Wir sehen, dass gerade diese Gruppe eine sehr hohe Bereitschaft zur freiwilligen Tätigkeit zeigt. Und für uns ergibt sich die Chance das zu nutzen, um den erhöhten Personalbedarf im Pflegebereich zu decken. Nichts desto trotz zwingt die demographische Entwicklung die Politik dazu, das Gesundheitssystem grundlegend darauf abzustimmen. Organisationen wie das Rote Kreuz stellen ein Bindeglied zwischen Bevölkerung und Politik dar. Mit seiner Erfahrung muss und wird das Rote Kreuz wertvolle Ideen für Strategien zur Lösung dieser Herausforderungen liefern. Eine der ureigensten Aufgaben des Roten Kreuzes ist die Flüchtlingsarbeit. 35 der 52 europäischen Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften sind in diesem Bereich Tätig. Das Leistungsspektrum reicht dabei von der Nothilfe für Asylwerber bis hin zu langfristigen Integrationsprojekten. Die Integration von Zuwanderern gehört dabei wohl zu den größten Herausforderungen für die Gesellschaften. Das Rote Kreuz kann dazu einen wichtigen Beitrag leisten ist Bekel Geleta, Generalsekretär der internationalen Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften überzeugt. OT Geleta 2 ÜS: Zuerst muss einem klar werden, dass sich eine Kultur über Nacht nicht ändern kann. Das ist ein schwieriger und langer Weg. Das braucht Zeit. Und zweitens ist es besonders wichtige für Organisationen wie das Rote Kreuz, dass sie bei ihren eigenen Mitarbeitern, den freiwilligen und den hauptberuflichen, damit beginnen, dieses Verständnis zu verinnerlichen. Integration ist für beide Seiten – den Migranten aber auch für die lokale Bevölkerung - ein Geben und Nehmen, oder besser gesagt ein Übernehmen. Und für Organisationen wie das Rote Kreuz bedeutet das – ohne politischen Einfluss nehmen zu wollen – daran teilzuhaben und ein gegenseitiges Beeinflussen zu akzeptieren und zu fördern. Die Ergebnisse der Konferenz sind in den „Vienna Commitments“ zusammenfasst. In diesem Schlussdokument wird zur europäischen Solidarität aufgerufen. Die Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften Europas benötigen jetzt die entsprechende finanzielle und ideelle Unterstützung, um gemeinsam den zukünftigen Herausforderungen rund um die Wirtschaftskrise, den demografischen Wandel und die Integration adäquat begegnen zu können.
Download mp3 (Rechter Mouseklick/ Speichern unter)

Text des Podcasts

 

Vom 13. bis 16. April fand eine Konferenz mit 52 teilnehmenden Rotkreuz und Rothalbmondgesellschaften in der Wiener Hofburg statt. Ziel der 250 Delegierten war es, gemeinsame Lösungen für die humanitären Herausforderungen der nächsten Jahre und Jahrzehnte zu erarbeiten.

Wie hilft das Rote Kreuz in Krisenzeiten, in denen weniger Einnahmen immer mehr Bedarf gegenüberstehen? Die Wirtschaftskrise und ihre Auswirkungen auf die humanitäre Arbeit, die alternde Gesellschaft und multikulturelle Interaktion in Zeiten wachsender Migration diskutierten hochrangige Rotkreuz-Vertreter bei einem Roundtable-Gespräch anlässlich der Konferenz.

Das Rote Kreuz als weltumspannende Organisation bekommt in der täglichen Arbeit die Auswirkungen der Wirtschaftskrise zu spüren. Bengt Westerberg, Generalsekretär des schwedischen Roten Kreuzes und Vizepräsident der Internationalen Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften nennt Beispiele:

 

OT Westerberg 1

 

