02.11.2016 13:30

Freiwilligkeit hat viele Gesichter

Über 12.220 Freiwillige engagieren sich in den Gesundheits- und Sozialen Diensten des Roten Kreuzes. Diese vier Kurzporträts zeigen einen Ausschnitt der vielfältigen Tätigkeiten.

Freiwilligkeit hat viele Gesichter


Burgenland

 „Obwohl wir schwer kranke Menschen begleiten, steht das Sterben nicht im Vordergrund“, erklärt Elsbeth Sitzwohl, die die Hospizbegleitung im Burgenland koordiniert. „Solange man lebt, geht es ums Leben. Wir sind da für alle Gedanken und Gefühle, die auftauchen. Die Klienten bestimmen selbst, worüber sie reden möchten oder was sie tun möchten.“


Sitzwohls Aufgabe ist sehr vorausschauend: „Damit es funktioniert, müssen die richtigen Leute zusammenkommen. Das ist wie bei einem Puzzle, ich versuche zwei passende Teile zu finden, denn dann ist die Begleitung für beide bereichernd.“ 43 ausgebildete Hospizbegleiterinnen und vier männliche Kollegen bilden das Team im Nordburgenland. Alle engagieren sich freiwillig und Großteils neben ihrem Berufs- und Familienleben. Denn erstaunlicherweise wird das Rotkreuz-Team immer jünger. „Bei der letzten Ausbildung lag das Durchschnittsalter weit unter der Pensionszeit.“ Viele motiviert die Idee, sich für ihr privilegiertes und gesundes Leben zu bedanken und der Gesellschaft etwas zurück zu geben. „Die meisten sagen, sie bekommen ganz viel zurück. Jeder Fall ist eine intensive menschliche Begegnung, bei dem man auch immer etwas über sich selbst erfährt.“



Oberösterreich



Ab 14 Uhr gibt es Kaffee und Kuchen, danach wird „gespielt, getratscht, gelacht, gefördert und gefordert“ beschreibt Gerda Hinterplattner ihre Aufgabe. In Ternberg kümmert sie sich gemeinsam mit zwei ebenfalls freiwilligen Kolleginnen in der Rotkreuz-Tagesbetreuung um demente Menschen. Die betagte Gruppe besteht aus acht bis zehn Personen im Alter zwischen 80 und 95 Jahren. Alle zwei Wochen kommt sie im örtlichen Altersheim zusammen. „Alle in der Gruppe sind unglaublich lieb und dankbar. Ich freue mich jedes Mal auf diesen Tag, auch wenn es anstrengend ist und ich am Abend müde bin“, sagt die engagierte Pensionistin. Alle Gruppenmitglieder leben zuhause und werden von Familienmitgliedern versorgt. Für beide Seiten bietet die  Tagesbetreuung eine Auszeit, die sie genießen. „Auch wenn die Erinnerung an diesen Tag bei vielen gleich wieder verschwindet, bleibt ihnen das Gefühl, dass der Tag schön war und das ist unser Ziel“, betont Hinterplattner.



Vorarlberg


In Rankweil hat Edith Ottowitz viermal pro Woche alle Hände voll zu tun: In ihren Kursen „Bewegung zum Wohlfühlen“ dehnt sie gemeinsam mit den begeisterten Teilnehmern Terra-Bänder, drückt Gymnastik-Bälle zusammen und zeigt einfache Übungen im Sitzen. Neben den abendlichen Kursen und ihrem Vollzeit-Job leitet sie auch die Abteilung Gesundheits- und soziale Dienste beim Vorarlberger Roten Kreuz. „Es ist toll zu sehen, wie Menschen durch die Gymnastik wieder aktiver werden und Selbstsicherheit zurückgewinnen. Meine Teilnehmer sind zwischen 50 und 90 Jahre alt“, erzählt die Vorarlbergerin. „Sie berichten mir wie sie vom Kurs profitieren: Die Gartenarbeit geht wieder leichter, ein Sturz konnte durch das Training besser abgefangen werden. Der Umgang mit Altersgebrechen und Schmerzen ändert sich: Statt zu leiden, machen sie Übungen aus dem Kurs und dann geht’s wieder besser!“


Niederösterreich



Waltraud Hackenberg aus Gänserndorf kümmert sich um die Probleme von Menschen, die nicht mehr ein noch aus wissen. Die ehemalige Geschäftsstellenleiterin des AMS ist seit ihrer Pensionierung Rotkreuz-Sozialbegleiterin. „Das Thema Helfen hat mich meine ganze berufliche Laufbahn begleitet. Ich bin im Bezirk mit Behörden und Ämtern ganz gut vernetzt, weiß wohin ich mich wenden kann,“ sagt sie. Sie schafft geordnete Verhältnisse und organisiert finanzielle Ersthilfe, wenn es um drohende Delogierungen, Energieabschaltung oder unbezahlte Rechnungen geht. „Den Bedarf schaue ich mir ganz genau an, schließlich kommen hier Spendengelder zum Einsatz.“ Zu ihrer freiwillig geleisteten Detektivarbeit zählen aber auch Fälle wie jener, bei dem ein barrierefreies Badezimmer für einen schwerbehinderten zehnjährigen Buben zu finanzieren war. „Um das zu bewerkstelligen mussten wir natürlich alle unterstützenden Einrichtungen ansprechen. Die Förderungen haben nicht ganz gereicht, den Rest haben die Lions übernommen“, freut sie sich.

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