Happy End nach drei Jahren der Trennung

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Herr Said verließ aus politischen Gründen Anfang 2005 seine Heimat Afghanistan und gelangte auf seiner Flucht bis nach Österreich, wo er einen Antrag auf Asyl stellte. Seine Gattin und seine Kinder verblieben vorerst in Afghanistan, mussten aber später ebenfalls flüchten - Herr Said verlor seine Familie aus den Augen….

Im Sommer 2006 kam Herr Said in die Sprechstunde des Suchdienstes um nach seiner Familie suchen zu lassen. Diese konnte schließlich im April 2007 in Pakistan gefunden werden. In der Zwischenzeit war Herrn Said in Österreich auch Asyl zugesprochen worden. Dies gab ihm, im Rahmen der europäischen Menschenrechtskonvention und des österreichischen Asylgesetzes, das Recht, seine „Kernfamilie“ (sprich seine Gattin und minderjährigen Kinder) zu sich nach Österreich zu holen.

Mitarbeiter des Suchdienstes unterstützen Herrn Said und seine Familie bei der Antragstellung auf Familienverfahren, welches vom Bundesasylamt genehmigt wurde. Im Februar 2008 konnte Herr Said dank der weiteren Unterstützung durch das Rote Kreuz (Ausstellung von IKRK- Reisedokumenten, Organisation der Flüge, finanzielle Unterstützung) seine Gattin und Kinder nach fünf Jahren der Trennung endlich wieder in die Arme schließen.

Da die Familie Unterstützung bei der Bewältigung ihrer anfänglichen Alltagsprobleme (Behördenwege, Wohnungssuche, Spracherwerb, Schulsuche, etc..) in Österreich benötigte, wurde ihr ein freiwillig tätiger Buddy zur Seite gestellt. Dieser soll im Sinne einer Integrationshilfe der Familie auch den Anschluss an die österreichische Gesellschaft erleichtern.

Erster Besuch in der Heimat nach über 60 Jahren

SD Stories2

Frau P. wurde während des II. Weltkrieges als Zwangsarbeiterin nach Österreich gebracht und kehrte nach Kriegsende nicht mehr in ihre Heimat, die Stadt Lemberg in der Ukraine, zurück. Den letzten Kontakt zu ihrer Familie hatte sie 1945, dann brach die Verbindung ab. Durch ihren Enkel ermutigt, begann sie nun nach Jahrzehnten die Suche nach ihren 4 Geschwistern und bat uns um Unterstützung.

Dank der Nachforschungen des Ukrainischen Roten Kreuzes konnten wir Frau P. erfreuliches mitteilen: Von ihren Geschwistern ist zwar nur noch der jüngste Bruder Josef am Leben, die Gattin von Frau P's verstorbenem Bruder Petro wollte aber gerne Kontakt. Auch der Sohn von Frau P's älterem Bruder Michael, der auch nicht mehr lebte, ist schon sehr neugierig, nach all den Jahren seine „neue“ Tante kennen zu lernen.

Frau P., eine rüstige 89jährige Dame, freut sich schon sehr darauf, nach all den Jahren ihrem Enkel ihre Heimat und einen Teil der gemeinsamen Familie vorstellen zu können.

Wiedersehen nach 5 Jahren der Ungewissheit

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Farhad R., war 16 Jahre alt, als er im Jahre 2001 überstürzt aus seiner Heimatstadt Kabul in Afghanistan floh – seine Mutter und sein jüngerer Bruder blieben in der Stadt zurück. Seitdem plagte den jungen Mann die Ungewissheit über das Schicksal seiner Familie.

Im September 2004 wandte er sich an den Suchdienst des Österreichischen Roten Kreuzes, da er von Bekannten erfahren hatte, dass sich seine Mutter und sein Bruder in der Türkei aufhalten sollen. Vorerst konnte uns diese Information vom Türkischen Roten Halbmond nicht bestätigt werden. Im Februar 2005 teilten uns die türkischen Kollegen jedoch mit, dass die gesuchten Personen im Jahr 2001 illegal in die Türkei eingereist waren, wo sie sich an den UNHCR gewandt hatten. Mit dessen Hilfe wurde ihnen von den USA der Flüchtlingsstatus zuerkannt. Im August 2004 reiste Fahrad’s Familie offiziell in die USA aus.

Im Jänner 2006 wurden uns schließlich die Adresse und Telefonnummer der Familie R. aus den USA übermittelt. Mutter und Bruder waren in mehreren Flüchtlingsunterkünften in unterschiedlichen Bundesstaaten untergebracht gewesen, was die Suche nach ihnen sehr schwierig gestaltete. Erst vor wenigen Monaten bekamen sie eine fixe Wohnung in Charlottesville, Virginia, zugewiesen und konnten so vom Suchdienst des Amerikanischen Roten Kreuzes gefunden werden.

Der erste Anruf bei seiner Familie war für Fahrad ein sehr bewegendes Erlebnis. „Nach so vielen Jahren meine Mutter zu hören, zu wissen, dass es ihr gut geht – das ist so unbeschreiblich schön“, sagte der junge Mann, der nun hofft, seine Familie auch bald wieder in die Arme schließen zu können.

