Von der Spende zur Blutkonserve

Abzapfen und wieder einfüllen - so einfach funktioniert das Blutspendewesen nicht. Die Herstellung von Blutkonserven ist heute ein Teil der Transfusionsmedizin, aus der wiederum längst eine eigene Wissenschaft geworden ist. Kein Patient erhält heute mehr "Vollblut"-Konserven, sondern nur genau die Blutbestandteile, die er für seine Behandlung benötigt (zum Beispiel nur rote Blutkörperchen oder Blutplasma). Die Behandlung erfolgt also nach Maß, und das Vollblut muss dafür in seine Komponenten zerlegt werden.

Diese Zerlegung erfolgt im Produktionslabor. Während des gesamten Prozesses bleibt das System, in dem sich das Spenderblut befindet, geschlossen, um Verunreinigungen zu verhindern. Auch bei der Weiterverarbeitung des Spenderblutes ist - weiteres Kennzeichen moderner Zeiten - Schnelligkeit gefragt.

Denn innerhalb von nur sechs Stunden, gerechnet vom Zeitpunkt der Blutabnahme, muss das Spenderblut fertig verarbeitet werden, sonst enthält die Konserve nur mehr die Hälfte aller wichtigen Stoffe (bezieht sich auf Gerinnungsfaktoren im Plasma), auf die es ankommt.

 

Die Inline-Filtration

Inline-Filtration

Der erste Schritt bei der Zerlegung des Vollblutes ist ein Filterverfahren, die so genannte "Inline-Filtration": Das Vollblut fließt durch einen speziellen Filter, weiße Blutkörperchen und Blutplättchen, zusammen der "buffy coat" genannt, bleiben darin hängen. Übrig bleiben das flüssige Blutplasma und die roten Blutkörperchen. Die Entfernung weißer Blutkörperchen und Blutplättchen führt zu einer verbesserten Qualität der späteren Blutkonserve: Mögliche Krankheitserreger, die an weiße Blutkörperchen oder Blutplättchen gebunden sind, fangen sich schon vor den zahlreichen Tests im Labor in den Filtern. Besonders wichtig aber ist die deutliche Verminderung von Überempfindlichkeitsreaktionen bei PatientInnen, wie z. B. Schüttelfrost. Außerdem sind Blutkonserven, die einer Inline-Filtration unterzogen wurden, verträglicher für die PatientInnen.

Das vom "buffy coat" gereinigte Blut besteht nun aus (festen) roten Blutkörperchen, die im (flüssigen) Plasma schwimmen. Um beides voneinander zu trennen, kommt der Blutbeutel in eine Zentrifuge. Danach befinden sich - physikalischen Gesetzen gehorchend - unten im Blutbeutel die (festen) roten Blutkörperchen, das (flüssige) Plasma schwimmt obenauf. Eine weitere Blutseparation trennt nun die beiden verbliebenen Komponenten.

Ein Beutel mit Plasma und einer mit einem Konzentrat aus roten Blutkörperchen (Erythrozyten-Konzentrat) sind das Ergebnis der Laborarbeit. Das Plasma wird bei minus 60 Grad Celsius schockgefroren und heißt nun "Fresh Frozen Plasma" (FFP).

 

Was passiert mit dem Ery-Konzentrat?

Ery-Konzentrat

Schon im Abnahmeraum hat die Vollblutspende einen Aufkleber mit einer Nummer und einem Strichcode (Barcode) erhalten. Ein weiterer, kleiner Teil des abgenommenen Blutes ist in Teströhrchen geflossen, die denselben Code tragen. Die Blutspende ist zur Auftrennung ins Produktionslabor gekommen, die Teströhrchen sind in einem weiteren Labor gelandet, wo nun sämtliche Sicherheitstests durchgeführt werden, um mögliche Krankheitserreger festzustellen. Werden welche gefunden, muss die Blutkonserve vernichtet werden. Bis die Testergebnisse (siehe Tests & Sicherheit) vorliegen, werden die Erythrozyten-Konzentrate bei plus 2 bis 6 Grad Celsius gelagert.

