1. Leben in Würde bis zuletzt
Leben ist wertvoll bis zuletzt. Es muss daher für den sterbenden Menschen alles getan werden, um die Qualität seines Lebens und die Würde seines Menschseins zu wahren. Als Richtlinie für alle Handlungen gilt, dass das Sterben nicht verlängert, aber das Leben nicht verkürzt werden soll. Wo immer für den Sterbenden etwas zur Linderung, zum Wohlbefinden und zur Hebung der Lebensqualität beigetragen werden kann, soll das ermöglicht werden.

2. Selbstbestimmung des/der Patienten/in

Der Wille und die Wünsche des pflegebedürftigen, des kranken, des sterbenden Menschen müssen in der Betreuung und Pflege im Mittelpunkt stehen. Wenn ein Mensch seine Wünsche betreffend die Unterlassung bestimmter medizinischer Maßnahmen im Rahmen einer Patientenverfügung niederlegt, klar zum Ausdruck bringt oder mündlich äußert, muss diesen Wünschen höchste Bedeutung beigemessen werden.

3. Haltung der Wertschätzung

Die letzte Lebenszeit hat für den betroffenen Menschen, seine Angehörigen, aber auch die gesamte Gesellschaft eine weitreichende Bedeutung. Eine Haltung der Wertschätzung wird zu einem großen Teil durch eine qualitativ hochwertige Betreuung und Pflege zum Ausdruck gebracht. Dazu gehören, neben der Umsetzung der neuesten Erkenntnisse in der Medizin und Pflege, vor allem das Zeitgeben, das Hinhören und damit verbunden das aufmerksame Dasein von Begleitenden und Angehörigen.

4. Palliation - lindernde Medizin, Pflege und Betreuung

Dort, wo die kurative, d. h. die auf Heilung und Wiederherstellung ausgerichtete Medizin ohne Wirkung bleibt, muss die palliative Betreuung verstärkt einsetzen.
Ihr Ziel ist es, die quälenden Symptome zu lindern und allfällige Komplikationen zu verhindern, um eine bestmögliche Lebensqualität zu gewährleisten.

5. Interdisziplinarität im Arbeitsansatz
Um den PatientInnen und Angehörigen in ihrer Ganzheitlichkeit gerecht zu werden, bedarf es der guten, koordinierten und sich ergänzenden Zusammenarbeit der betreuenden Professionen. Im Idealfall arbeiten daher MedizinerInnen, KrankenpflegerInnen, SeelsorgerInnen und SozialarbeiterInnen bzw. andere psychosoziale Dienste in einem Team von Gleichberechtigten zusammen.

6. Unterstützung und Begleitung von Angehörigen

80 Prozent aller Hilfe- und Pflegebedürftigen werden in Österreich von den Angehörigen im engeren Sinn (Familien), informellen Netzwerken, aber auch Nachbarn und Freunden betreut und gepflegt. Dies gilt besonders für die Betreuung und Pflege chronisch kranker Menschen. Aufgabe der Hospizdienste ist es, gewachsene und bestehende informelle Strukturen zu entlasten, zu ergänzen und zu unterstützen. Angehörige, die einen schwerstkranken oder sterbenden Menschen umsorgen und versorgen, benötigen vor allem gezielte Informationen und Beratung, Entlastungsgespräche, alltagspraktische sowie psychosoziale und spirituelle Unterstützung und Begleitung.

7. Ehrenamtliche MitarbeiterInnen
Der Einsatz ehrenamtlicher Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist ein zentraler Bestandteil der Hospizarbeit. Ehrenamtlichen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen werden deshalb auch Angebote zur Aus- und Weiterbildung gemacht, wodurch eine zusätzliche Professionalisierung ihres Engagements passiert.

8. Trauer und Trauerbegleitung
Trauerbegleitung ist ein integraler Bestandteil der Hospizarbeit und Palliativmedizin.
Angehörige benötigen differenzierte Unterstützungsangebote, wenn sie sich darauf vorbereiten, dass ein Familienmitglied sterben wird. Erst recht gilt dies nach dem Tod des betreuten Menschen.


Quelle: Hospiz Österreich, ÖBIG

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