Heimlich-Handgriff bei Verschlucken?

Österreich, Mai 2009: Univ. Prof. Dr. Wolfgang Schreiber, Chefarzt des Österreichischen Roten Kreuzes. Er ist Oberarzt der Universitätsklinik für Notfallmedizin am Allgemeinen Krankenhaus in Wien und ao. Universitätsprofessor an der Mediz
Chefarzt Dr. Wolfgang Schreiber

Was kann ich tun, wenn sich meine Tochter so sehr verschluckt, dass sie nicht mehr atmen kann? Ist der Heimlich-Handgriff da sinnvoll?

Kinder nehmen gerne kleine Gegenstände wie Spielzeug, Münzen, Erdnüsse, Murmeln und vieles mehr in den Mund. Hier besteht die Gefahr, dass sie sich verschlucken. Bleibt der Fremdkörper zwischen Kehldeckel und Kehlkopfeingang stecken, wird die Luftröhre eingeengt oder unter Umständen sogar komplett verlegt. Sollte das geschehen, kann Ihr Kind nicht mehr atmen, nicht sprechen und hat vielleicht lautlose Hustenversuche. Es besteht Erstickungsgefahr. Jetzt ist die Sache ernst, Sie müssen rasch handeln.

Beugen Sie das Kind nach vorne und schlagen Sie mit der flachen Hand bis zu fünf Mal fest zwischen die Schulterblätter. Sollten die Schläge am Rücken nicht ausreichen, um die Verlegung zu beseitigen, wenden Sie nun den Heimlich-Handgriff an: Stellen Sie sich hinter das Kind, legen Sie Ihre Arme zwischen Nabel und Brustkorb des Kindes, ballen eine Faust und ziehen Sie bis zu fünf Mal kräftig nach innen und oben. Durch die abwechselnden Maßnahmen - Schulterklopfen und Heimlich-Handgriff -sollte sich der Fremdkörper lösen. Veranlassen Sie, auch wenn das Kind wieder atmen kann, den Notruf (Telefonnummer: 144).

Nach jeder Anwendung dieser nach dem amerikanischen Mediziner Henry J. Heimlich benannten Maßnahme muss der Betroffene auf Verletzungen im Spital untersucht werden.

In unseren Erste-Hilfe-Kursen wird dieser Handgriff wegen der Gefahr innerer Verletzungen beispielsweise nur mit einer speziellen Trainingsausrüstung geübt.

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