 


Briefkontakt nach 60 Jahren wieder aufgenommen

Das Gedenkjahr 2005 veranlasste Herrn M. dazu, nach einem jungen Mädchen zu suchen, das er 1943 in der Ukraine kennen gelernt hatte. In der Unterkunft, in der er mit seiner Einheit stationiert war, waren auch einheimische Mädchen beschäftigt. Unter ihnen die damals 16jährige Sinaida.

Eines Tages wurde das Mädchen von der Straße weg, ohne sich von zu Hause verabschieden zu können, von Soldaten verschleppt und nach Berlin gebracht. Dort war sie dazu gezwungen, in einer Kühlerfabrik zu arbeiten. Da Sinaida die Feldpostnummer von Herrn M's Einheit kannte, schrieb sie ihm bis April 1944 Briefe, danach brach der Kontakt ab.

Herr M. freute sich sehr, im Jänner zu erfahren, dass die heute 76jährige nach dem Krieg in ihren Heimatort zurückkehren konnte und diesen bis heute nicht verlassen hat. Beide wollen den damals unterbrochenen Briefkontakt nach über 60 Jahren wieder fortsetzen.

Bruderglück nach 60 Jahren

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 „Egal was das kostet, ich nehme alles zusammen, um meinen Bruder zu besuchen“, fasst Erwin Della Rosa seine Wiedersehensfreude zusammen. Nach über 60 Jahren der Trennung hat der 83-Jährige erfahren, dass sein Bruder Alfons auf der anderen Seite des Globus lebt und nach ihm sucht.

Erwin und Alfons Della Rosa haben sich 1942 zum letzten Mal gesehen. Die Wirren des Zweiten Weltkriegs haben die beiden Brüder getrennt. Den älteren, Erwin, hat das Schicksal nach Australien geführt. Alfons, der jüngere, ist in Linz heimisch geworden. Gefunden haben sich die beiden schließlich über den Suchdienst des Roten Kreuzes.

Die ursprünglich aus Belgrad stammenden Brüder lernten Österreich als Zwangsarbeiter im Krieg kennen. Seite an Seite arbeiteten sie für Bauern in Niederösterreich, in einer Gummifabrik und in Rüstungsbetrieben, bis Erwin schließlich floh. „Ich wollte nicht für die Deutschen arbeiten. Da hätte ich mich lieber erschießen lassen“, erzählt er. Der Flüchtige wurde gefasst und wieder ins Straflager gebracht. „Als ich im August 1942 entlassen wurde, habe ich meinen Bruder zum letzten Mal gesehen. Getrennt durch einen Stacheldraht“, erinnert sich Alfons Della Rosa.

Die Lebenswege der Brüder führten über 60 Jahre weit auseinander, um den halben Erdball. Der heute 80-jährige Alfons fand nach dem Krieg eine Anstellung bei der Voest in Linz und reiste als Monteur um die Welt. Er heiratete und bekam fünf Kinder. Im australischen Adelaide gründete auch Bruder Erwin eine Familie mit fünf Kindern. Das Leben ging weiter, aber die quälende Frage nach dem Schicksal des Bruders begleitete beide.

Alle Versuche, einander zu finden, blieben erfolglos. Erst im vergangenen Sommer wendete sich das Blatt. Alfons Della Rosa erinnert sich: „Als ich bei einem Formel 1-Rennen im Fernsehen den Rennfahrer Pedro De la Rosa sah, glaubte ich eine Ähnlichkeit mit meinem verschollenen Bruder Erwin zu erkennen. Meine Enkelin Silvia versuchte daraufhin über den ORF in Erfahrung zu bringen, ob es eine Verbindung unserer Familie mit der des Rennfahrers geben könnte. Nachdem aber keine Rückmeldung vom ORF kam, kontaktierte sie das Rote Kreuz in Wien.“

Wie der Rotkreuz-Suchdienst herausfand, reichten die Familienbande nicht zum Rennfahrer, aber nach Australien. Nach sechs Monaten Suchkrimi über das internationale Netzwerk des Roten Kreuzes und 60 Jahren Trennung klingelte in Linz das Telefon. „Ich war außer mir vor Freude, als ich die Stimme meines Bruders hörte“, beschreibt Alfons Della Rosa gerührt seine Gefühle.

Jetzt haben sich die Geschwister in Linz getroffen. Nebeneinander sitzen sie auf dem Wohnzimmer-Sofa in Alfons Della Rosas Wohnung und blättern Familienalben durch. Es gibt viel zu erzählen, zwei ganze Leben müssen im Zeitraffer aufgeholt, traurige Ereignisse der Vergangenheit aufgearbeitet werden.

Ob sich der jeweils andere stark verändert habe, werden sie gefragt. „Früher hat der Erwin das Sagen gehabt, er war ja der ältere. Solange er bei mir in Österreich auf Besuch ist, sage ich wo’s lang geht“, schmunzelt Alfons. Nächstes Jahr möchte er mit seiner Enkelin den Gegenbesuch in Australien antreten.

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