Lernhaus
Bildung und Integration
Wiens erstes Lernhaus bietet kostenlose Unterstützung für Schüler im Alter zwischen sechs und 15 Jahren. In Kleingruppen und ohne Druck soll den Kindern mit speziellen Übungen und Spielen beim Lernen geholfen werden.
Ins Leben gerufen wurde das Sozialprojekt, das im 15. Wiener Bezirk angesiedelt ist, vom Roten Kreuz und dem Verein Kurier Aid Austria (KAA).
Das Lernhaus ist in einem ehemaligen Gassenlokal in der Schwendergasse untergebracht und hat bereits Mitte März 2011 seinen Betrieb aufgenommen.
Derzeit werden 22 Volksschüler und 15 Haupt- und Mittelschüler betreut.
Geöffnet hat die Einrichtung nachmittags an Schultagen. Am Programm stehen etwa die Erledigung von Hausübungen, individuelle Trainings, gemeinsame Jausen oder Parkausflüge. "Wir sind kein Paukerinstitut, sondern wollen Freude an der Neugier und am Lernen wecken,"erklärt Rotkreuz-Projektleiter Herbert Habersack.
Das Lernhaus ist auch keine Konkurrenz zur Schule, sondern ein zusätzliches Lernhilfeangebot, das sowohl Kinder aus Österreich als auch Kinder mit Migrationshintergrund mit maßgeschneiderter Unterstützung fördert. In Kooperation mit den umliegenden Schulen werden jene Kids im Lernhaus aufgenommen, deren kognitiver und sozialer Status dies besonders notwendig erscheinen lässt.
Spaß am Wissen
Das Lernhaus steht Kindern offen, die ohne Hilfe die Pflichtschule nicht schaffen würden. „Wir wollen Interesse wecken, Kinder zum Lernen hinführen. Die Kinder sollen herausfinden, dass Lernen auch Spaß machen kann“, erklärt die Lernhaus-Pädagogin Gerti Floch. „Qualität steht im Vordergrund – wir leisten den ungewöhnlichen Luxus der Individualförderung und investieren in jedes Kind.“ Die Lerngruppen sollen „bunt gemischt“ sein, denn neben dem Schulstoff steht auch gelebte Integration auf dem Programm.
Als Betreuer fungieren neben den ausgebildeten Pädagogen freiwillige Studenten der Wirtschaftsuniversität - sogenannte Lernbuddys. Außerdem stellt das US-Unternehmen Accenture im Rahmen des Sonderprogramms "Skills to Succeed" Mentoren, welche den Teenagern bei der Berufsvorbereitung unter die Arme greifen sollen.
Da Bildung auch eng mit dem Elternhaus verknüpft ist, ist die Eltern-Arbeit ein wichtiger Bestandteil. Diese passiert in Kooperation mit den Wiener Kinderfreunden. Die ausgebildeten Elterncoaches der Familienakademie der Wiener Kinderfreude stehen dem Lernhaus ebenso zur Verfügung wie auch Übersetzerinnen.
Wie passt das zum Roten Kreuz?
Die Lernhäuser schließen eine Lücke und richten sich an Kinder aus bildungsfernen Schichten, die sich Nachhilfe nicht leisten können. „In Österreich bestimmt die Herkunft die Zukunft. Alle Kinder haben sich eine Chance auf ein besseres Leben verdient. Es kann ja niemand ein Interesse daran haben, dass unsere Kinder schlecht ausgebildet sind“, erklärt Herbert Habersack.
Um die Finanzierung der Initiative kümmert sich in erster Linie KAA, wobei Geld von der Stadt Wien, sowie privaten Spendern und Sponsoren aus der Wirtschaft kommt.
Das Rote Kreuz dient als Trägerverein. Für Mitte 2012 ist die Eröffnung zweier weiterer Lernhäuser in Niederösterreich und Oberösterreich vorgesehen.
Kontakt
Das Lernhaus in Wien befindet sich in der Schwendergasse 25-27, 1150 Wien.
Leitung Projekt für 6-12jährige am Nachmittag: Mag. Martina Mayr
Leitung Projekt für 12-15jährige am Abend: Mag. Aurelia Wolf

