Hospizsujet

„Es geht nicht darum, dem Leben mehr Tage zu geben, sondern den Tagen mehr Leben.“
                                                                                     Cicely Saunders


STERBEN, TOD UND TRAUER werden in der heutigen Gesellschaft, wie in Teil 1 des Factbooks beschrieben, gerne verdrängt. Wenn uns die Realität einholt, stellt sich umso dringlicher die Frage nach mitmenschlicher Begleitung und Unterstützung. Die Hospizbewegung will sterbenskranke Menschen medizinisch (palliativ), pflegerisch und psychologisch begleiten und umsorgen, um ein menschenwürdiges und geborgenes Leben bis zuletzt zu ermöglichen. Dabei versucht man einen Verbleib in der vertrauten Umgebung zu bewerkstelligen und auch den Angehörigen beizustehen.

Vom Mittelalter bis heute

Bereits im Mittelalter existierten in ganz Europa Hospizhäuser, oft in entlegenen Gebieten. Jeder, der Schutz und eine Herberge suchte (lat. hospitium: Herberge, hospes: der Gast), konnte diese – uns als „Hospital“ bekannten Stätten – besuchen. Mit fortschreitender Christianisierung breiteten sich diese meist katholischen Hospitäler in ganz Europa aus. Die ersten Hospize der jüngsten Vergangenheit wurden im Irland des 19. Jahrhunderts gegründet, in denen die „Schwestern der Barmherzigkeit“ sterbende Menschen pflegten. In der Neuzeit verbreitete sich der Hospizgedanke von England aus und war eng mit einem Namen verbunden: Cicely Saunders. Die Krankenschwester und Ärztin gründete 1967 in einem Londoner Vorort das „St. Christopher`s Hospiz“. Dies gilt als die Geburtsstunde der modernen Hospizbewegung, denn ihre Überzeugung, dass es möglich ist, die letzten Tage eines Menschen angenehm zu gestalten, trug sie in die Welt.

Schwerpunkte der Hospizarbeit

Um die Hospizidee im Sinne Saunders umsetzen zu können, beschäftigt man sich mit der Frage, was sich todkranke Menschen in Bezug auf das eigene Sterben wünschen (siehe auch: Was Sterbende brauchen). Alle dabei erhaltenen Antworten lassen sich einer der folgenden vier Kategorien zuordnen: sozial, körperlich, psychisch und spirituell.
Die psychische Begleitung hat den emotionalen Beistand der Sterbenden und derer Angehöriger zum Inhalt. Sie hilft den Betroffenen bei der Auseinandersetzung mit dem Tod und der Bewältigung unerledigter Probleme. Bei der Auseinandersetzung mit Fragen nach dem Sinn von Leben, Tod und Sterben und dem Danach ist der spirituelle Beistand ein wesentlicher Teil der Hospizarbeit. In der Auseinandersetzung mit diesen letzten Fragen soll niemand alleine bleiben müssen (sozialer Ansatz). Eine unterschiedliche Philosophie zu den herkömmlichen Krankenhäusern was den körperlichen Aspekt der Arbeit mit todkranken Patienten angeht, betrifft die Schmerzbekämpfung im Hospiz. Cicely Saunders begriff die Schmerzbehandlung als vorrangiges Mittel, um die Patienten zu einem relativ guten körperlichen Wohlbefinden zu verhelfen, was wiederum Voraussetzung für eine psychologische und spirituelle Begleitung ist.

Wichtige Grundsätze

Diese lindernde (palliative) Medizin (mehr dazu im vierten Teil des Factbooks) und Pflege, ergänzt durch eine fachgerechte psychosoziale und seelsorgliche Betreuung, tragen – so der Hospizgedanke – entscheidend dazu bei, Schmerzen und unangenehme Symptome in den Griff zu bekommen und die subjektive Lebensqualität von Schwerkranken zu verbessern.

Als die wichtigsten Grundsätze und Leitlinien im Hospizbereich gelten zusammenfassend folgende Punkte:Ziel der Hospizbewegung ist die Erhaltung bzw. Verbesserung der Lebensqualität des Patienten und seiner Angehörigen

  • Ziel der Hospizbewegung ist die Erhaltung bzw. Verbesserung der Lebensqualität des Patienten und seiner Angehörigen
  • Bedarf und Bedürfnisse des Patienten stehen im Mittelpunkt der individuellen Betreuung
  • Besondere Bedachtnahme auf die Sicherstellung des Selbstbestimmungsrechtes des Betroffenen (z. B. Patientenverfügung)
  • Die Angehörigen werden auf Wunsch in die Betreuung miteinbezogen
  • Sterben soll in vertrauter Umgebung ermöglicht werden
  • In einem ganzheitlichen Betreuungsansatz werden die körperlichen, psychischen, sozialen und spirituellen Bedürfnisse gleichermaßen berücksichtigt
  • Die Betreuung erfolgt in einem interdisziplinären Team
  • Die Hospizbetreuung endet nicht mit dem Ableben eines Patienten, sondern inkludiert bei Bedarf auch Hilfestellung und Trauerbegleitung für Angehörige
  • Bewusstseinsbildung und Öffentlichkeitsarbeit (Sterbebegleitung statt Sterbehilfe) sind wesentliche Bestandteile der Tätigkeit
  • Die Hospizbetreuung wird an der Basis von ehrenamtlich Tätigen getragen


Mehr über Palliative Care, die lindernde Medizin, erfahren Sie im vierten Teil des Factbooks.

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