Portrait Dr. Karl Landsteiner

Karl Landsteiner wurde am 14. Juni 1868 in Baden bei Wien geboren. Im Herbst 1885 inskribierte er an der Universität Wien. Von Anfang an war er fasziniert vom Experimentieren. Landsteiner galt unter Kollegen als „ewiger Laborant“, weil er lebende Wesen nur ungern behandelte und seine chirurgische Ausbildung ihn viel Überwindung kostete.

 

Bevor Karl Landsteiner 1901 die Blutgruppen entdeckte, war jede Transfusion ein Lotteriespiel auf Leben und Tod. Die Erkenntnis, dass Blut nicht gleich Blut ist, konnte Landsteiner mit seiner Arbeit „Über die Agglutinationserscheinungen normalen menschlichen Blutes“ beweisen. Die Betonung auf „normal“ ist das Entscheidende: Die Blutkörperchen verschiedener Menschen reagieren auf regelmäßige Weise miteinander.

 

Der Beweis

Beweisen konnte das Landseteiner ebenso einfach wie klassisch. Er hatte die Versuche mit seinem eigenen Blut und dem von fünf Mitarbeitern durchgeführt. Aus den Ergebnissen konnte er auf die Existenz dreier Blutgruppen schließen: A, B, C. Im folgenden Jahr beobachteten seine Mitarbeiter drei Personen, die sie als „ohne Typus“ einstuften. Acht Jahre später wurde daraus die heute gültige Einteilung A, B, 0, AB. Damit waren die Erkenntnisse verfügbar, die es erst ermöglichten, beinahe gefahrlos Bluttransfusionen durchzuführen.

 

Landsteiners wissenschaftliche Karriere erreichte mit der Entdeckung der Blutgruppen seinen ersten Höhepunkt, aber nicht den letzten. Seine Vorstellungen über die Natur der Antigene und Antikörper waren revolutionär. So gelang ihm unter anderem auch der Beweis für die Übertragbarkeit des Poliovirus und somit die theoretische Grundlage für die Entwicklung der Impfung.

 

Stationen in Landsteiners Karriere

 

  • 1868 geboren am 14. Juni
  • 1891 Promotion zum Doktor der Medizin
  • 1897 Assistent am pathologisch-anatomischen Institut in Wien
  • 1901 Beschreibung dreier Blutgruppen
  • 1903 Habilitation an der Universität Wien
  • 1911 Verleihung des Professorentitels
  • 1919 Prosektor am Ziekenhuis-Krankenhaus in Den Haag
  • 1922 Berufung an das Rockefeller Institute for Medical Research in New York
  • 1930 Nobelpreis für Medizin
  • 1940 Entdeckung des Rhesusfaktors mit Alexander Wiener und Philip Levine
  • 1943 Tod am 26. Juni in New York



Späte Anerkennung

Trotz seines wachsenden Ansehens hatte Österreich dem Arzt keine angemessene Position zu bieten. Mit 51 Jahren und 107 publizierten Arbeiten wanderte er aus. 1922 wurde er an das Rockefeller-Institut in New York berufen. Nachdem er in Den Haag wissenschaftliche Arbeiten bereits auf Niederländisch verfasst hatte, lernte er auch die englische Sprache schnell und bekam ein Laboratorium für chemische Untersuchungen. Eine späte Ehrung wurde ihm 1930 mit der Verleihung des Nobelpreises für seine Entdeckung der Blutgruppen zuteil. Landsteiner war aber immer der Auffassung, dass seine Arbeiten über Antigene und Antikörper wesentlich bedeutungsvoller waren und daher eher den Nobelpreis verdient hätten.

 

Im 71. Lebensjahr endete Landsteiners aktive Tätigkeit im Rockefeller-Institut, er durfte aber ein kleines Laboratorium behalten. Bereits im Ruhestand, entdeckte er dort 1940 mit Alexander Wiener und Philip Levine den Rhesusfaktor und schloss damit die Kette bedeutender Erkenntnisse, die er 40 Jahre vorher begonnen hatte.

 

Am 24. Juni 1943 erlitt der 75-jährige einen Herzinfarkt. Nur widerstrebend ließ er sich ins Spital bringen. Er starb zwei Tage später. Seine krebskranke Frau überlebte ihn um sechs Monate. Am 14. Juni 2007 wäre der Nobelpreisträger 139 Jahre alt geworden. Sein Geburtstag wird als Weltblutspendetag gefeiert.

 

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