Vor den Vorhang: Wer in Österreich Blut spendet.

Blutspendezentrale nach dem Blutspendeaufruf am 16. September 2

„Blut ist keine Ware, sondern so etwas wie ein Geschenk“, sagt Fredy Mayer, Präsident des Österreichischen Roten Kreuzes. „Für den Gebenden bedeutet eine Blutspende keinen endgültigen Verlust. Für den Empfänger ist eine Blutkonserve dagegen das ganze Leben, das er bekommt. Neun von zehn Spendern sagen, sie würden ihr Blut aus Altruismus geben.“ Wer aber sind die Menschen, die so gerne geben und anderen ihr Blut spenden? Wir haben einige von ihnen befragt:

 

Elisabeth, Schülerin der Bundesbildungsanstalt für Kindergarten- und Sozialpädagogik in St. Pölten: „Das ist das erste Mal in meinem Leben, dass ich Blut spende. Die Schulaktion hier ist wirklich ein Ansporn für uns, Blut spenden zu gehen, da alles in der Schule passiert und viele meiner Mitschüler spenden gehen. Das motiviert!" Noch weiß Elisabeth nicht, dass sie heute ein doppeltes Jubiläum feiern wird. Zum einen natürlich ihre allererste Blutspende, zum anderen ist sie die tausendste Blutspenderin an dieser Schule. Und tausend Blutspenden entsprechen immerhin dem Monatsbedarf an Blutkonserven des Krankenhauses St. Pölten!

 

Peter Stiedl, ehemaliger Wiener Polizeipräsident: „Blut ist uns alles andere als fremd. Unsere Leute sehen oft genug bei Verkehrsunfällen, aber auch nach Gewalttaten, wie wichtig Blut ist. Und man weiß ja nicht, ob man nicht selbst einmal Blut brauchen wird. Einer unserer Mitarbeiter wurde angeschossen und hat 15 Blutkonserven gebraucht." Niemand reagiert so schnell wie die Uniformierten, wenn die Blutvorräte knapp werden und ein Spendeaufruf ergeht. Stiedl: „Wenn wir hören, dass eine Blutgruppe knapp wird, verbreiten wir das über Funk." Dann dauert es nur Minuten, bis die passenden Spender gefunden sind.

 

Warum ich Blut spende?

Die Motivation der Blutspender.

 

Motivation der Blutspender
ANTWORTNennungen in %
Ich möchte mit meiner Blutspende anderen Menschen helfen.95
Ich selbst könnte auch einmal Blut brauchen.75
Meine Blutspende wird auf wichtige Infektionskrankheiten überprüft.19
Der Blutspende-Ausweis enthält wichtige medizinische Informationen für den Notfall.31
Bei der Blutspende werden die Blutgruppe und der Rhesusfaktor bestimmt. 46
Nach der Blutspende erhält man einen Imbiss und ein kleines Dankeschön.

13

Mehrfachnennungen möglich; Grundgesamtheit: 2519 Blutspender der BSZ für Wien, Niederösterreich und Burgenland

 

Aufs Heer ist Verlass

Seit es Blutspendeaktionen in Österreich gibt, ist das Bundesheer Partner des Blutspendedienstes. Mehrmals jährlich organisiert die Blutspendezentrale Aktionen in den Kasernen. Hier gehen viele Grundwehrdiener zum ersten Mal Blut spenden. Bei diesen Veranstaltungen besteht die Vereinbarung, dass bei jedem Rekruten eine Blutgruppenbestimmung durchgeführt wird. Diejenigen Soldaten, die neben der verpflichtenden Blutgruppenbestimmung auch freiwillig Blut spenden, bekommen als Dankeschön den nächsten Tag frei.

 

Organisatoren mit Ideen

Mit dem Bus kommen die Abnahmeteams der Blutspendezentrale für Wien, Niederösterreich und das Burgenland auch in kleinere Städte und Ortschaften. Die dortigen Organisatoren haben bereits Werbung gemacht und sorgen dafür, dass genügend Einheimische zur Abnahme kommen. Mit guten Ideen sorgen die Organisatoren dafür, dass Blutspenden spannend bleibt. Wie im burgenländischen Neusiedl, wo Elisabeth Thienel die Idee für einen außergewöhnlichen Event hatte: Spinnennetze, Skelette und Totenköpfe im Blutspendebus, Ärzte mit blutverschmierten T-Shirts: Die gruseligen Gestalten sind das Abnahmeteam bei der ersten „Halloween-Blutspendeaktion" im burgenländischen Neusiedl. Da es auch hier an Blutspendernachwuchs fehlt, entstand die Idee einer Halloween-Abnahme vor einem Szenelokal. Wer spendete, durfte danach ohne Eintritt ins Lokal. Die 18-jährige Melanie spendete in der Halloween-Nacht zum ersten Mal Blut: „Ich finde es wichtig, Blut zu spenden - ich kenne ja noch nicht einmal meine eigene Blutgruppe. Vielleicht kann ich damit anderen Menschen helfen. Und nach der Spende wird gefeiert!".

 

Organisatoren

180.000 Blutspenden werden Jahr für Jahr in Wien, Niederösterreich und dem Burgenland benötigt, um die Blutversorgung sicherzustellen. 110.000 Personen stellen sich jährlich als Blutspender zur Verfügung und leisten einen wertvollen Dienst an der Allgemeinheit. Damit die Abnahmeteams der Rotkreuz-Blutspendezentrale aber auch an Ort und Stelle effizient im Sinne der Blutversorgung arbeiten können, ist ein Bindeglied erforderlich.

 

In der Blutspendezentrale wird dieses Bindeglied „Organisator“ genannt. Der Begriff umschreibt die Tätigkeiten, die diese Personen freiwillig und unentgeltlich für das Rote Kreuz übernehmen. Termine koordinieren, Räumlichkeiten organisieren, Plakate aufhängen, Genehmigungen einholen usw. Und auch nach Abfahrt des Blutspendeteams gibt es noch viel zu tun. 2000 Personen sorgen im Osten Österreichs dafür, dass das Rote Kreuz alle für eine Blutspendeaktion erforderlichen Voraussetzungen vor Ort vorfindet.

 

socialshareprivacy info icon