ÜS: Das sind zwei verschiedene Aspekte: Wir haben Erfahrungen gemacht mit Menschen die von der Krise direkt betroffen sind: Einige der nationalen Rotkreuzgesellschaften versuchen diesen Menschen zu helfen. Ein Beispiel dafür ist das spanische Rote Kreuz, das rund 500.000 Menschen täglich mit Nahrung versorgt. In Kirgisische Rote Kreuz ist ebenfalls im Einsatz. Der Staat von Krigisistan ist stark abhängig von den Zuwendungen der Bürger aus dem Ausland. Jetzt findet kaum jemand einen Job im Ausland, so dass diese Menschen zurückkehren und auch in Kirgisistan keine Arbeit finden. Das Rote Kreuz hat die Situation erkannt und davor gewarnt. Es wird versucht diesen Leuten zu helfen. Aber für das Kirgisische Rote Kreuz ist es genauso wie für andere nationale Rotkreuzgesellschaften schwierig Geldmittel in Zeiten der Krise aufzubringen. Die Wirtschaftskrise ist und bleibt also eine Herausforderung für die Rotkreuz- und Rothalbmond-Bewegung und ihre Mitarbeiter, die versuchen in dieser Situation zu helfen.

 

Die Folgen der Wirtschaftskrise werden uns höchstwahrscheinlich in den kommenden Jahren vor große Herausforderungen stellen. Die Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften weltweit stehen jedoch weiteren Situationen gegenüber. Eine davon ist die zunehmende Überalterung der Bevölkerung. Sind derzeit rund 36 Prozent der EU-Bürger älter als 50 Jahre, so wird diese Gruppe in den nächsten 25 Jahren auf die Hälfte der Gesamtbevölkerung ansteigen. Für die Arbeit des Roten Kreuzes ergeben sich damit viele neue Aufgaben aber auch Chancen, erklärt Wolfgang Kopetzky, Generalsekretär des Österreichischen Roten Kreuzes.

 

OT Kopetzky 1

 

ÜS: Aber daraus ergibt sich auch eine Chance für Organisationen wie das Rote Kreuz, denn wir arbeiten daran, auch älteren Mitgliedern der Gesellschaft die Möglichkeit zu geben hier mitzuarbeiten. Wir sehen, dass gerade diese Gruppe eine sehr hohe Bereitschaft zur freiwilligen Tätigkeit zeigt. Und für uns ergibt sich die Chance das zu nutzen, um den erhöhten Personalbedarf im Pflegebereich zu decken.

 

Nichts desto trotz zwingt die demographische Entwicklung die Politik dazu, das Gesundheitssystem grundlegend darauf abzustimmen. Organisationen wie das Rote Kreuz stellen ein Bindeglied zwischen Bevölkerung und Politik dar. Mit seiner Erfahrung muss und wird das Rote Kreuz wertvolle Ideen für Strategien zur Lösung dieser Herausforderungen liefern.

 

Eine der ureigensten Aufgaben des Roten Kreuzes ist die Flüchtlingsarbeit. 35 der 52 europäischen Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften sind in diesem Bereich Tätig. Das Leistungsspektrum reicht dabei von der Nothilfe für Asylwerber bis hin zu langfristigen Integrationsprojekten.

 

Die Integration von Zuwanderern gehört dabei wohl zu den größten Herausforderungen für die Gesellschaften. Das Rote Kreuz kann dazu einen wichtigen Beitrag leisten ist Bekel Geleta, Generalsekretär der internationalen Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften überzeugt.

 

OT Geleta 2

 

ÜS: Zuerst muss einem klar werden, dass sich eine Kultur über Nacht nicht ändern kann. Das ist ein schwieriger und langer Weg. Das braucht Zeit. Und zweitens ist es besonders wichtige für Organisationen wie das Rote Kreuz, dass sie bei ihren eigenen Mitarbeitern, den freiwilligen und den hauptberuflichen, damit beginnen, dieses Verständnis zu verinnerlichen. Integration ist für beide Seiten – den Migranten aber auch für die lokale Bevölkerung - ein Geben und Nehmen, oder besser gesagt ein Übernehmen. Und für Organisationen wie das Rote Kreuz bedeutet das – ohne politischen Einfluss nehmen zu wollen – daran teilzuhaben und ein gegenseitiges Beeinflussen zu akzeptieren und zu fördern.

 

Die Ergebnisse der Konferenz sind in den „Vienna Commitments“ zusammenfasst. In diesem Schlussdokument wird zur europäischen Solidarität aufgerufen. Die Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften Europas benötigen jetzt die entsprechende finanzielle und ideelle Unterstützung, um gemeinsam den zukünftigen Herausforderungen rund um die Wirtschaftskrise, den demografischen Wandel und die Integration adäquat begegnen zu können.

socialshareprivacy info icon