Bluttransfusion – eine sichere Sache

Kind bei Bluttransfusion

„Wenn es geht, geben Sie mir bitte kein Blut.“ Diesen Satz hört Walter Mauritz immer wieder. Als Anästhesist führt Mauritz beinahe täglich Bluttransfusionen durch. Manche Patienten haben Angst davor, fremdes Blut zu bekommen, weiß Mauritz: „ Oft muss ich die Leute vor ganz banalen Operationen beruhigen, dass sie sicher kein Blut bekommen werden. Sie haben Angst, dass sie sich eine Hepatitis oder HIV holen, was meiner Meinung nach völlig unbegründet ist“, urteilt der Vorstand des Instituts für Anästhesie und Intensivmedizin des Lorenz-Böhler-Unfallkrankenhauses in Wien.

 

Wie hoch ist eigentlich das Risiko, sich bei einer Bluttransfusion mit dem Aidsvirus HIV oder mit Hepatitis C anzustecken? Wolfgang R. Mayr, Vorstand der Universitätsklinik für Blutgruppenserologie und Transfusionsmedizin im Wiener AKH erläutert, auf welchem Niveau die Blutsicherheit heute angesiedelt ist: „Wir testen das Blut mit molekularbiologischen Methoden. Wir suchen also nicht nur nach Antikörpern auf das Virus, sondern nach der Nukleinsäure des Virus, also direkt nach dem Virus. Mit moderner PCR-Testung (Polymerase Chain Reaction) ist das möglich. PCR ist eine der genauesten, aber auch teuersten Untersuchungsmethoden. Wir wenden sie an, obwohl uns die EU-Direktive nicht dazu verpflichtet.“

 

Diese Tests reduzieren das diagnostische Fenster – den Zeitraum zwischen dem Eindringen von Krankheitserregern in den Körper und der Bildung von Antikörpern gegen diese Erreger - und erhöhen damit massiv die Sicherheit. Damit wurde das diagnostische Fenster bei HIV von 23 Tagen auf elf Tage verringert, und bei Hepatitis C von 82 auf 23 Tage. Das Risiko, sich bei einer Transfusion anzustecken beträgt eins zu vier Millionen bei Hepatitis C, eins zu acht Millionen bei HIV.

 

Ein Grund für diese Sicherheit liegt in der Organisation des österreichischen Blutspendewesens. Freiwillige Spender, die ihre Blutspende aus Nächstenliebe und nicht aus Geldnot abliefern, sorgen für hohe Blutsicherheit. Ein aufwendiges Testprogramm, das laufend verfeinert wird, stellt sicher, dass Blut eines der sichersten Medikamente ist. Deshalb erklärt Walter Mauritz seinen Patienten vor einer Transfusion immer: „Das Gefährlichste, was Sie am Operationstag machen werden, ist die Fahrt von zu Hause ins Spital.“

 

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