Stellt sich nach zahlreichen Tests heraus, dass der Blutbefund in Ordnung ist, dann ist das Ery-Konzentrat zur Auslieferung in die Spitäler bereit - oder es wird bei Bedarf zu einer "Spezial-Blutkonserve" weiterverarbeitet. Aus diesem Grund können die Blutspendedienste den Spitälern eine Reihe von Blutprodukten liefern - und ermöglichen damit die punktgenaue Behandlung von PatientInnen: Jede(r) bekommt genau jene Blutbestandteile, die er/sie für seine/ihre Behandlung benötigt.

 

Welche Konserve wofür? - Die Produkte

Fresh Frozen Plasma

Was als "Blutkonserve" bezeichnet wird, heißt genau genommen "leukozytendepletiertes Erythrozyten-Konzentrat", kurz: "Ery-Konzentrat", und ist 42 Tage lang lagerbar: eine geballte Ladung roter Blutkörperchen, die für den Sauerstofftransport im Körper zuständig sind. Weiße Blutkörperchen (Leukozyten) und Blutplättchen (Thrombozyten) wurden daraus entfernt. Diese Konserve wird PatientInnen etwa bei Operationen und LangzeitpatientInnen bei einem Mangel an Sauerstoffträgern im Blut verabreicht. Bei Überempfindlichkeit gegen bestimmte Stoffe in Ery-Konzentraten werden diese nochmals gewaschen. Die Haltbarkeit dieser "gewaschenen Ery-Konzentrate" beträgt 24 Stunden.

Für die Kleinsten: Wie viel Spenderblut ein(e) PatientIn erhält, hängt auch von seinem/ihrem Körpergewicht ab. Das gilt vor allem für Babys und Kleinkinder. Deshalb stellen die Blutspendezentralen auch Blutkonserven für Säuglinge her. Die ursprünglich eine Konserve (leukozytendepletiertes Erythrozyten-Konzentrat) wird in einem solchen Fall auf vier kleinere Beutel aufgeteilt.

 

Frisch Gefrorenes: Durch Schockfrieren des Blutplasmas bei minus 60 Grad Celsius entsteht gefrorenes Frischplasma ("Fresh Frozen Plasma", FFP). Der Einfriervorgang stellt sicher, dass wichtige Bestandteile des Plasmas erhalten bleiben. FFP wird nicht in den Labors der Rotkreuz-Blutspendezentralen, sondern außer Haus durch die Pharmaindustrie von Krankheitserregern befreit und dem Roten Kreuz virusinaktiviert zurückgeliefert. Als "Octaplas" erhalten es PatientInnen, die an einem generellen Mangel an Blutgerinnungsfaktoren leiden. Weiters wird auch Quarantäneplasma hergestellt. Dieses Plasma wird sechs Monate gelagert und erst nach einer erneut negativ befundeten Blutspende desselben/derselben Spenders/Spenderin freigegeben. Bei unter minus 30° C können diese Produkte bis zu zwei Jahre gelagert werden.

 

Zehn Jahre in alter Frische: BlutempfängerInnen können gegen jede körperfremde Eigenschaft der roten Blutkörperchen Abwehrstoffe bilden. PatientInnen, die an solchen Unverträglichkeiten leiden, sind selten. Trotzdem benötigen sie im Notfall Blutkonserven mit genau den richtigen Eigenschaften, auf die sie nicht reagieren. Das tiefkühlkonservierte Erythrozyten-Konzentrat (die "Cryo-Konserve", griech. cryos = Kälte) hilft in solchen Fällen. Blutspenden, die seltene Eigenschaften besitzen, werden in flüssigem Stickstoff bei minus 196 Grad Celsius schockgefroren und bei unter minus 142 Grad Celsius gelagert. Ihre Haltbarkeit in den Cryo-Containern beträgt bis zu zehn Jahre.

Blutplättchen als Beilage: Bei der Thrombozyten-Spende werden dem Blut des Spenders/der Spenderin nur Blutplättchen (Thrombozyten) und Plasma entnommen, die übrigen Bestandteile in seinen/ihren Blutkreislauf zurückgeleitet (Thrombapherese). Thrombo-Konserven werden von PatientInnen mit Blutplättchenmangel (Thrombopenie) benötigt. Thrombopenie kann zu schweren, manchmal tödlichen Blutungen führen. Die Lagerdauer von Thrombozyten-Konzentraten beträgt höchstens fünf Tage.

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