Foto Florian Fuchsteiner

Dass es bei ihrer Arbeit um Leben und Tod geht, ist Routine. Aber dieser Fall treibt sogar dem Team der Blutspendezentrale des Roten Kreuzes Schweißperlen auf die Stirn: Drei Tage nach Neujahr 2007 liefert die Rettung eine schwangere Frau in ein Wiener Spital ein. Im Körper ihres 27 Wochen alten Babys zirkuliert sein Blut – und genau dagegen hat die Mutter Abwehrstoffe gebildet. Das Blut des Kindes beginnt zu zerfallen, aber ein Blutaustausch in der Gebärmutter kann es retten. Nur sind dafür vier Blutkonserven der Blutgruppen 0 oder A nötig – aber ohne jene Eigenschaften, die die Immunabwehr der Mutter auf den Plan gerufen hatten. Eine solche Konstellation kommt nur bei einem von 100.000 Österreichern vor.

 

Für Ärzte und Laborpersonal der Blutbank beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit und die sprichwörtliche Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Zwei Tage lang testen sie bis spät in die Nacht nicht weniger als 1500 Blutkonserven, dann sind zwei passende gefunden. Zwei weitere finden sich bei den Blutspendediensten in Linz und Graz. Der Blutaustausch wird vorgenommen, drei Wochen später entbinden die Ärzte per Kaiserschnitt ein gesundes Kind.

 

Das Beispiel enthält alles, wofür die gemeinnützigen Rotkreuz-Blutspendedienste in Österreich derzeit kämpfen: Sie sind in der Lage, den Spitälern Blutkonserven rund um die Uhr und 365 Tage im Jahr zur Ver­fügung zu stellen – egal in welchem Bundesland, egal welcher Blutgruppe, egal ob samstagnachts, mittwochvormittags oder an Feiertagen. Selbst, wenn es sich dabei um ausgefallene „Spezialitäten“ handelt, die erst mühsam aus dem Lagerbestand gefischt werden müssen.

 

„Waren Sie mein Lebensretter?“

Vielleicht waren Sie es, der mein Leben gerettet hat ...“ Mit diesen Worten stellt sich Silvia Mang vor. Die Inhaberin eines Geschäftes in Langenlois hat den Alptraum jedes Autofahrers erlebt. Ein übermüdeter Lenker crashte mit 90 km/h frontal gegen ihren Wagen. Erst die Feuerwehr konnte die zweifache Mutter aus ihrem Auto befreien. In einer neunstündigen Operation wurden mehrere schwere Knochenbrüche eingerichtet und verschraubt. Dabei trat eine Gerinnungsstörung des Blutes auf. Silvia Mang bekam 25 Blutkonserven. Sie verbrachte drei Tage im Tiefschlaf, zwei Monate im Krankenhaus und drei Wochen im Bett. „Es hat drei Monate gedauert, bis ich wieder einen Schritt tun konnte.“

 

Tee für Spender

Die Langenloiserin Silvia Mang hat den Stoff nicht vergessen, der ihr das Leben gerettet hat. „Ich hatte noch nie Blut gespendet! Als ich erfuhr, dass Blut in Österreich von freiwilligen, unbezahlten Spendern kommt, wollte ich mich bedanken.“ So bekam jeder Langenloiser Blutspender von Silvia Mang ein Päckchen Tee überreicht. „Ich habe mich vorgestellt und jedem persönlich erklärt, warum vielleicht gerade seine Blutspende für mich so wichtig war.“

 

Ein Mann, 367 Konserven

Elf Ärzte hatten Gerald Pulk aufgegeben. Der zwölfte war Anästhesist und sagte: Weitermachen! So überstand der Radsportler die erste von über 50 Operationen. Er war von einem Lkw übersehen und überrollt worden. „Die Zwillingsräder sind über mich drübergefahren. In diesem Moment hat der Fahrer gebremst.“ Seit diesem Unfall im Jahr 2000, bei dem Gerald Pulk sein linkes Bein verlor, erhielt er in über 50 Operationen 367 Blutkonserven. „Da wurde mir klar, wie wichtig Blutkonserven sind. Ohne diese Reserven hast du keine Chance.“

 

Tapferer kleiner Mann

Jedes Jahr kommen in Österreich rund 700 Neugeborene mit einem Herzfehler zur Welt. Viktor ist einer von ihnen. An seinem Geburtstag 1995 wog das „Frühchen“ nur 1,74 kg. Neben dem Herzfehler war auch Viktors Speiseröhre zusammengewachsen. Nur zwei Tage später wurde der Säugling an der Speiseröhre operiert. An die 20 Blutkonserven erhielt er in den ersten Lebensjahren. Zur Herzkatheter-Kontrolle muss der tapfere kleine Mann immer noch regelmäßig ins Wiener AKH. „Viktor braucht dabei immer eine Vollnarkose und muss beatmet werden. Deshalb stehen immer Blutkonserven für ihn bereit“, erklärt Viktors Vater, und seine Mutter fügt hinzu: „Ich bin so froh, dass es Menschen gibt, die Blut spenden. Nur so ist immer Blut da, wenn Viktor welches braucht.“

 

Erwachen im Krankenhaus

Daniel Prammer prallte mit dem Moped gegen einen Lichtmast, dabei riss die Bauchschlagader. So kam es, dass Daniel bei einer einzigen Operation 141 Blutkonserven brauchte. „Sehr viele Leute mussten Blut spenden, damit ich überleben konnte. Heute gehe ich selbst regelmäßig Blut spenden.“

 

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