Die Antwort auf eine "frequently asked question".

Vier rumänische Mädchen

Von Rotkreuz-Jurist Dr. Bernhard Schneider

 

Österreich hat sich im Jahr 1955 - ebenso wie die meisten anderen Staaten der Welt - dafür entschieden, die Genfer Flüchtlingskonvention zu unterzeichnen.

Auch Österreich ist daher verpflichtet, Menschen Schutz zu gewähren, die aus begründeter Furcht vor Verfolgung - z.B. wegen ihrer Rasse, Religion oder Nationalität - aus ihren Heimatstaaten fliehen mussten. Der Beitritt Österreichs erfolgte (ebenso wie die Schaffung dieser Konvention) unter dem Eindruck der schrecklichen Ereignisse während des 2. Weltkrieges, die unzählige Menschen auf allen Seiten zur Flucht zwangen. Auch viele Österreicher waren davon betroffen, mussten ihr Heil in der Flucht suchen und waren - weil damals völlig rechtlos - auf Gedeih und Verderb dem Wohlwollen ihrer jeweiligen Gastgeberstaaten ausgeliefert. Glücklicherweise waren schon damals einige Staaten bereit, auch diesen hilfesuchenden Menschen ihre Gastfreundschaft zu gewähren und ihnen damit das Leben zu retten.

Derartiges Leid in Zukunft zu mindern und Flüchtlingen in ihrer schwierigen und beängstigenden Situation zumindest gewisse Rechte zu geben war und ist der Zweck des Asylrechts.

 

Was hat das mit dem Roten Kreuz zu tun? Sehr viel.

Kinder sitzen vor Zelt

Die Aufgabe des Roten Kreuzes ist seit jeher die Hilfe für die, die der Hlilfe am dringendsten bedürfen. Wir nennen sie die Verwundbarsten. Und zwar ohne Rücksicht auf Rasse, Nationalität, Hautfarbe, Religion, (tages)politische Opportunität oder ähnliches. Dies ergibt sich aus zwei der fundamentalsten Grundsätze des Roten Kreuzes - dem Grundsatz der Menschlichkeit und dem Grundsatz der Unparteilichkeit.

Wir haben es uns daher zur Aufgabe gemacht, immer wieder die Frage zu stellen, wer diese Verwundbarsten in unserer Gesellschaft sind und uns (falls nötig) um sie zu kümmern. Traditionell sind dies unter anderem Kranke, Verletzte, Pflegebedürftige und Opfer von Katastrophen. Eine vor 2 Jahren durchgeführte Studie hat gezeigt, dass auch Migranten im allgemeinen und Flüchtlinge im besonderen zu den verwundbarsten Personen in Österreich gehören.
Sie befinden sich in der Regel in physischen und psychischen Ausnahmesituationen. Etliche wurden gefoltert, vergewaltigt oder misshandelt, sind schwer traumatisiert und aus Angst kaum in der Lage ihre Geschichte wahrheitsgemäß zu erzählen. Sie mussten ihre Heimat verlassen und sich einem völlig ungewissen Schicksal in einem fremden Land aussetzen. Sie verstehen die Sprache in Österreich kaum oder gar nicht, unser Rechtssystem und unsere Kultur sind ihnen in vielen Fällen fremd, ihre Zukunft ist ungewiss und sie sind auch hier oft mit Misstrauen und Ablehnung konfrontiert.

Kaum jemand nimmt all das freiwillig auf sich. Man stelle sich vor, wie schlecht es einem in der Heimat Österreich gehen müsste, damit man sich zu solch einem drastischen Schritt wie einer Flucht in ein fremdes Land entscheiden würde.

 

Menschenkarawane hinter Rotkreuz-Fahrzeug

Genau das ist der Grund, weshalb sich das Österreichische Rote Kreuz - so wie übrigens die meisten anderen Rotkreuzgesellschaften in Europa schon seit langem - auch für diese Menschen verstärkt einsetzen möchte.

Österreich hat seit 1955 auch bereits einiges geleistet - durchaus unterstützt von der österreichischen Bevölkerung und vom Österreichischen Roten Kreuz: z.B. die Hilfe für die vielen Flüchtlinge, die aus Ungarn, der DDR oder aus dem ehemaligen Jugoslawien nach Österreich gekommen sind und uns um Hilfe gebeten haben. In diesen Fällen war Österreich in selbstloser Weise gastfreundlich und hilfsbereit und genießt deswegen bei vielen Betroffenen noch heute ein hervorragendes Ansehen. Auch heute ist die Lage in vielen Staaten der Welt nicht weniger dramatisch als in den genannten Fällen aus der Vergangenheit. Gerade das heurige Gedenkjahr ist ein Anlass, sich auch daran zu erinnern und sich die Frage zu stellen, ob sich die Einstellung vieler Österreicher(innen) zu Flüchtlingen vielleicht geändert hat und warum das der Fall ist.

 

Afrikanische Kinder

Die Tatsache, dass ein System in Einzelfällen missbraucht wird heißt nicht notwendigerweise, dass dieses System schlecht ist. Auch das österreichische Sozialsystem bietet natürlich diese Möglichkeit und wird Medienberichten zufolge auch immer wieder (von Österreichern und Nichtösterreichern) missbraucht. Dennoch bestreiten die wenigsten ernsthaft, dass das System als solches wichtig und zu begrüßen ist, weil es seinen primären Zweck - soziale Sicherung des Einzelnen - gut erfüllt. Die einzige Möglichkeit, Missbrauch des Sozial- oder Asylsystems mit Sicherheit zu verhindern ist, diese Systeme abzuschaffen.

Aus Sicht des Österreichischen Roten Kreuzes würden wir damit allerdings das Kind mit dem Bade ausschütten und wesentlich mehr Schaden anrichten als Nutzen stiften.
https://spende.roteskreuz.at

socialshareprivacy info icon