Zwei alte Menschen - Stirn an Stirn - im Helga Treichl Hospiz des Roten Kreuzes in Salzburg.  Für ein Leben in Würde - bis zuletzt.

„Das Sterben eines Menschen bleibt als wichtige Erinnerung zurück bei denen, die weiterleben. Aus Rücksicht auf sie, aber auch aus Rücksicht auf den Sterbenden ist es unsere Aufgabe, einerseits zu wissen, was Schmerz und Leiden verursacht, andererseits zu wissen, wie wir diese Beschwerden effektiv behandeln können. Was immer in den letzten Stunden eines Menschen geschieht, kann viele bestehende Wunden heilen, es kann aber auch als unerträgliche Erinnerung verbleiben, die den Weg durch die Trauer verhindert.“
                        Cicely Saunders (Gründerin der modernen Hospizbewegung)

 

 


DER TOD.
Keiner weiß etwas Genaues über ihn. Alle werden ihm begegnen, viele haben Angst davor. Wir haben die eindeutige Tendenz, den Tod beiseite zu schieben, ihn aus dem Leben zu verbannen. Vermutlich haben in der Menschheitsgeschichte – bedingt durch die Massenmedien – noch nie so viele Menschen so viele Tote und Todesarten gesehen und dennoch gleichzeitig persönlich so wenig Berührung mit Sterbenden oder einem Leichnam gehabt. Schon diese Diskrepanz mag ein Teil der Erklärung für die Unsicherheit des modernen Menschen gegenüber Tod und Sterben sein.

Die Angst vor dem Sterben

2009 sind in Österreich 77.381 Personen gestorben, 67.906 von ihnen waren 60 Jahre und älter* (mehr statistische Daten). Biologisch gesehen ist das Sterben der Verlust von immer mehr Organfunktionen. Wenn alle Lebensfunktionen des Organismus endgültig zum Stillstand gekommen sind, ist der Tod eingetreten (Wann ist ein Mensch tot?). Durch den medizinischen Fortschritt wird der Tod heute aber nicht mehr als etwas Unbeeinflussbares gesehen, sondern eher als eine mit Operationen und Medikamenten zu bekämpfende Krankheit betrachtet.

Mehr als der Gedanke an den Tod scheint den modernen Menschen die Angst vor dem Sterben zu beschäftigen. Man fürchtet das Sterben als schmerzvollen Abschied (siehe auch Trauer hat ihre eigene Zeitrechnung), als Verlusterfahrung, man fürchtet die schmerzhafte Trauer. Dabei wirkt Trauer auch heilend. Religiöse Gemeinschaften versuchen Hilfestellungen bzw. Hoffnung anzubieten. Dabei spielt häufig das Leben nach dem Tod eine zentrale Rolle. Stark geprägt von religiösen Weltanschauungen sind außerdem die kulturellen Unterschiede der Menschen, die sich unter anderem in verschiedenen menschlichen Sterbekulturen ausdrücken. Diese kulturelle Auseinander- bzw. Nicht-Auseinandersetzung mit dem Tod ist oft auch mit ethischen Fragen verbunden.

Recht auf Selbstbestimmung

Beschäftigt man sich früh genug mit dem Sterben – auch mit dem eigenen – kann man, für den Fall, dass man über seine medizinische Behandlung nicht mehr selbst entscheiden kann, mittels Patientenverfügung bereits im Vorhinein erklären, welcher Behandlungsart man zustimmt und welcher nicht.

Die meisten Menschen wissen jedoch wenig darüber, was während des Sterbeprozesses geschieht, ebenso wenig über Behandlungen, die ergriffen werden können, um eventuelle Schmerzen zu lindern. Die Hospizbewegung beschäftigt sich mit genau diesem Thema. Das Sterben soll weder verzögert noch beschleunigt werden. Die medizinische Versorgung (Palliativmedizin, Definition WHO siehe Kasten rechts) stellt die Linderung von Schmerzen sterbender Menschen in den Vordergrund. Dabei werden auch psychische und spirituelle Bedürfnisse berücksichtigt. Zudem bietet die Palliativmedizin ein System der Unterstützung für die Angehörigen sterbender Menschen an. So soll die letzte Zeit des Lebens so angenehm wie möglich und im Sinne der Patienten gestaltet werden.

Mehr zum Hospizgedanken erfahren Sie in Teil 2 des Factbooks.


* Quelle: Statistik Austria

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