Indonesien im Februar 2005.Nach der Tsunami Katastrophe. Rotkreuz-Mitarbeiter entnimmt Wasserprobe.

Wasser, eine zwölf Meter hohe Wand aus Wasser, die alles verschluckt. Wer könnte diese Bilder vergessen. 230.00 Menschen starben. Doch gleich nach dem Tsunami kam die zweite Welle – eine Welle der Hilfe, die weiteres Leid verhinderte.

 

Günter Stummer hat schon viel erlebt. In den vergangenen 15 Jahren war er für das Rote Kreuz im Katastropheneinsatz. Das Ausmaß der Zerstörung, die der Tsunami in Indonesien angerichtet hat, war allerdings unvergleichlich. „So etwas hatte ich noch nicht gesehen“, erzählt Stummer. „Der betroffene Küstenstreifen ging bis zu fünf Kilometer ins Landesinnere. Alles, was dort war, Häuser, Straßen, Vegetation, ist einfach pulverisiert.“

 

Schon als Günter Stummer – noch zu Hause in Wien – die ersten Informationen über die Katastrophe erhielt, wusste er, was die Betroffenen am Notwenigsten brauchten: Trinkwasser. Sauberes Wasser ist der Schlüssel zum Überleben – anfangs, in den ersten Tagen nach dem Unglück, danach oft noch wochenlang, wenn die Brunnen und Wasserstellen zerstört sind.

 

Für Fälle wie diesen hat das Rote Kreuz Spezialteams parat. Sie heißen „Emergency Response Units“ und können binnen 48 Stunden an Ort und Stelle sein. Zwei Teams wurden in die indonesische Provinz Aceh entsandt. Eines kümmerte sich um den Wiederaufbau des zerstörten Kommunikationsnetzes. Nur so kann die internationale Hilfe nach einer Katastrophe wie dieser koordiniert werden.

 

Das zweite Team produzierte Trinkwasser. „Eigentlich wären unsere Anlagen für die Versorgung von 120.000 Menschen ausgelegt“, berichtet Stummer. „Tatsächlich nahmen nur 40.000 Personen unser Wasser in Anspruch – die anderen haben den Tsunami nicht überlebt.“

 

Das Team des Österreichischen Roten Kreuzes konnte darüber hinaus ein Feldspital des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) mitversorgen. Auch andere Helfer, beispielsweise von Oxfam, vom Technischen Hilfswerk oder der australischen Armee griffen auf Wasser aus österreichischer Produktion zurück. „Das beste Wasser der Region“, erzählt Günter Stummer nicht ohne Stolz, „kam von den Österreichern.“ Zusätzlich kümmerte sich die „Emergency Response Unit“ um die Sanierung von Brunnen und sanitären Anlagen. Auch an der Revitalisierung des Wasserwerkes von Banda Aceh, einer Stadt mit 400.000 Einwohnern, waren die Österreicher beteiligt.

 

„Durch die Bereitstellung von sauberem Trinkwasser kann verhindert werden, dass der ersten Katastrophe eine weitere folgt“, sagt Stummer. „Wird aus verschmutzten Quellen getrunken, steigt die Seuchengefahr erheblich. So banal es klingt: das wichtigste Notfallmedikament ist etwas, das bei uns in Europa wie selbstverständlich aus der Leitung fließt: Wasser.“

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