Historische Abbildung einer Bluttransfusion

Die Schilderung der ersten bekannten Blut-transfusion lässt einem heute noch das Blut in den Adern gefrieren:
Im Juli 1492 gaben drei Zehnjährige dem im Sterben liegenden Papst Innozenz VIII. ihr Blut. Man erhoffte sich dadurch die Verjüngung des betagten Kirchenfürsten. Die drei Kinder überlebten das Experiment nicht, und auch der Papst blieb so krank wie zuvor.

Blut wurde auch von einem lebenden Hund auf einen anderen übertragen, Tierblut - etwa von Schafen - kranken Menschen verabreicht. Blut hat von je her nicht nur die Fantasie von "Zauberern" und Mystikern angeregt, die ihm magische Wirkung zugeschrieben haben. Noch heute bringen Naturvölker Blutopfer dar. Der rote Lebenssaft hat zu allen Zeiten auch das Interesse der Ärzte geweckt, die ihn zur Behandlung von Patienten einsetzen wollten.

Die meisten Experimente, die in den letzten Jahrhunderten durchgeführt wurden, erscheinen uns heute haarsträubend. Die naturwissenschaftliche Erforschung von Blut begann genau genommen erst vor knapp 100 Jahren. Vorher standen den Wissenschaftern die notwendigen Geräte wie Mikroskope und die erforderlichen Techniken für Experimente nicht zur Verfügung. Erst als der Wiener Arzt Karl Landsteiner in den Jahren 1901 und 1902 die Blutgruppen A, B und 0 entdeckte, war der Grundstein für die moderne Transfusionsmedizin gelegt.

 

Der erste Bluttransfusionsdienst

Der erste Bluttransfusionsdienst wurde in London im Oktober 1921 gegründet - schon damals mit Hilfe freiwilliger und unbezahlter Spender. Auch damals war das Rote Kreuz schon federführend beteiligt. Die Chamberville Division des Britischen Roten Kreuzes in London erhielt einen dringenden Anruf vom King's College Hospital. Das Krankenhaus fragte an, ob jemand bereit wäre, Blut für einen Schwerkranken zu spenden. Percy Oliver, freiwilliger Sekretär der Division, und sechs weitere Rotkreuz-Mitarbeiter erklärten sich spontan bereit - einer von ihnen hatte die richtige Blutgruppe!

Um auf solche Fälle künftig besser vorbereitet zu sein, gründete Oliver den ersten Bluttransfusionsdienst - und stellte schon damals die Bedingung: Die Blutspende musste freiwillig sein und durfte nicht bezahlt werden.

 

Zwei Fragen im Mittelpunkt

Das Wissen über unser Blut, seine Zusammensetzung und seine Übertragungsmöglichkeiten auf dem Wege der Transfusion ist inzwischen überaus umfangreich geworden. Dank entsprechender Vorkehrungen von der Spende bis zur Übertragung ist die Bluttransfusion heute ein weitgehend sicherer Eingriff. Doch trotz Forschung auf höchstem wissenschaftlichem Niveau steht die Transfusionsmedizin heute vor Herausforderungen. Zwei Fragen stehen dabei im Mittelpunkt: Wie macht man Blutkonserven völlig frei von Krankheitserregern und damit so sicher wie möglich? Und: Wann gelingt es, einen Ersatzstoff für Blut zu finden, der alle Eigenschaften des Blutes erfüllt und das Blutspendewesen überflüssig macht?

Erst 1989 etwa wurde das Hepatitis-C-Virus entdeckt. Hepatitis C ist weltweit verbreitet, die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt die Zahl der VirusträgerInnen auf 100 Millionen Menschen. In Europa ist die Gefahr gering: Rund ein Promille der europäischen Bevölkerung trägt das HC-Virus. Trotzdem gibt es gegen diese Form der Leberentzündung noch keine Impfung und noch keine bei allen PatientInnen erfolgreich anwendbare Behandlung. Weil HC-Viren auch durch eine Bluttransfusion übertragen werden können, werden alle Anstrengungen unternommen, um eine solche Übertragung auszuschließen. Dazu zählt nicht nur eine Überprüfung der Spendetauglichkeit, sondern auch eine genaue Testung des Spenderblutes in den Labors.

Die Möglichkeiten der relativ jungen Gentechnik haben die Feststellung von Krankheitserregern im Blut erst seit wenigen Jahren revolutioniert. Zu den neuen Methoden auf gentechnischer Grundlage gehört das PCR-Verfahren (Polymerase Chain Reaction), das beim Roten Kreuz routinemäßig durchgeführt wird.

In Zeitungen und Fernsehen taucht immer wieder die Nachricht auf, dass Forscher bei der Herstellung von "Kunstblut" Fortschritte gemacht hätten. Kunstblut ist genau genommen nicht die richtige Bezeichnung für den Blutersatzstoff, an dem die WissenschafterInnen arbeiten. Es geht dabei vielmehr um den Blutfarbstoff Hämoglobin, der dem Blut seine rote Farbe verleiht. Die roten Blutkörperchen (Erythrozyten) transportieren Sauerstoff durch den Blutkreislauf zu den Körperzellen, weil sie Hämoglobin enthalten, der den Sauerstoff chemisch bindet. Was für den Sauerstofftransport benötigt wird, so die Annahme, sind also nicht ganze Erythrozyten, sondern bloß das daraus gewonnene "Hämoglobin".

Allein: Hämoglobin ist nicht ohne weiteres als Blutersatzmittel geeignet, denn es hat eine sehr kurze "Halbwertszeit". Seine Verweildauer im Kreislauf ist kurz, sie beträgt nur wenige Stunden. Dann wird der Blutersatzstoff wieder ausgeschieden. Damit eignet sich Hämoglobin höchstens für die kurzzeitige Behandlung von PatientInnen, die etwa durch einen Unfall viel Blut verloren haben. Für die Behandlung von LangzeitpatientInnen mit einem Mangel an Sauerstoffträgern im Blut ist es nicht geeignet. Dafür sind weiterhin die bewährten Erythrozyten-Konzentrate notwendig, und das bedeutet: Die freiwilligen BlutspenderInnen sind auch künftig durch nichts zu ersetzen

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