Wenn nichts mehr zu machen ist, ist noch viel zu tun

Helga-Treichl-Hospiz des Roten Kreuzes

„Sterben ist kein Unglück, aber jenes jahrelange Leiden, ehe man es dahin bringt, zu sterben.“ (Heinrich Heine)

 

PALLIATION wird vom Lateinischen „pallium“ (Mantel) bzw. „palliare“ (mit einem Mantel umhüllen) abgeleitet und bedeutet Linderung. Palliation bezeichnet eine medizinische Maßnahme, deren primäres Ziel nicht der Erhalt, die Heilung oder die Wiederherstellung der normalen Körperfunktion, sondern deren bestmögliche Anpassung an die gegebenen physiologischen und psychologischen Verhältnisse ist, ohne gegen die zugrundeliegende Erkrankung selbst zu wirken¹.

 

Dort also, wo die kurative, die auf Heilung und Wiederherstellung ausgerichtete Medizin ohne Wirkung bleibt, setzt die palliative Betreuung ein. Ihr Ziel ist es, die quälenden Schmerzen zu lindern und allfällige Maßnahmen zu setzen, um die bestmögliche Lebensqualität für sterbende Menschen zu gewährleisten.

Als Urheber des Begriffs „Palliative Care“ (siehe auch die Definition der WHO im Kasten rechts) gilt der Kanadier Balfour M. Mount. Neben „Palliative Care“ wird in vielen Ländern gleichbedeutend auch „Hospice Care“ (USA) oder „Terminal Care“ (Großbritannien) verwendet. In Österreich wird Palliative Care häufig unübersetzt als feststehender Begriff benützt und steht für medizinische, aber auch für pflegerische, psychosoziale und spirituelle Aspekte der Versorgung von Sterbenden und deren Angehörigen.

Demographischer Wandel

Heute weiß man, dass die Zahl der Menschen mit Schmerzen ab dem 60. Lebensjahr doppelt so hoch ist, wie in den Altersgruppen bis zum 60. Lebensjahr². Im Alter stellen sich vor allem eine Reihe von sehr unangenehmen chronischen Beschwerden ein, die nicht mehr ursächlich geheilt werden können (mehr zum Unterschied zwischen chronischen und akuten Schmerzen). In diesem Zusammenhang muss auf die zu erwartende demographische Entwicklung hinsichtlich des Anteils der über 65-jährigen Menschen in den kommenden Jahrzehnten verwiesen werden. Bereits 2020 wird jede(r) Vierte die genannte Altersgrenze überschritten haben (siehe auch demographischer Wandel). Die Schmerztherapie wird somit in Zukunft noch größere Bedeutung haben.

Schmerztherapie

Physisch bedingte Schmerzen müssen durch eine kompetente und konsequent durchgeführte Schmerztherapie behandelt werden. An der umfassenden Betreuung von Schmerzpatienten hat die Gesundheits- und Krankenpflege einen großen Anteil.
Hauptaufgaben der Pflege im Rahmen der Schmerztherapie sind unter anderem:

  • Die Durchführung der Schmerzanamnese (Ursachen, Lokalisierung, Ausstrahlung, Schmerzcharakter, Intensität, …)
  • Verabreichung von Medikamenten
  • Nichtmedikamentöse Schmerzbehandlung (etwa entlastende Lagerungsmaßnahmen)
Symptomkontrolle

Wenn durch das Alter und die Krankheitsentwicklung des Patienten keine Heilung mehr möglich ist und der Tod nahe bevorsteht, geht es auch darum, neben den Schmerzen gewisse Symptome zu lindern. Zu den häufigsten Symptomen, die durch palliative Therapie kontrolliert werden sollen, gehören Übelkeit, Erbrechen, Dyspnoe (erschwerte Atemtätigkeit), Fatigue (Müdigkeit, Erschöpfung) und Obstipation (Verstopfung). Bei der Symptomkontrolle in der Palliativmedizin geht es darum, dem Patienten unangenehme Begleiterscheinungen seiner Erkrankung bzw. die Therapienebenwirkungen erträglich(er) zu gestalten. Dies geschieht durch das Wahrnehmen, das dokumentarische Erfassen, Zuordnen und Behandeln der Krankheitszeichen und Begleiterscheinungen. Es wird eine individuell angepasste Strategie, auch zur Vermeidung unnötiger oder unangemessener Therapien, entwickelt.

Neben den genannten Therapien können auch palliative Operationen, z. B. Tumorentfernungen, die Lebensqualität verbessern, auch wenn sie einen fortgeschrittenen metastasierenden Krebsbefall nicht heilen können.

Realisiert wird das Konzept der Palliative Care in erster Linie in Institutionen aus dem Hospiz-Bereich – ambulanten und stationären Hospizen sowie den Palliativstationen.

Hier finden Sie an dieser Stelle einen Beitrag aus dem Magazin „Die Furche“ zum Thema Hospiz.


¹ Ernst W. Keck: Pädiatrische Kardiologie, Elsevier Verlag 2002
² Deutsches Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege


socialshareprivacy info icon