Das Österreichische Rote Kreuz richtet anlässlich der Regierungsbildung eine To-Do-Liste an die neue Regierung. Das Rote Kreuz fordert, dass die Politik die Rahmenbedingungen schafft, damit sich die Zivilgesellschaft entfalten kann. Hören Sie Teil 2 der 6-teiligen Serie über die Forderungen aus dem Bereich Migration und Integration.
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Das Österreichische Rote Kreuz richtet anlässlich der Regierungsbildung eine To-Do-Liste an die neue Regierung. Das Rote Kreuz fordert, dass die Politik die Rahmenbedingungen schafft, damit sich die Zivilgesellschaft entfalten kann. Hören Sie Teil 2 der 6-teiligen Serie über die Forderungen aus dem Bereich Migration und Integration.


Zwei Sprachen sind doppelt so viel wie eine, Mehrsprachigkeit ist ein soziales Asset, aber auch auf dem Arbeitsmarkt immer ein Vorteil. Der Erwerb der deutschen Sprache fällt auch viel leichter, wenn er auf einer muttersprachlichen Basis stattfinden kann. Das „Auslöschen“ der Muttersprache zugunsten eines „Neuanfangs“ auf Deutsch ist ein unhaltbares Konzept, dass die Kompetenzen und Ressourcen von Kindern limitiert.


Genauso sinnlos erscheinen Brachialmaßnahmen wie die Kenntnis der deutschen Sprache für alle Zuwanderer. Dieser Standpunkt übersieht, dass Zuwanderer in Österreich durchaus erwünscht und von vielen Wirtschaftszweigen sogar verlangt werden. Auch die Studiengebühren sollten nicht nur für EU-Bürgerinnen und Bürger wegfallen, sondern auch für Flüchtlinge.


Viele Migrationsprobleme sind nicht „kulturell“ oder „ethnisch“ bedingt, sondern haben ihre Ursache in der Art, wie der österreichische Staat mit Migrantinnen und Migranten umgeht. So lange es keinen geregelten Zugang zum Arbeitsmarkt gibt, so lange es eine ethnische Segmentierung des Arbeitsmarktes gibt, so lange sind Vergleichsstatistiken zum Thema Kriminalität oder Bildung oder Integration kaum aussagekräftig.


Wer sich in Österreich aufhält, soll hier auch arbeiten dürfen – und im besten Fall seinen Migrationshintergrund als Ressource einsetzen können.
Der Fachkräftemangel bremst Wachstum und Beschäftigung in allen Sektoren der Wirtschaft. Jede fehlende Schlüsselkraft steht für zwei entgangene Arbeitsplätze, sodass der Beschäftigungszuwachs immer mehr an Dynamik einbüßen wird. International herrscht starker Wettbewerb um die gut qualifizierten Arbeitskräfte. Um die Nachfrage der Wirtschaft nach diesen Schlüsselkräften zu decken, sollte auch die Gruppe der im Land befindlichen und qualifizierten Asylwerber stärker in den Arbeitsmarkt integriert werden können.


Insgesamt gilt es, das Integrationsthema zu versachlichen, um ein integrationsfreundliches gesellschaftliches Klima zu schaffen. Dafür wird es nicht nur konkrete Maßnahmen brauchen, sondern auch eine weniger einseitige Berichterstattung in den Medien. Auch die Regierung ist gefordert, das Problem zu thematisieren und in der Öffentlichkeit als das darzustellen, was es ist: eine Chance für die österreichische Gesellschaft.

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