In Sri Lanka hat der Tsunami 31.000 Menschenleben gefordert. Die Überlebenden müssen mit materiellem Existenzverlust, emotionalem Stress und neuen Lebensbedingungen fertig werden. Das Österreichische Rote Kreuz steht ihnen in dieser schwierigen Situation bei und hilft beim langfristigen Wiederaufbau.

 

Ganz im Norden Sri Lankas gehen die Uhren buchstäblich anders – es gibt eine offizielle Zeitdifferenz zum Rest der Insel. Die kleine Stadt Killinochchi ist der Verwaltungssitz der LTTE (Liberation Tigers of Tamil Eelam). Von hier geht der Kampf um die Unabhängigkeit des hauptsächlich von Tamilen bevölkerte Norden der Insel aus. Der ständig schwelende Bürgerkrieg allein ist schon eine humanitäre Katastrophe. Über 20 Jahre haben ethnische Konflikte zwischen Tamilen und der Regierung den Norden und Osten Sri Lankas ausgeblutet. Der Tsunami hat die ohnehin schon prekäre Situation verschärft. „Viele Menschen hier sind glücklich, wenn sie einen Dollar pro Tag zum Leben haben“, sagt die damalige Rotkreuz-Delegierte Daniela Krejdl, „der Nordosten Sri Lankas ist das ärmste Gebiet der Insel.“ Der Tsunami hat in Killinochchi starke Verwüstungen angerichtet und die Bedürftigkeit der Bevölkerung verstärkt.

 

Daniela Krejdl betreute im Jahr 2005 Projekte des Österreichischen Roten Kreuzes im Norden Sri Lankas. Die erste Akuthilfe-Phase war da schon abgeschlossen. Es ging nun darum, beim Wiederaufbau von Häusern und Infrastruktur zu helfen. „Besonders wichtig war uns dabei, die Menschen vor Ort intensiv in die Arbeit miteinzubeziehen“, beschreibt Krejdl das Konzept. Insgesamt wurden 264 vom Tsunami zerstörte Häuser neu gebaut. Das Rote Kreuz verfolgt beim Bau neuer Siedlungen einen ganzheitlichen Ansatz. Soziale Infrastruktur wie Schulen, Kindergärten, Gemeindezentren gehören ebenso dazu, wie die Wohnhäuser, Wasserversorgung, Elektrizität, Straßen, Kanalisation und Abfallentsorgung. Die Konzeption des Projektes hatte, abgesehen von der materiellen Hilfe, einen weiteren Effekt. „Die massive Beteiligung der Menschen stärkte die gesamte Dorfgemeinschaft“, erzählt Daniela Krejdl. Auch die Kleinen profitierten vom Engagement der Österreicher. Das Jugendrotkreuz unterstützte die Volksschule in der Region Kanakinager. Dort lernen heute wieder 150 Mädchen und Buben.

 

Den Einheimischen geben die großen Fortschritte der  Rotkreuz-Arbeit Hoffnung. Das Rote Kreuz hat nämlich nicht nur die meisten Hilfsprojekte gestartet, sondern ist auch lokal verankert. Ein junger Mann drückte es den Helfern gegenüber so aus: „Wenn das Rote Kreuz geht, ist alles verloren.“ Das Rote Kreuz ist geblieben – und wird auch nicht gehen.

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