Eine Auswahl an Sprengkörpern und Antipersonenminen.

Sie gleichen Plastiktellern oder Schmetterlingen, sie liegen unweit von Dörfern auf Äckern und in Straßenrändern und sie bedrohen das Leben von Kindern und deren Familien: Antipersonenminen. In Ländern wie Afghanistan, Bosnien, Kolumbien und Somalia, Sudan (siehe: Landminen, Problem in the World, Gebrauch von Landminen, Quelle: Landmine Monitor Report 2003 - Jasmine Desclaux-Salachas) - um nur einige zu nennen - bedeuten die Arbeit auf dem Feld, die Suche nach Feuerholz, der Weg zur Schule, das Spielen im Dorf ein todbringendes Risiko. Nach Angaben der Vereinten Nationen liegen über 100 Millionen Antipersonenminen weltweit vergraben und weitere 200-250 Millionen Antipersonenminen werden in den Depots der Militärs vermutet (siehe: Vorräte, Quelle: Landmine Monitor Report 2003 - Jasmine Desclaux-Salachas). Die "Internationalen Kampagne gegen Minen" (ICBL) schätzt, dass jedes Jahr 15.000 bis 20.000 Menschen durch diese heimtückischen Apparate verletzt, verstümmelt oder getötet werden.

 

Landminen sind gegen Menschen gerichtet. Sie werden von Wissenschaftlern entwickelt, von Ingenieuren konstruiert, von international operierenden Unternehmen produziert und verkauft und von Krieg führenden Staaten, Organisationen und Gruppen eingesetzt, um Menschen zu töten oder zu verletzen sowie ganze Regionen zu terrorisieren. Strategisch verlegt oder einfach gestreut sind Antipersonenminen primär in den armen Ländern zu "Massenvernichtungswaffen" geworden. Die Produzenten und Exporteure von Minen kommen dagegen vorzugsweise aus den Industrieländern. Für rund drei Euro ist eine Landmine einfacher Bauart auf dem Weltmarkt zu erwerben, allein die Kosten zur Räumung betragen das Dreihundertfache (sic). Laut ICBL stehen rund 150 Firmen in den Ländern der Europäischen Union im Verdacht, an der Entwicklung, Herstellung oder am Handel mit Landminen beteiligt zu sein (siehe: weltweite Produzenten, Quelle: Landmine Monitor Report 2003 - Jasmine Desclaux-Salachas).

 

 

Rohafza

Werden Landminen nicht geräumt, stellen sie gerade auch nach dem Ende eines militärischen Konflikts eine permanente Gefahr dar, da sie oft über Jahrzehnte hinweg "scharf" bleiben. Amputationen mit traumatischen psychischen und physischen Folgeschäden kennzeichnen das Schicksal von Minenopfern - vorwiegend Zivilisten und überwiegend Frauen und Kinder. Männer verlieren durch die Minen oft auch die Möglichkeit zu arbeiten und ihre Familien zu ernähren, sie werden an den Rand der Gesellschaft gedrängt. Rehabilitation und Wiedereingliederung dieser Menschen in ihre Gesellschaften gestalten sich äußerst schwierig. Doch Minen zerstören nicht nur Menschen, sie verursachen auch großen Schaden in Infrastruktur und Landwirtschaft. Acker- und Weideflächen, die mit Minen verseucht sind, können nicht genutzt werden, Vieh wird getötet, die Suche nach Wasser und Brennholz wird für die Menschen zu einer lebensgefährlichen Arbeit. Außerdem wird die humanitäre Hilfe behindert (Hilfstransporte müssen z. B. per Flugzeug durchgeführt werden) und viele der Kriegsflüchtlinge kehren nicht zurück, solange ihr Land vermint ist.

 

Am 1. März 1999 trat die "Internationale Konvention über das Verbot von Antipersonenminen" in Kraft. Beim Zustandekommen des Vertrages spielte das Österreichische Rote Kreuz eine wichtige Rolle (siehe Teil 2 "Die Ottawa-Konvention - eine Erfolgsgeschichte). Österreich war einer jener Staaten, die während der Verhandlungen auf einem Totalverbot von Antipersonenminen beharrten und denen es schließlich 1997 gelang, die Konvention durchzusetzen. Der Konventionstext selbst beruht auf einem österreichischen Entwurf. Inzwischen sind 156 Länder dem Vertrag, der so genannten Ottawa-Konvention, beigetreten: Das Übereinkommen verbietet die Entwicklung, Produktion, Lagerung, Export, Transfer und Einsatz aller Antipersonenminen. Mit dieser Kampagne war es Nichtregierungsorganisationen erstmals gelungen, ein Waffenverbot und Abrüstungsverpflichtungen auf Grund öffentlichen Drucks durchzusetzen. Obwohl weltweit bereits 50 Millionen Antipersonenminen (APM) gemäß Ottawa-Vertrag zerstört wurden, gelten immer noch 14 Staaten als Produzenten der Tötungsmaschinen. Fest steht laut Landminen-Bericht 2003, dass unter den Produzenten die drei führenden globalen Militärmächte sind: die USA, Russland und China. Alle drei wollen der Ottawa- Konvention nicht beitreten.

 

Unter dem Vorsitz von Wolfgang Petritsch, Österreichs Botschafter bei den Vereinten Nationen in Genf, fand im November 2004 in Nairobi die erste Überprüfungskonferenz der Ottawa-Konvention statt. Ziel dieser wichtigen internationalen Konferenz mit dem inoffiziellen Namen "Gipfel für eine minenfreie Welt" war es, die Weichen für die Lösung des Minenproblems in den kommenden Jahren zu stellen.

 

Teil 2: Hintergründe zur Ottawa-Konvention

Teil 3: Antipersonenminen – soziale und wirtschaftliche Folgen

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